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Tag: Literatur
Was man lesen sollte: Literatur im Kanon
Gehören Sie auch zu den VielleserInnen? Zu denjenigen also, die Bücher geradezu verschlingen, sich durch dicke Wälzer fressen und einen Schinken erst weglegen können, wenn Sie beim hinteren Buchdeckel angekommen sind? Willkommen im Club: Sie befinden sich in allerbester Gesellschaft.
Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki ist schon von Berufs wegen Großkonsument von Drucksachen. Und er hat sich Gedanken gemacht, welche Romane, Gedichte und Essays man gelesen haben sollte. In seinem »Kanon der deutschen Literatur« hat er die 50 besten Werke herausgefiltert. Insgesamt fast 25.000 Seiten und alle hat er sie gelesen!
Künftige Vielleser werden meist schon in jungen Jahren auffällig: Heimliches Lesen timeMinute0Hour0nachts unter der Bettdecke im Schein der Taschenlampe ist ein sicheres Anzeichen für das »Laster«. Zu schön ist es doch, mit einem spannenden Buch Raum und Zeit zu vergessen.
Als bibliophiler Mensch sollte man über eine geräumige Wohnung mit viel Stellfläche für Bücherregale verfügen, denn hartgesottene SchmökerianerInnen trennen sich nur ungern von ihren Schätzen. Das Ende vom Lied: Es werden immer mehr Druckwerke und die belegen nicht nur etliche Raummeter Regalfläche, sondern wiegen auch eine Kleinigkeit. Es soll in den Behausungen manch chronischer BüchersammlerInnen schon Probleme mit der Statik gegeben haben...
Falls bei Ihnen der Platz knapp, die Literaturleidenschaft dafür groß ist, habe ich einen Vorschlag: die schönsten deutschen Erzählungen in der Hörbuchversion auf 40 CDs, ausgewählt und kommentiert von Marcel Reich-Ranicki!
Hörbuch "Der Hörkanon" bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
18.01.2012, 15.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Das gefährliche Königreich
Am 3. Januar wäre er 120 Jahre alt geworden: John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3.1.1892 in Bloemfontein (Südafrika) geboren, am 2.9.1973 starb er in Bournemouth.
Zweifelsohne ist sein berühmtestes Werk »Der Herr der Ringe«. Es eroberte die Bestsellerlisten und wurde auch als Verfilmung ein Kassenschlager. Über J.R.R. Tolkiens Hauptwerk lässt sich nicht streiten. Er gilt als Wegbereiter der modernen Fantasy-Literatur, seine Phantasiewelt Mittelerde stattete er mit einer umfangreichen Mythologie und mehreren selbst erfundenen Sprachen aus. Die solide Basis für Tolkiens Geschichten bildet seine berufliche Beschäftigung mit mittelalterlicher Sprache und Literatur. Einige seiner Werke und Gedichte gründen auf mittelalterliche Vorlagen. Für den studierten Sprach- und Literaturwissenschaftler richtete die Universität Leeds im Jahre 1924 eigens eine Professur für englische Sprache ein, 1925 wurde er zum Rawlinson und Bosworth-Professor für Angelsächsisch in Oxford gewählt.
Vielleicht stutzen Sie bereits: Tolkien verfasste auch Gedichte? Ja, so ist es und alle, die den Herrn der Ringe kennen, sind auch bereits mit einigen der schönsten vertraut. Erinnern Sie sich:
Three Rings for the Elven-kings under the sky,
Seven for the Dwarf-lords in their halls of stone,
Nine for Mortal Men doomed to die,
One for the Dark Lord on his dark throne
In the Land of Mordor where the Shadows lie.
One Ring to rule them all, One Ring to find them,
One Ring to bring them all and in the darkness bind them
In the Land of Mordor where the Shadows lie.
Auf Deutsch:
Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Auch in anderen Erzählungen ist die phantastische Poesie Tolkiens deutlich spürbar. Er verfasste sogar eine Ballade, in der er von den Abenteuern Tom Bombadils erzählt!
