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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Wien

Märchenhaft-magisches Meisterwerk

TimeGypsies_SC_05_kl.jpg"Time of the Gypsies /Zeit der Zigeuner" - das klingt nach überschäumender Lebensfreude und Freiheit. Tatsächlich wird in dem Film des Regisseurs Emir Kusturica viel gelacht, getanzt und geliebt; aber auch getäuscht, betrogen, bestochen, geweint und gestorben - und das sind die Abgründe des vielfach preisgekrönten Meisterwerkes.

Irgendwo im ehemaligen Jugoslawien, in einem abgelegenen Landstrich, lebt eine Gruppe Roma. Sie haben ihr Nomadentum längst aufgegeben und sind sesshaft geworden - in einem slumähnlichen Dorf in ärmlichen Hütten. Der Waise Perhan (Davor Dujmovic), an der Schwelle zum Erwachsenenalter, hat die übersinnlichen Fähigkeiten seiner Grossmutter Chaditza (Ljubica Adzovic), bei der er lebt, geerbt. Doch statt wie sie die Gabe für Sinnvolles wie die Krankenheilung zu verwenden, lässt Perhan Besteck die Wände entlang kriechen. Er ist ein bisschen faul und liederlich, hat aber ein gutes Herz und kümmert sich hingebungsvoll um seine kleine Schwester Danira (Elvira Sali) mit dem verkrüppelten Bein, seine Freundin Azra (Sinolicka Trpkova) und seinen Truthahn. Die Liebe seiner Grossmutter gibt ihm Geborgenheit, macht ihn aber unselbständig. So ist es nicht verwunderlich, dass Perhan auf den Aufschneider Ahmed (Bora Todorovic) hereinfällt, der eines Tages im Dorf auftaucht: vermeintlich zu Wohlstand gekommen, mit einem grossen Wagen, protzigem Schmuck, einer eleganten Frau. Perhan folgt Ahmed ins Land der Träume, nach Italien, wo dieser mit seinen Brüdern von Zuhälterei lebt. Ahmed, der Bandenchef, ist für Perhan Vorbild und Vaterersatz. Der Junge lernt stehlen, betteln, betrügen, um sich und denen, die er liebt, eine goldene Zukunft zu ermöglichen. Zu spät merkt Perhan, dass er selbst der Bestohlene und Betrogene ist. Er fällt in abgrundtiefe Verzweiflung und sinnt auf Rache, die schliesslich im Showdown endet.

Emir Kusturicas bildgewaltiges Drama ist eine tragisch-komische Reise voller Wunder und Grausamkeit in eine fremde Welt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, eine Liebeserklärung an die Lebenskultur der Roma, magisch, märchenhaft und mörderisch - ein delirierendes Meisterwerk, vorangepeitscht durch die mitreissende Musik von Goran Bregovic und den ewig heulenden Wind, der über die Szenen fegt. Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden und Dazugehören, von der Einsamkeit und Andersartigkeit, von Liebe, Familie und Heimat. Auf eine seltsame Art wirkt der Film wie aus der Zeit gefallen. Zur Entstehungszeit 1988/89 begann der Untergang Jugoslawiens - der zusammenbrechende Vielvölkerstaat schimmert, obwohl nicht direkt angesprochen, durch die Handlung mit ihrer seltsam surrealen Endzeitstimmung. „Time of the Gypsies“ ist nicht nur ein Film über die Roma – es ist ein Film mit ihnen, sie sind ein Teil davon. Kusturica lebte fast ein Jahr lang im Roma-Dorf Schutka, einem Ghetto in der Nähe von Skopje im heutigen Mazedonien. Dort drehte er auch seinen „Zigeunerfilm“ mit vielen Laiendarstellern.

Die DVD „Time of the Gypsies /Zeit der Zigeuner“ ist ab
02. Juli im Handel erhältlich.

