
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Lyrik
Fragen eines Lyrik-Laien
Wie beeinflusst das »Drumrum« die Wirkung eines Gedichtes? Also, da gibts ja das »normale« Gedicht, mit mehr oder weniger gelungenen Reimen, sauber untereinander geschriebenen Strophen und so weiter. Steht ein solches Werk auf einem stinknormalen, langweilig weißen A4-Blatt, so wird es doch, poetisches Talent des Dichters vorausgesetzt, seine Wirkung entfalten: Das Liebesgedicht macht meist eher glücklich, das Klagelied meist eher traurig, ums ganz einfach auszudrücken.
Wird nun die Wirkung des Liebesgedichtes verstärkt, wenn man es auf ein rotes Plüschherz schreibt? Oder anders gefragt: Was ändert sich an der Wirkung dieses Liebesgedicht es, wenns der Steinmetz dereinst vom langweiligen weißen A4-Blatt auf den Grabstein überträgt?
Es würde den Lyrik-Laien also interessieren, inwieweit die Art der optischen Darstellung eines Gedichtes ein lyrisch geschultes Gehirn bei der Aufnahme der Worte beeinflusst. Hintergrund: Nachdem die Jury des Jokers Lyrikpreises 2012 ihre Arbeit beendet hatte, konnte ich einige der eingereichten Werke lesen oder besser: auf mich wirken lassen.
Dass mit Worten Bilder gemalt wurden (nicht im übertragenen Sinn; die Worte eines Frühlingsgedichtes sind da schon mal in Form einer Blume angeordnet) war schon fast normal. Andere Gedichte erinnerten mich an die »Tag-Wolke« hier auf der Jokers-Blog-Seite (siehe rechts). Die Darstellung ist in solchen Fällen Teil des Werkes, das ist auch mir klar. Die AutorInnen haben sich ja was dabei gedacht. Nur wirds leider oft übertrieben, das Wort »Butterbrotpapier« erhält keine tiefere Bedeutung, nur weil man die Silben quer über fünf Zeilen verteilt. Ich hätte gern Mäuschen bei den Beratungen der Jokers Lyrik-Preis-Jury gespielt um zu hören, wie das erste und wie das einhundertzweiundvierzigste »Butterbrotpapier«-Gedicht bewertet wurden...
Die Lyrik hat übrigens längst die dritte Dimension erobert, wie auch einer der Jokers Lyrikpreis-Beiträge, eingesandt von Chiko Sebe-Opfermann, zeigt: Eine flache weiße Schachtel, darinnen, dekorativ angeordnet, sechs hauchdünne, getrocknete halbe Fruchtkern-Schalen (von der Avocado?), die einige wohl gewählte Worte umhüllen. Sehr schöne und interessante Idee, wie ich finde, die viel Raum für Interpretationen bietet. Aber sehen Sie selbst... Was meinen Sie?
25.04.2012, 15.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Lauter Lyrik
Es war ein gewagtes Unterfangen und zugleich das grösste Lyrik-Projekt Deutschlands: Die komplette Lyrik-Geschichte Deutschlands sollte nicht nur archiviert und gesammelt, sondern auch vertont werden. Was dabei im Jahre 2008 heraus kam, kann sich wahrlich sehen (und hören) lassen: 1100 deutsche Gedichte aus 1200 Jahren von mehr als 460 Dichterinnen und Dichtern, gesprochen von der deutschen Schauspielelite - Auf 21 CDs und 2 MP3-CDs sind Minnesänger, Dichterfürsten, Wunderkinder, Romantiker, Satiriker ebenso wie Liedermacher und Slam-Poeten. Hymnen, Gebete, Balladen, Sonette, Elegien und Oden, Lautgedichte, Lehrgedichte und Protestgedichte, Epigramme, Totenlieder, Naturlyrik und patriotische Anklagen, erotische Gedichte, Spottgedichte und Liebesgedichte zu finden.
Zusammen mit der ARD unter Federführung des SWR2 entstand das wohl ambitionierteste Lyrik-Projekt überhaupt: "Lauter Lyrik" ist auch deswegen so einzigartig, weil frei von persönlichen Wertungen und Präferenzen tatsächlich alle Untergattungen der Lyrik zu Wort kommen. Hier reichen sich Achim von Arnim und Mörike die Hand, Klassiker wie der "Prometheus" von Goethe oder "Hyperions Schicksalslied" von Hölderlin sind ebenso dabei wie unbekanntere und topaktuelle Gedichte aus heutiger Zeit.