Tolkiens Gedenken zu Ehren haben wir ein Hörspiel ins Programm aufgenommen, auf dem zahlreiche seiner Geschichten zum Schwelgen einladen: »Geschichten aus dem gefährlichen Königreich« heißt die Sammlung aus sieben CDs.
Der Schriftsteller, Journalist und Radiosprecher Gert Heidenreich liest die poetischen Gedichte aus dem Roten Buch. Er verzaubert mit eben jener Ballade von Tom Bombadils Abenteuern. Der deutsche Theater- und Filmschauspieler Ulrich Noethen entführt uns in die Welt des kleinen Hundes "Roverandom", die Geschichte von "Bauer Giles" erzählt Hans Paetsch, der als Schauspieler, Regiesseur und Synchronsprecher berühmt wurde. Achim Höppner, dessen Stimme ebenfalls aus Film, Funk und Fernsehen bekannt ist, war bereits die deutsche Synchronstimme von Gandalf im Herrn der Ringe. Im Hörbuch »Geschichten aus dem gefährlichen Königreich« liest er die magische Geschichte von einem Jungen, der den "Elbenstern" findet.
Als Sonderausgabe finden Sie dieses umfangreiche Hörspiel für weniger als Fr. 30.- bei uns im Angebot!
Hörbuch "Geschichten aus dem gefährlichen Königreich" bei Jokers
Bild: J. R. R. Tolkien/wikimedia
12.01.2012, 16.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Bibliophiles 2012: Literarische Jubiläen im Überblick
Wie jedes Jahr feierte ich auch dieses Jahr Silvester im Freundeskreis. Und wie immer verbrachten wir den Abend bis zum Jahreswechsel damit, nicht nur auf das vergangene Jahr zurückzublicken, sondern konzentrierten uns auf das, was uns im neuen Jahr erwartet. Insbesondere für uns Bücherliebhaber wird 2012 ein ereignisreiches Literaturjahr. Ein rundes Jubiläum reiht sich an das andere. Ich habe Ihnen einen kleinen, nicht vollständigen Überblick wichtiger Literaturjahrestage - vielleicht möchten Sie ergänzen, welche Jahrestage großer Autoren, die hier nicht erwähnt sind, Ihnen wichtig sind.
Es geschieht wohl nicht oft, dass Wilhelm Busch und Novalis nacheinander genannt werden, doch vereint die beiden unterschiedlichen Schriftsteller, dass sie beide dieses Jahr einen runden Geburtstag feiern würden. Auch so große Namen wie Tolkien, Karl May, Douglas Adams oder José Saramago finden sich unter den Jubilaren, Karl May hat es 2012 sogar auf beide Seiten der Listen geschafft: Er hätte im Februar seinen 170. Geburtstag begangen, im März gedenken wir seines 100. Todestages.
Runde Geburtstage:
Du Fu 1300. Geburtstag
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen 390. Geburtstag
J. R. R. Tolkien 120. Geburtstag am 3.1.
Umberto Eco 80. Geburtstag am 5.1.
Franz Fühmann 90. Geburtstag am 15.1.
Molière 390. Geburtstag am 15.1.
Virginia Woolf 130. Geburtstag am 25.1.
Lewis Carroll 180. Geburtstag am 27.1.
James Joyce 130. Geburtstag am 2.2.
Georg Trakl 125. Geburtstag am 3.2.
Charles Dickens 200. Geburtstag am 7.2.
Alexander Kluge 80. Geburtstag am 14.2.
Karl May 170. Geburtstag am 25.2.
Victor Hugo 210. Geburtstag am 26.2.
John Steinbeck 110. Geburtstag am 27.2.
John Irving 70. Geburtstag am 2.3.
Douglas Adams 60. Geburtstag am 11.3.
Wilhelm Busch 180. Geburtstag am 15.4.