28.06.2010, 16.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Haydn-Jahr

Die meisten bei Jokers sind schon in Sommerstimmung, und doch merkt man an den nächtlichen Temperaturen, dass immer noch Frühjahr ist. Immer, wenn die Jahreszeiten wechseln, kommt mir das wunderbare Gedicht „The Seasons“ von James Thomson in den Sinn, der von 1726 – 1730 lebte. Hier ein Auszug:

“Wide o’er the brim, with many a torrent swelled,
And the mixed ruin of its banks o’erspread,
At last the roused-up river pours along:
Resistless, roaring, dreadful, down it comes,
From the rude mountain and the mossy wild,
Tumbling through rocks abrupt, and sounding far;
Then o’er the sanded valley floating spreads,
Calm, sluggish, silent; till again, constrained
Between two meeting hills, it bursts a way
Where rocks and woods o’erhang the turbid stream”


Die JahreszeitenKlingen diese Zeilen nicht wie ein verlockendes Versprechen? Besingen diese Verse nicht die Schönheit unserer Welt?

Was wenige wissen: Genau dieses Gedicht inspirierte den grossen Komponisten Joseph Haydn zu seinem Oratorium „Die Jahreszeiten“. 2009 ehrt Österreich den unvergleichlichen Komponisten zu seinem 200. Todestag mit einem „Haydn-Jahr“. Zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen vor allem in und um Wien gedenken seiner.

Bei Jokers finden Sie jetzt viele Musik-CDS mit den schönsten und wichtigsten Werken von Haydn: Auch „Die Jahreszeiten“ sind dabei!


(geschrieben von Matthias Stöbener)

23.05.2009, 17.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wien – die nächste Buchmesse-Stadt?

Prater in WienAuch Wien wird vielleicht bald eine Buchmesse haben. Die Bibliophilen und die Fachbesucher müssen neben Frankfurt und Leipzig auch noch Wien anpeilen, wenn die Pläne des Hauptverbands des österreichischen Buchhandels wahr werden. Ende Sommer will man in Wien entscheiden. Und eventuell schon im Herbst 2008 starten. Wien sei ja die wirtschaftliche Drehscheibe Richtung Osten und könne da vielleicht einen Schwerpunkt setzen. Auch ein Rahmenprogramm ähnlich wie in Leipzig ist angedacht. Die nächste Criminale beherbergt Wien schon. Da kann die Stadt schon mal für das eventuelle Gross-Event üben.

Ich bin gespannt, ob Wien zur Buchmesse-Stadt wird. Sicher könnte der Veranstaltungsort dem internationalen Literaturbetrieb neue Anstösse geben. Und der Charakter einer solchen Messe in Wien wäre sicher auch unvergleichlich. Möglicherweise ist eine solche Messe auch geeignet, dem Lesen wieder neue Fans zu gewinnen. Für die Autoren, Verlagsmanager und Literaturagenten wird der internationale Literaturbetrieb allerdings dadurch wieder ein wenig hektischer.

Quelle: Sortimenterbrief


20.07.2007, 16.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der anregende Stuhl in der Hofbibliothek

Ich ging eine alte Treppe hoch zur Wiener Hofbibliothek. Schon an der Türe stand ein Mann in Uniform. Mehrere Männer in Uniform bewachten die literarischen Schätze in der alten Bibliothek von Wien. Staunend, ja ehrfürchtig betrat ich den riesigen, ja gigantischen Saal dieser barocken Bibliothek. Erbaut 1716 nach den Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach und seinem Sohn. Zuerst drang mein Blick geradeaus vor. Zwischen einer Reihe von alten Buchregalen hindurch verlor sich mein Blick im Schummrigen zwischen hellen Skulpturen und grossen Globuskugeln. Dann liess ich meinen Blick in die Höhe schweifen. Über eine Wand aus unzähligen Buchrücken. Nach zwei wunderbar bemalten Tonnengewölben bildete eine wohl dreissig Meter hohe Kuppel den faszinierenden Mittelpunkt dieser historischen Bibliothek. Dann folgten wieder zwei lange Tonnegewölbe. Ich bekam schier eine Genickstarre. Dieser herrlich gestaltete Bibliotheks-Himmel überdeckt eine Fläche von über tausend Quadratmetern. An den hohen Bücherregalen standen rollbare Treppen. Zwischen den Bücherwänden, die alle mit einheitlich gebundenen Büchern ausgestattet waren, war die einer oder andere Geheimtüre leicht geöffnet. Dahinter waren Zimmer zu sehen, in denen früher sicher die Wissenschaftler oder die Ärzte oder die Juristen mit Perücken auf dem Kopf die Lektüre studierte hatten.