Zu Recht wird der "Hör-Conrady" als das Lyrikwerk der Superlative bezeichnet: Er bietet weit mehr als die bekannten und im Gedächtnis der Lyrikliebhaber fest verwurzelten Stücke. Allen unseren unterschiedlichen "Spielarten" deutschsprachiger Lyrik wird durch die exzellente Vertonung durch 14 bekannte Schauspieler Leben eingehaucht.
Hier haben Sie 25 Stunden Hörgenuss und der nächste Regentag oder der Stau auf dem Weg in den Sommerurlaub kommt bestimmt!
11.07.2011, 10.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Leben in Extremen
Zwischen all den tollen neuen Romanen und aufsehenerregenden Sachbüchern kommt die Lyrik immer ein bisschen kurz. Sie fristet eher ein bescheidenes Schattendasein und hat weniger Fans als etwa die Belletristik. Dabei gehören beispielsweise die Werke der Lyriker Paul Celan und Ingeborg Bachmann zum Besten, was die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts zu bieten hat. Beide waren im echten Leben Getriebene. Paul Celan, der aus dem heute ukrainischen Czernowitz stammte, verlor als Jude seine Eltern im Ghetto. Sein Vater starb an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Er selbst war in Arbeitslagern interniert. Dennoch schrieb Celan weiterhin auf Deutsch, der Sprache der Täter. Aus seiner Feder stammt das wohl bekannteste Gedicht über den Holocaust, die "Todesfuge".
Nach dem Krieg lebte er zunächst in Rumänien, später in Wien, ab 1948 in Paris. Dort heiratete er die Künstlerin Gisèle Lestrange. Da er versuchte, seine Frau im Wahnzustand mit einem Messer zu töten, wurde er in den 1960er Jahren psychiatrisch behandelt. Celan starb unter ungeklärten Umständen, seine Leiche wurde 1970 aus der Seine geborgen.
Die Autorin Ingeborg Bachmann stammt aus dem österreichischen Klagenfurt. Für ihre Werke am bekanntesten ist wohl der Gedichtband "Die gestundete Zeit" erhielt sie 1964 den Büchner-Preis. Bachmann lebte ab 1965, inzwischen schwer tabletten- und alkoholabhängig, in Rom, wo sie sich 1973 bei einem Wohnungsbrand schwere Verletzungen zuzog, an denen sie wenig später verstarb.
Zwei Leben in Extremen Ende der vierziger bis Anfang der fünfziger Jahre verband Paul Celan und Ingeborg Bachmann eine intensive Liebesgeschichte. Kein Wunder, dass der Briefwechsel der beiden sich zu lesen lohnt. Sie liebten sich, aber ein gemeinsames Leben kam nie zustande, fast 20 Jahre standen die Ausnahme-Autoren in Kontakt miteinander. "Herzzeit" ist ein berührendes Dokument, das den Leser hautnah teilhaben lässt an Leben, Lieben und Leiden zweier ungewöhnlicher Menschen. Vielleicht bekommen Sie ja Lust auf Lyrik. Dann haben wir natürlich etwas ganz Besonderes für Sie, eine Hör-Edition mit deutschsprachigen Gedichten aus 500 Jahren.
http://www.jokers.ch/3/15945505-1/buch/herzzeit.html
http://www.jokers.ch/3/15537446-1/hoerbuch/lauter-lyrik-der-hoer-conrady-21-audio-cds-u-2-mp3-cds.html
02.04.2011, 00.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Lyrischer Weltrekord
Kommt man mit einem Gedicht ins Guinness-Buch der Rekorde? Mit einem nicht unbedingt, aber mit vielen oder mit einem in vielfachen Variationen... Der amerikanische Geschäftsmann Ashrita Furman (55) hat es geschafft! Kürzlich organisierte er seinen ganz persönlichen lyrischen Weltrekord. Er liess in New York ein Gedicht von 146 Menschen aus verschiedenen Kulturen in deren jeweiliger Muttersprache vortragen. Alles ging ganz gesittet und der Reihe nach vor sich - von wegen babylonische Sprachverwirrung. Eine solche Massen-Lesung hat zuvor wohl noch niemand gewagt.