Novalis 240. Geburtstag am 2.5.
Arthur Schnitzler 150. Geburtstag am 15.5.
Kurt Schwitters 125. Geburtstag am 20.6.
Ambrose Bierce 170. Geburtstag am 24.6.
Georg Christoph Lichtenberg 270. Geburtstag am 1.7.
Walter Benjamin 120. Geburtstag am 15.7.
Isabel Allende 70. Geburtstag am 2.8.
Günter Wallraff 70. Geburtstag am 11.10.
Georg Heym 125. Geburtstag am 30.10.
Arnold Zweig 125. Geburtstag am 10.11.
Gerhart Hauptmann 150. Geburtstag am 15.11.
José Saramago 90. Geburtstag am 16.11.
Bjrnstjerne Bjrnson 180. Geburtstag am 8.12.
Robert Gernhardt 75. Geburtstag am 13.12.
Ingo Schulze 50. Geburtstag am 15.12.
Runde Todestage:
Georg Heym 100. Todestag am 16.1.
Franz Grillparzer 140. Todestag am 21.1.
Astrid Lindgren 10. Todestag am 28.1.
Alexander Puschkin 175. Todestag am 10.2.
Edgar Wallace 80. Todestag am 10.2.
Georg Büchner 175. Todestag am 19.2.
Stefan Zweig 70. Todestag am 23.2.
Nikolai Gogol 160. Todestag am 4.3.
Johann Wolfgang von Goethe 180. Todestag am 22.3.
Stendhal 170. Todestag am 23.3.
Walt Whitman 120. Todestag am 26.3.
Karl May 100. Todestag am 30.3.
Robert Musil 70. Todestag am 15.4.
Bram Stoker 100. Todestag am 20.4.
Ralph Waldo Emerson 130. Todestag am 27.4.
Henry David Thoreau 150. Todestag am 6.5.
Peter Weiss 30. Todestag am 10.5.
August Strindberg 100. Todestag am 14.5.
Johann Nepomuk Nestroy 150. Todestag am 25.5.
J. M. R. Lenz 220. Todestag am 4.6.
E. T. A. Hoffmann 190. Todestag am 25.6.
William Faulkner 50. Todestag am 6.7.
Kenneth Grahame 80. Todestag am 6.7.
Clemens Brentano 170. Todestag am 28.7.
Waldemar Bonsels 60. Todestag am 31.7.
Hermann Hesse 50. Todestag am 9.8.
Tania Blixen 50. Todestag am 7.9.
Walter Scott 180. Todestag am 21.9.
Emile Zola 110. Todestag am 29.9.
Géza Gárdonyi 90. Todestag am 30.10.
Ezra Pound 40. Todestag am 11.11.
Ludwig Uhland 150. Todestag am 13.11.
Paul Éluard 60. Todestag am 18.11.
Marcel Proust 90. Todestag am 18.11.
Günter Eich 40. Todestag am 20.12.
Louis Aragon 30. Todestag am 24.12.
10.01.2012, 08.39 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Im Alltag angekommen: Brigitte Reimann
Wer leuchten will, muss brennen, wurde über sie gesagt und Brigitte Reimann (1933 1973) brannte, sie brannte sogar lichterloh. Ihre Lebenskerze war an beiden Enden angezündet. Sie lebte exzessiv, voller Unrast und Verlangen; sie war nonkonformistisch, unangepasst und kompromisslos; sie war eine Getriebene, voller »Hunger auf Leben«, so der Titel einer Filmbiographie. Gleichzeitig quälten sie Selbstzweifel und tiefe Depressionen. Brigitte Reimann war eine zerrissene Persönlichkeit. Als Schriftstellerin in der ehemaligen DDR hatte sie den Anspruch, den jungen deutschen Staat voranzubringen. Darein setzte sie ihre ganze schöpferische Kraft. Zugleich jedoch verzweifelte sie mehr und mehr an den Auswüchsen ihres Landes, an der Bürokratie, Gängelung und Unfreiheit.