Nachdem ich mich unter der mächtigen Kuppel hingesetzt hatte, um im Paradies der Bücher ein wenig zu meditieren, kam ein Uniformierter auf mich zu. Ich dachte schon, ich hätte etwas Unerlaubtes getan. Mich vielleicht auf einen Stuhl niedergelassen, der gar nicht zum Hinsetzen gedacht war. Auweia! Doch es kam anders. Wenn ich später etwas Besonderes sehen möchte, würde er mir das gerne zeigen, sagte der Uniformierte freundlich zu mir. Gut, nach einer Weile nahm ich dieses Angebot wahr. Er zeigte mir einen hölzernen Stuhl, in dessen Sitzfläche die Löcher so angeordnet waren, dass sie einen Stern bildeten. Den Stern der Sowjets. Auf diesem Stuhl war nach dem Zweiten Weltkrieg ein literaturbegeisterter General der siegreichen sowjetischen Armee gesessen, wurde mir berichtet. Der hatte sich diesen Stuhl für seine Aufenthalte hier in der Wiener Hofbibliothek extra anfertigen lassen. Der General hatte sich in eine Wienerin verliebt, die ihm die Hofbibliothek gezeigt hatte. Der General war ein Russe aus Moskau. Er war ein Freund der deutschen Literatur. Sein Vater war Bibliothekar gewesen. Deswegen soll dieser General auch verhindert haben, dass die Wiener Hofbibliothek ausgeraubt wurde.



Eine Lieblingsstelle des Generals waren die Gedanken einer liebenden Frau in dem Roman „Godwi“ von Clemens Brentano, die der General seiner Wiener Freundin beim Abschied zitierte: „Seufzend blickte ich nach dem wunderheimlichen Sopha, der Wiege so mancher süssen Annäherung, trat in die Bibliothek, verhüllte meinen Busen, damit mein Herz nicht zutage liege, setzte mich auf einen unbequemen Stuhl und legte das letzte Päckchen Briefe vor mich auf den kalten Marmortisch.“ Danach hat der General seiner Wiener Freundin nicht nur alle ihre Liebesbriefe an ihn zum Abschied überreicht, weil er nach Moskau zurück musste. Er hat ihr auch seinen Stuhl mit dem Stern in der Sitzfläche als Andenken geschenkt, den sie aber wiederum der Hofbibliothek überliessß, wusste der Uniformierte. Sie war nämlich die Tochter des damaligen Bibliotheks-Direktors gewesen.

Ich durfte mich sogar auf den legendären Stuhl des Generals setzen und eine Weile nachdenken. Der Uniformierte stellte sich wie eine Leibgarde neben mich. Dabei zitierte er aus dem Gedächtnis: „Ich hatte alles vergessen, sie und mich, der Kuss, den er mir raubte, hatte den ganzen stolzen Tempel meiner Weisheit zusammengestürzt. Der Kontrast war so gross, dass er mich stärkte. Ich nahm alle meine Gewalt zusammen, und bat ihn, gleich den andern Tag wegzureisen. Er kniete vor mir, und bat auch, nun musste ich befehlen, und er reiste.“ Er habe sich dieses Buch von Brentano gekauft, nachdem er die Geschichte vom Stuhl des Generals erfahren habe, erklärte mir der Uniformierte. Er habe nach der Schule keine Bücher mehr gelesen. Aber durch den General und seinen wundersamen Stuhl sei er motiviert worden wieder in ein Buch - und dann - in viele andere zu schauen.