Der frischgebackene Gedichte-Grossmeister ist übrigens der König der Rekorde. Er hat es schon rund 300 Mal ins Buch der Höchstleistungen geschafft und hält derzeit über 100 Titel. Seine Heldentaten waren durch die Bank spektakulär - Aktionen, auf die im Leben kein Mensch käme. Oder haben Sie schon mal in Erwägung gezogen, möglichst viele Kniebeugen in einem Heissluftballon zu machen? Mit einem Hüpfball die chinesische Mauer zu überwinden? Oder mit einer vollen Milchflasche auf dem Kopf zu joggen? Auch eine Orange mit der Nase eine Meile die Strasse entlang zu schieben, gehört nicht gerade zu den alltäglichen Verrichtungen. Da erscheint die Sache mit der mutilingualen Lyrik-Lesung vergleichsweise "normal" ... Zu Gehör kam übrigens das Gedicht "Sei wie ein Kind" von Sri Chinmoy. Der Weltrekordler zählt sich zur Bewegung des 2007 verstorbenen Yoga- und Meditationslehrers, manche nennen ihn auch einen Sektengründer.
Einer Rekordmarke nähert sich auch unsere Jokers-Gedichte-Datenbank: Bald ist die 30.000er-Grenze geknackt! Derzeit beinhaltet sie etwa 29.600 Werke und ist damit eine der grössten Lyrik-Sammlungen im deutschsprachigen Netz.
Schmökern Sie doch mal genüsslich darin, bereichern Sie die Datenbank durch eigene Poesie oder schlagen Sie ein Gedicht vor, das Ihrer Meinung nach noch fehlt. Hier geht's lang:
Zur Jokers-Gedichte-Datenbank
05.10.2010, 00.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Hermann-Hesse-Preis
Literaturzeitschriften gibt es viele: Nur wenige werden über einen kleinen Fan-Kreis hinaus bekannt. Der Leipziger „Poet“ ist eine der wenigen Ausnahmen, die das schaffte. Ein Grund mag auch der neuartige Ansatz sein, die Zeitschrift mit einem Internetportal (www.poetenladen.de) zu ergänzen. Das Konzept und der Inhalt treffen den Zeitgeist so sehr, dass der diesjährige Calwer Hermann-Hesse-Preis an die Leipziger Macher des „Poeten“ geht.
Am Geburtstag Hermann Hesses, also am 2.Juli, wird der Preis alle zwei Jahre vergeben. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und wird seit 1990 verliehen. Abwechselnd geht er an eine deutschsprachige Literaturzeitschrift und an einen Übersetzer der Werke Hermann Hesses. Getragen wird die Auszeichnung von der Calwer Hermann-Hesse-Stiftung und dem Land Baden-Württemberg. Ausgezeichnete Zeitschriften waren zuletzt „Sprache im technischen Zeitalter“ und „EDIT“.
Der diesjährige Gewinner, die halbjährlich erscheinende Zeitschrift „Poet“, ist die Printausgabe des 2005 gestarteten Literatur-Internetportals poetenladen.de. Die Jury begründet ihre Wahl so: Sowohl die Zeitschrift wie die Webseite seien „eigenständige Foren, die das jeweilige Medium in herausragender Weise nutzen“, zusammen böten sie „ein beispielhaftes Konzept für die Förderung und Verbreitung junger Literatur“. „Es beeindruckt nicht nur durch sein frisches Layout, sondern auch durch seine inhaltliche Konzeption“, teilte Kunststaatssekretär Dietrich Birk (CDU) anlässlich der Preisverleihung mit.
Auch ich finde, dass sich ein Blick in den „Poetenladen“ lohnt. Er ist ein virtueller Raum für Dichtung, in den Regalen findet der Besucher Storys und Gedichte, Erzählungen und Kurzprosa unterschiedlicher Spielart. Ergänzt wird der literarische Teil durch aktuelle Buchkritiken, Essays und Nachrichten zur Poesie, wesentlich für den Internetauftritt ist auch der grafische Bereich, der Illustrationen und Arbeiten darstellender Künstler einschliesst. Ich finde es immer wieder schön, auf diese Weise unkonventionelle Lyrik und Texte (noch) unbekannter Nachwuchskünstler zu lesen. Klicken Sie doch auch mal rein!
06.08.2010, 20.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Gedichte gegen die WM
Also jetzt, wo so langsam an Urlaub und faule Nachmittage auf der Gartenliege zu denken ist (und gerade mal kein WM-Fussball läuft), brauchen Sie natürlich eine entsprechende Lese-Empfehlung. Eine, die nicht schwer im Magen liegt und trotzdem anspruchsvoll ist. Da passt die kurze Form doch besonders gut – sprich: Gedichte.
Friedrich Hölderlin „Hundert Gedichte“ möchte ich Ihnen da ans Herz legen. Ob Dichtung über Natur oder Freundschaft, über die Liebe oder die Jahreszeiten, alles ist in diesem wunderschönen Bändchen zu finden.