Brigitte Reimann ist uns vor allem mit ihrem unvollendeten Roman »Franziska Linkerhand« im Gedächtnis geblieben ein Werk mit autobiographischen Zügen. Es schildert die zunehmende Desillusionierung der jungen Architektin Franziska, die mithelfen möchte, menschenwürdige Städte im »Arbeiter- und Bauernstaat« zu bauen. Was idealistisch begann mit Licht, Luft und Raum für alle, endete »in der Platte«, lieblos hingeklotzten Einheits-Plattenbauten, hämisch als »Arbeiterschließfächer« bezeichnet.
Wie ihre Titelheldin Franziska ließ sich auch Brigitte Reimann von der Euphorie der Anfangsjahre in der DDR anstecken, als es darum ging, ein neues, anderes, besseres Deutschland aufzubauen. 1960 ging sie nach Hoyerswerda, das sozialistische Musterstadt werden sollte. Rund um das aufstrebende Braunkohlekombinat »Schwarze Pumpe« war Wohnraum für die in großer Zahl zugezogenen Werktätigen geschaffen worden. Exemplarisch wurde hier auch der so genannte »Bitterfelder Weg« der DDR-Kulturkonferenz von 1959 in die Tat umgesetzt: Die Trennung zwischen KünstlerInnen und Volk bzw. zwischen Kunst und Arbeitswelt sollten aufgehoben werden. Die Kunstschaffenden arbeiteten im Kohlebetrieb mit unter dem Motto »Dichter in die Produktion!«. Und für die ArbeiterInnen hieß es: »Greif zur Feder, Kumpel die sozialistische Nationalliteratur braucht dich!« Auch Brigitte Reimann arbeitete Schicht und leitete daneben einen »Zirkel Schreibender Arbeiter«.
Unter dem Eindruck der real - existierenden Arbeitswelt prägte Brigitte Reimann schließlich eine eigene Literaturströmung in der DDR, die »Ankunftsliteratur« benannt nach ihrem Roman »Ankunft im Alltag« von 1961. Nach den Jahren des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft mit der Kollektivierung der Landwirtschaft und Verstaatlichung der Industrie war man nun im Alltag angekommen. Im Mittelpunkt der Werke stand nun nicht mehr der Aufbruch in eine neue Zeit, sondern der Mensch in einer entwickelten sozialistischen Gesellschaft mit seinen Hoffnungen und Zweifeln, Freuden und Sorgen. Auch Christa Wolfs »Der geteilte Himmel« (1963) zählt zur Ankunftsliteratur.
Brigitte Reimann war nicht nur zerrissen zwischen ihrem Glauben an einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz und der Wirklichkeit. Sie zerrieb sich auch in ihrer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit in vier Ehen mit diversen Dreiecksverhältnissen und unzähligen Liebschaften. Mit 39 Jahren versagten ihre Lebensgeister und sie starb an Krebs.
In ihren Tagebüchern, geführt von 1955 bis 1970, gibt Brigitte Reimann schonungslos, offen und ehrlich Einblick in ihr rastloses Leben, ein Stück ostdeutsche Zeitgeschichte - bei Jokers als beeindruckende Hörbuch-Edition auf 4 CDs!
Brigitte Reimanns Tagebücher 1955 - 1970 auf CD bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
Bild: Plattenbaufassade © Sarah Blatt/www.pixelio.de
23.05.2011, 20.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Was macht eigentlich Elke Heidenreich?
Seit ihrem Austritt aus der TV-Literatursendung "Lesen" im Herbst 2008 hört man nicht mehr viel von Elke Heidenreich. Zwar versuchte die ehedem beliebte deutsche Literatin das Format im Internet mit Punksänger Campino als erstem Gast neu zu beleben. Doch seitdem herrscht Funkstille. Auch ihre Auszeichnung mit dem Julius-Campe-Preis ging 2010 im öffentlichen Bewusstsein irgendwie unter.
Mir persönlich fehlt Heidenreich. Man mag von ihrer Meinung zur heutigen Fernseh- und Literaturlandschaft halten, was man will. Auch von ihrer Aussage anlässlich der Preisverleihung, "Würde es Lesen! noch geben, dann stünde heute "Diese alte Sehnsucht" von Richard Russo auf der Bestsellerliste, und nicht der seit Jahren chronisch überschätzte Bernhard Schlink oder dieser ganze Vampir-Quatsch."
Diplomatie gehört offensichtlich nicht zu ihren Stärken, dafür aber Leidenschaft und die ungebrochene Liebe zum Buch, die sie in so vielen Diskussionsrunden, Kritiken, Empfehlungen und eigenen Werken zeigte. Spätestens, als mein Hörbuch-Player im Auto auf "Zufall" gestellt neulich wieder "Der Welt den Rücken" spielte, merkte ich den Verlust. Seitdem liegt mir bei jedem Blick auf die aktuellen Buchbestsellerlisten mit all ihren Fantasyfiguren auf den Lippen: "Elke, komm zurück!"
09.03.2011, 17.06 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
2011 und seine Literaturjubiläen
Für Liebhaber der schönen Künste wird 2011 ein exquisites Jahr. Lassen Sie uns einen Blick auf die bedeutendsten Jubiläen werfen!
* Michail Lomonossow, der geniale Naturwissenschaftler und Verfasser der allerersten russischen Gedichte, wäre 2011 300 Jahre alt geworden. Der Russe schrieb auch Schauspiele für das neue Nationaltheater und beeindruckte mit dem Verfassen einer russischen Grammatik.
* 200 Jahre wäre Franz Liszt geworden: Die meisten Musik-Fans kennen ihn als begnadeten Komponisten und Pianisten, jedoch wurden auch viele Briefe und Essays von ihm publiziert. Besonders erwähnenswert ist aber auch eine Biographie über Frédéric Chopin, die das Multi-Talent verfasste.
* William Makepeace Thackeray wurde im gleichen Jahr, also 1811, geboren: Der gebürtige Inder besucht in seiner Jugend ein englisches Internat, in London startete er seine schriftstellerische Karriere als Journalist. "Vanity Fair" (dt. »Jahrmarkt der Eitelkeit«) ist der bekannteste Roman aus seiner Feder.
* Ebenfalls 1811 wird Harriet Beecher Stowe, jüngste Tochter des Pfarrers Lyman Beecher, in den USA geboren: Wer las nicht ihr Werk »Onkel Toms Hütte«?
* Für deutsche Literatur-Begeisterte ist der Todestag von Heinrich von Kleist wohl besonders bedeutsam: 1777 in Frankfurt an der Oder geboren, starb er im November 1811 durch Suizid. Insbesondere sein Lustspiel "Der zerbrochene Krug" und seine Novelle "Michael Kohlhaas" machten ihn berühmt.
* Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt - Runde Geburtstage von zwei ausgezeichneten Schweizer Autoren. Die Schweiz feiert gleich zwei literarische Grossereignisse. Seinen 100. Geburtstag hätte Max Frisch, der ursprünglich Architekt war, gefeiert. In den 1950er Jahren verfasste er einige seiner erfolgreichsten Werke wie die Romane "Stiller" (1954) und "Homo faber" (1957) sowie das Schauspiel "Biedermann und die Brandstifter« (1958). 1976 erhielt der Schweizer den "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels", 1989 den "Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf". 1991 stirbt der Autor in seiner Geburtsstadt Zürich. Einer meiner Lieblingsautoren ist der Berner Autor Friedrich Dürrenmatt, der zehn Jahre jünger als Max Frisch ist: Besonders liebe ich neben seinen wunderbaren Texten (vor allem sein »Minotaurus« hat es mir angetan) auch seine Illustrationen. Seine Komödien "Der Besuch der alten Dame" (1956) und "Die Physiker" (1962) verhalfen ihm zum internationalen Durchbruch. Auch er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. 2011 wäre Friedrich Dürrenmatt 90 Jahre alt geworden.