Um 1800 entstanden gelten Hölderlins Werke in der Literaturgeschichte als einer der Höhepunkte der europäischen Poesie. Der Poet machte auch die Bekanntschaft der Dichtergrössen Goethe und Schiller. Aber ich möchte hier nicht zu viel Ehrfurcht verbreiten, die sprachliche Schönheit der Dichtung Friedrich Hölderlins erschliesst sich auch so.
Um das Leben des Dichters aus Lauffen am Neckar ranken sich viele Geschichten und Mythen. Kein Wunder, denn immerhin verbrachte er 36 Jahre im später nach ihm benannten „Hölderlin-Turm“ in Tübingen, offenbar dem Wahnsinn verfallen. Jahrelang hatte er sich zuvor als Hauslehrer bei vermögenden Familien durchgeschlagen und nebenbei seine Werke verfasst. Auf einer dieser Stellen traf er auch seine grosse Liebe Susette Gontard, eine Frankfurter Bankiersgattin. In der Figur der „Diotima“ seines berühmten Briefromans „Hyperion“ erlangte sie literarische Unsterblichkeit.
Friedrich Hölderlin hat viele spätere Dichter mit seinem Werk beeinflusst, etwa Stefan George oder Ingeborg Bachmann. Eine schillernde Dichterpersönlichkeit also, die uns ein Werk von grosser Intensität und Schönheit hinterlassen hat. Geniessen Sie die „Hundert Gedichte“ des Ausnahme-Dichters – quasi als literarisches Ausgleichsprogramm zur WM.
„Hundert Gedichte“ von Friedrich Hölderlin bei Jokers
Bild Friedrich Hölderlin: wikimedia
21.06.2010, 14.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Was man an Tucholsky kaum kennt
Vielleicht der eloquenteste Journalist der Weimarer Republik: Kurt Tucholsky. Schon zu Lebzeiten teilten sich die Deutschen in Bewunderer und Neider. Das Wort "Soldaten sind Mörder" wird ihm zugeschrieben. Selbst heute sorgt es noch für Zündstoff. Tucholsky verstand es wie kein anderer, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse aufs Korn zu nehmen. Er verliess Deutschland, wanderte nach Paris aus, doch suchte er sein ganzes Leben nach diesem Gefühl der „Heimat“, das ihm verwehrt blieb. Er litt unter diversen körperlichen und psychischen Krankheiten. 1933 wurde er von den Nazis ausgebürgert. Im schwedischen Exil beging Kurt Tucholsky im Jahre 1935 Selbstmord.
In unserem Kulturportal finden Sie viele Details zum Leben und Wirken des Autors. Tucholsky im Kultur-Portal
Wenigen ist Tucholsky als Lyriker bekannt. Diese Strophen beleuchten meiner Meinung nach vortrefflich das künstlerische Schaffen des Poeten Tucholsky:
In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange
das, was du willst - und nachher kriegst das nie ...
Man möchte immer eine grosse Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C'est la vie -!
Sie muss sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, gross und blond.
Ein Pfund zu wenig - und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt ...
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine grosse Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
ssälawih -!
Man möchte eine helle Pfeife kaufen
Und kauft die dunkle - andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah ... beinah ...
Wir dachten unter kaiserlichem Zwange
an eine Republik ... und nun ist´s die!
Man möchte immer eine grosse Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
ssälawih -!
Ja, Kurt Tucholsky verfasste sogar zahlreiche Liebesgedichte – bzw. das, was er darunter verstand. Denn auch hier fehlt es ihm keineswegs an Wortwitz, gnadenlos ehrlich bleibt er auch in der Liebe, zynisch manchmal und doch wiederum sehnsuchtsvoll beschreibt er das Werden und Vergehen von Leidenschaft. In „Sehnsucht nach der Sehnsucht“ finden Sie die besten seiner „Liebesgedichte“ – jetzt zum Valentins-Sonderpreis!
(geschrieben von Matthias Stöbener)
05.02.2009, 14.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Nachruf
Einer meiner Lieblingsautoren ist gestorben: Peter Rühmkorf.Rühmkorf zählte zu den bedeutendsten Nachkriegs-Lyrikern Deutschlands: Als Mitglied der "Gruppe 47" publizierte er im Eigenverlag Literaturzeitschriften. Gerade am Vormittag seines Todestages hatte die Stadt Kassel dem Literaten den mit 10.000 Euro dotierten Preis für grotesken Humor zuerkannt. "Mit seinem unübertroffen vielstimmigen Werk“ habe er „auch dem literarisch Komischen neue Wege bereitet", hiess es in der Begründung der Jury.