* 1911, im selben Jahr wie Max Frisch, erblickt in Mississippi Thomas Williams das Licht der Welt. Als Spitznamen bekommt er »Tennessee« verpasst, weil er den Akzent des Nachbarbundesstaates spricht. Und genau unter diesem Namen wurde er auch mit seinen beeindruckenden Theaterstücken bekannt: "A Streetcar Named Desire" (dt. »Endstation Sehnsucht) und "Cat on a Hot Tin Roof" (dt. »Die Katze auf dem heissen Blechdach«) sind nur einige Beispiele, die ihm jedoch 1948 und 1955 den Pulitzer-Preis bescherten.
* Ein weiterer ganz grosser Name auf unserer Liste ist Ernest Hemingway. 1954 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, nachdem er im Jahr zuvor bereits den Pulitzer-Preis erhalten hatte. Seine Novelle "The Old Man and the Sea" (dt. »Der alte Mann und das Meer«) ist eines seiner bedeutendsten Werke. 1961 begeht er Suizid, somit ist 2011 ist sein 50. Todestag.
Noch ein Nobelpreisträger, dem 2011 gedacht wird, ist William Golding, der im gleichen Jahr wie Max Frisch und Tennessee Williams geboren wurde. Sein 1954 erschienener Roman "Lord of the Flies" (dt. »Herr der Fliegen«) zählt noch heute zur Schulpflichtlektüre. 1983 erhält William Golding zehn Jahre vor seinem Tod den Literaturnobelpreis.
Für uns Literatur-Liebhaber wird 2011 also ein wirklich einzigartiges Jahr.
23.01.2011, 00.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Werbung, die wirkt
Noch vor 30 Jahren war Werbung im deutschsprachigen Raum langweilig, dröge – aber meistens halbwegs informativ. Heute ist sie aggressiv, laut – aber unterhaltsamer. Leider allerdings viel zu oft mit der Holzhammermethode auf lustig und „kreativ“ getrimmt.
Wie erfreulich ist es da, wenn man mal eine gut gemachte Anzeige findet. Eine, die anspricht, informiert, den Aha-Effekt und ein Lächeln erzeugt. Ohne großes Tamtam. Wie zum Beispiel eine Anzeige der „Handwerkskammer für Oberfranken“.
Da heißt es schlicht:
„Die kurze Geschichte des Handwerks:
Rad erfunden,
Pyramiden gebaut,
Mars erkundet,
Abfluss repariert.
Das Handwerk
Die Wirtschaftsmacht von nebenan.“
Dazu zwei Internet-Adressen für weitere Informationen, keine Bilder oder aggressive Farben.
Gut, gell? Da wird mit wenigen Worten auf wenig Platz ein ganzer Berufsstand gleich um mehrere Stockwerke aufgewertet. Man nennt drei Errungenschaften, die jede/r als herausragend ansieht, und weckt zur eher profanen Abfluss-Reparatur dadurch den Gedanken: „Ja, eigentlich ist auch das eine für die Entwicklung der Menschheit wichtige Sache.“ Man bekommt richtig Lust, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen oder die nächstes Jahr fällige Bad-Renovierung etwas vorzuziehen.
Ob sich das schöne, einfache und wirkungsvolle Schema dieser Anzeige auch auf Bücher, Verlage, Literatur im Allgemeinen ummünzen ließe? Wie war das noch? Drei herausragende Errungenschaften, dann was Profaneres, trotzdem Wichtiges...
Zum Beispiel:
„Die kurze Geschichte der Literatur:
Sprache entwickelt,
Schrift erfunden,
Buch gedruckt,
...“
Ja, was jetzt? Kann man diese Reihe mit einer Aussage fortsetzen, die der Abfluss-Reparatur gleichkommt?
„Bild-Zeitung gelesen“? Hm, passt zum Abfluss, geht aber in die falsche Richtung.
„Bibliothek geschlossen“? Leider viel zu oft wahr, aber es soll ja ein positives Image erzeugt und keine Gesellschafts-Kritik geäußert werden...
Ich mach’s kurz: Es gibt im Zusammenhang mit Literatur nichts, das wie die Abfluss-Reparatur aus der Handwerkskammer-Anzeige wirken könnte.
Deshalb zurück zur Werbung:
„Die kurze Geschichte der Literatur:
Sprache entwickelt,
Schrift erfunden,
Buch gedruckt,
bei Jokers bestellt.
Die Literatur.
Denn Wissen ist Macht.“
10.01.2011, 16.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ein zartes Persönchen
Was haben ein Jockey, der
König von Finnland und ein Wunderkind gemeinsam? Nur wenige von Ihnen dürften
jetzt spontan aufspringen und begeistert rufen: "Klar, das sind doch alles
Erzählungen von Carson McCullers!" Denn so richtig berühmt ist die 1917
geborene amerikanische Autorin eigentlich nie gewesen. Kurzen Ruhm konnte sie nur
1940 geniessen, als ihr weltweit gefeiertes Buch "Das Herz ist ein einsamer
Jäger" erschien. Es stand wochenlang in den US-amerikanischen Bestsellerlisten
und machte sie zum Liebling der New Yorker Literaturszene. Am Ende wurde das
Buch sogar verfilmt.
Ihr Name ist also auch nicht jedem Literaturfreund geläufig, höchstens vielleicht durch Elke Heidenreich, die McCullers als eine ihrer Lieblingsautorinnen in ihrer Literatursendung ein wenig aus der Versenkung geholt hat. Und wirklich haben die Werke der Schriftstellerin aus den Südstaaten einen ganz besonderen Charme. Sie sind voller Poesie und Grazie, voller Melancholie, aber nicht traurig. So auch ihre Erzählungen, die Sie hier bei uns entdecken können. Eine Sammlung kleiner literarischer Perlen, Lesefreude in Reinkultur.
Sieht man ein Foto der Autorin, dann erblickt man ein zartes, scheu wirkendes Persönchen, das irgendwie zerbrechlich wirkt. Tatsächlich war Carson McCullers zeit ihres Lebens immer wieder mit schweren Krankheiten konfrontiert. Rheuma und Lähmungen, Herzprobleme, Sehstörungen und mehrere Schlaganfälle beeinträchtigten sie und führten schliesslich zu ihrem frühen Tod mit gerade einmal 50 Jahren.
Trotz ihrer kurzen Schaffenszeit hat sie mit ihren Kurzgeschichten kleine Lesewunder geschaffen, die mehrfach preisgekrönt wurden. Gönnen Sie sich Carson McCullers’ "Gesammelte Erzählungen" - Sie werden es nicht bereuen!
"Gesammelte Erzählungen" von Carson McCaullers bei Jokers
Bild: Carson McCullers/wikimedia.de
23.10.2010, 05.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wartezimmer-Lektüre
Erinnern Sie sich noch an das "Literarische Quartett"? Von 1988 bis 2001 lief die Literatursendung im Fernsehen und war vor allem wegen der bissigen Kommentare des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki legendär. Neben dem streitbaren Kritik-Altmeister gehörten die Publizistin Sigrid Löffler und der Journalist Hellmuth Karasek zur festen Runde dieser Kultsendung für Buchfreunde. Der vierte Teilnehmer war jeweils ein Gast. Wie auch immer man zu den Urteilen der Kritiker des "Literarischen Quartetts" stehen mochte, unterhaltsam war es immer, wenn es auch bisweilen ganz schön barsch herging.