Ich persönlich liebe vor allem seine Gedichte, insbesondere dieses hat es mir angetan:
Wir turnen in höchsten Höhen herum ...
Wir turnen in höchsten Höhen herum,
selbstredend und selbstreimend,
von einem I n d i v i d u u m
aus nichts als Worten träumend.
Was uns bewegt - warum? wozu? –
den Teppich zu verlassen?
Ein nie erforschtes Who-is-who
im Sturzflug zu erfassen.
Wer von so hoch zu Boden blickt,
der sieht nur Verarmtes / Verirrtes.
Ich sage: wer Lyrik schreibt, ist verrückt,
wer sie für wahr nimmt, wird es.
Ich spiel mit meinem Astralleib Klavier,
v i e r f ü ss i g - vierzigzehig –
Ganz unten am Boden gelten wir
für nicht mehr ganz zurechnungsfähig.
Die Loreley entblösst ihr Haar
am umgekippten Rheine ...
Ich schwebe graziös in Lebensgefahr
grad zwischen Freund Hein und Freund Heine.
Wenn auch Sie wunderbare Momente mit dem von uns gegangenen Lyriker geniessen möchten: In dem Werk „Ausser der Liebe nichts“ finden Sie die schönsten Liebesgedichte Peter Rühmkorfs versammelt.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
30.06.2008, 09.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Qual der Wahl
„Gib mir doch mal einen Tipp, wie ich endlich mit dem Geschichten-Schreiben anfangen kann“, bat mich neulich meine gute Freundin Susanne. Ich erinnerte mich an meine ersten Schritte und riet ihr: „Mach doch bei einem Schreibwettbewerb mit! Das ist ein guter Anreiz, du hast eine anspornende Deadline, eine kompetente Jury und gewinnen kannst du auch noch was dabei.“ Wir mussten nicht lange suchen und fanden gleich in ihrem Lieblingsmagazin einen Schreibkontest zum Thema „Ist es Liebe?“ Kurz darauf entdeckte ich gleich mehrere Möglichkeiten, die Schreibfeder mit anderen zu kreuzen, denn viele Webseiten und Magazine locken zum Vergleich der eigenen Schreibkunst. Auf Spiegel online kann man sich mit eigenen Zeitzeugen-Erinnerungen verewigen, und sogar die Wikipedia lädt derzeit zum 8. Schreibwettbewerb ein, bei dem sich Autoren in spielerischer Weise messen können.
„Egal, ob du als Beste gekürt wirst oder nicht, du gewinnst auf jeden Fall“, spornte ich Susanne an. „Zum einen hast du endlich mit dem Schreiben angefangen und zum anderen wirst du bestimmt genug Material und Erfahrung sammeln, um daraus gleich mehrere Geschichten zu basteln.“ So kam es in der Tat. Der Schreibwettbewerb ihres Lieblings-Magazins ist noch nicht zu Ende, und Susanne hat schon fünf Geschichten zum Thema Liebe verfasst. Doch jetzt haben wir ein anderes Problem: Welche sollen wir nur nehmen?
Übrigens: Dichter rufen wir im Moment auf, ihr schönstes Gedicht einzusenden. Es winken Preise im Wert von mehr als 6'500 Franken. Hier gleich mitdichten:
hwww.jokers.ch/lyrikpreis
25.03.2008, 09.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Totgesagt, doch quicklebendig: die Lyrik
Aber immerhin: Die Poesie lebt wieder. Der Deutschlandfunk z. B. präsentiert drei Mal am Tag ein Gedicht, was dort eine Lawine an Zustimmung auslöst. Oder ein Verlag wie Kookbooks veröffentlicht in der Zwischenzeit so viele Lyrikwerke wie Prosabücher – mit Auflagen um die 2'000 Exemplare. Die reine Geldvernichtung scheint es nicht mehr zu sein, ein Lyrikbuch zu veröffentlichen. Das haben auch Hörverlage entdeckt. Dort findet Lyrik immer mehr Zuspruch und Produktionen.
Und noch ein Trend, der mit Lyrik zusammenhängt: Immer öfter werden Gedichte aufgeführt. In Poetry-Slam-Veranstaltungen kommen Gedichte auf die Bühne, werden aufgeführt, nähern sich der Musik. Faszinierend!
29.01.2008, 13.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL




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