Auch viele Jahre nach Ende der Sendung ist Ex-Quartettler Hellmuth Karasek in den Medien präsent. So schreibt er für diverse Tages- und Wochenzeitungen und lässt sich auch gern einmal im Fernsehen sehen. Seit geraumer Zeit ist er ausserdem Professor am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg. Doch damit nicht genug. Der Literaturkritiker Karasek tritt auch selbst als Autor in Erscheinung. Und das macht er alles andere als schlecht, wie Sie hier bei Jokers entdecken können.
Sein Buch "Vom Küssen der
Kröten" macht riesigen Spass. Seine gesammelten Glossen aus dem "Hamburger
Abendblatt" und der "Berliner Morgenpost" zeigen, dass Karasek einfach gut
erzählen kann. Leicht und pointiert, kurzweilig, aber auch beissend scharf
seziert er Ereignisse und Vorfälle aus Politik und Gesellschaft.
Ein kritischer Geist, das ist Hellmuth Karasek, der aus der heute zu Tschechien gehörenden Stadt Brünn stammt, zweifellos. Als Autor hat sich der langjährige SPIEGEL-Journalist und Herausgeber inzwischen einen sehr guten Namen gemacht.
"Vom Küssen der Kröten" ist perfekter Einstieg in Karaseks Schreibe und, da in "Häppchen"-Form verfasst, bestens für Strassenbahnfahrten oder Wartezimmer geeignet.
"Vom Küssen der Kröten" bei Jokers
Belletristik
07.10.2010, 01.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Hermann-Hesse-Preis
Literaturzeitschriften gibt es viele: Nur wenige werden über einen kleinen Fan-Kreis hinaus bekannt. Der Leipziger „Poet“ ist eine der wenigen Ausnahmen, die das schaffte. Ein Grund mag auch der neuartige Ansatz sein, die Zeitschrift mit einem Internetportal (www.poetenladen.de) zu ergänzen. Das Konzept und der Inhalt treffen den Zeitgeist so sehr, dass der diesjährige Calwer Hermann-Hesse-Preis an die Leipziger Macher des „Poeten“ geht.
Am Geburtstag Hermann Hesses, also am 2.Juli, wird der Preis alle zwei Jahre vergeben. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und wird seit 1990 verliehen. Abwechselnd geht er an eine deutschsprachige Literaturzeitschrift und an einen Übersetzer der Werke Hermann Hesses. Getragen wird die Auszeichnung von der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung und dem Land Baden-Württemberg. Ausgezeichnete Zeitschriften waren zuletzt „Sprache im technischen Zeitalter“ und „EDIT“.
Der diesjährige Gewinner, die halbjährlich erscheinende Zeitschrift „Poet“, ist die Printausgabe des 2005 gestarteten Literatur-Internetportals poetenladen.de. Die Jury begründet ihre Wahl so: Sowohl die Zeitschrift wie die Webseite seien „eigenständige Foren, die das jeweilige Medium in herausragender Weise nutzen“, zusammen böten sie „ein beispielhaftes Konzept für die Förderung und Verbreitung junger Literatur“. „Es beeindruckt nicht nur durch sein frisches Layout, sondern auch durch seine inhaltliche Konzeption“, teilte Kunststaatssekretär Dietrich Birk (CDU) anlässlich der Preisverleihung mit.
Auch ich finde, dass sich ein Blick in den „Poetenladen“ lohnt. Er ist ein virtueller Raum für Dichtung, in den Regalen findet der Besucher Storys und Gedichte, Erzählungen und Kurzprosa unterschiedlicher Spielart. Ergänzt wird der literarische Teil durch aktuelle Buchkritiken, Essays und Nachrichten zur Poesie, wesentlich für den Internetauftritt ist auch der grafische Bereich, der Illustrationen und Arbeiten darstellender Künstler einschliesst. Ich finde es immer wieder schön, auf diese Weise unkonventionelle Lyrik und Texte (noch) unbekannter Nachwuchskünstler zu lesen. Klicken Sie doch auch mal rein!
06.08.2010, 20.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL




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