Ich beschloss, wenn ich mal viel Zeit und genügend Geld habe, was wahrscheinlich nie der Fall sein wird, mir auch einen Stuhl extra für meine Bibliothek machen zu lassen. Aber welches Symbol soll meine Sitzfläche dann zieren? Vielleicht ein Fragezeichen?

04.04.2007, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Dracula in Wien

Bram StokerWien kommt in vielen Büchern vor. Doch beim berühmtesten Grusel-Roman aller Zeiten taucht Wien schon im ersten Satz auf: „3. Mai/Bistritz - Am 1. Mai um 20.35 Uhr Abfahrt aus München. Ankunft in Wien um 6.46 Uhr mit einer Stunde Verspätung.“ Richtig, es ist der erste Satz aus „Dracula“, dem Vampir-Bestseller des Irländers Bram Stoker. Der erste „Dracula“-Satz stammt aus dem fiktiven Tagebuch eines Jonathan Harker, der den unheimlichen Graf Dracula auf seiner Burg in Transsylvanien aufsuchen musste. Der Graf, der sich später als wüster Blutsauger herausstellte, wünschte einen Wohnsitz in London. Harker war der Angestellte einer Londoner Immobilien -Agentur.

„Dracula“ war der Höhepunkt der zweiten Gothic-Novel-Welle, die im deutschsprachigen Raum Schauer-, Grusel- oder Sensationsromane genannt werden. Für meinen Wien-Trip hatte ich mir Stokers Kurzgeschichten mitgenommen. Gleich die erste, mit dem Titel „Draculas Gast“, führt mich nach Österreich. Ein Brite geriet in der Walpurgisnacht auf einen verwunschen Friedhof in einem leeren Dorf in der Steiermark. Dort erlebte er vor dem riesigen Grabmal der Gräfin Dolingen von Gratz Schreckliches: Eine Frauenleiche wurde vom Blitz wiederbelebt. Dann fiel ein Wolf über ihn her. Soldaten retteten ihn vor der Bestie. Auf dem Rücken eines Pferdes, hinter einem Soldaten sitzend, gelangte der Engländer wieder zurück nach München. Wieder bestens versorgt im Hotel „Vier Jahreszeiten“ erfuhr der Brite den Grund seiner Rettung. Es war ein Telegramm, das im Hotel eingetroffen war. „Tragen Sie ja Sorge um meinen Gast. Wie oft drohen Gefahren durch den Schneefall, von Wölfen, von der Nacht. Verlieren Sie keine Sekunde, sobald sie vermuten, es könnte ihm etwas zugestossen sein.“ Absender: Graf Dracula! Diese Geschichte war von Stoker eigentlich als Einleitungs-Erzählung zu seinem „Dracula“ gedacht gewesen.

DraculaAuch die anderen Grusel-Geschichten von Stoker machten mir Lust auf mehr Gänsehaut. Ich ging ins Literatur-Haus von Wien und liess mir die literarischen Angstmacher-Produkte von österreichischen Autoren zeigen. Sie präsentierten mir die Bücher von Karl Hans Strobl (1877-1946), geboren in Iglau, gestorben in Perchtoldsdorf. Mit seinem Roman „Eleogabal Kuperus“ hatte Strobl das Vorbild für den Filmbösewicht Dr. Mabuse geschaffen. Geschichten wie „Die knöcherne Hand“ oder „Gespenster im Sumpf“ gehören zu seinen bekanntesten. Mit seiner Story vom „Grabmal auf dem Pére Lachaise“ schrieb er auch eine mysteriöse Vampir-Geschichte. Ein weiterer österreichischer Grusel-Autor war Gustav Meyrink, geboren 1868 in Wien, gestorben 1932 in Starnberg. Verfilmt wurde Meyrinks Schauerroman „Der Golem“. Eine alte Sage aus Prag. Besonders fasziniert hat mich natürlich Meyrinks Erzählung „Walpurgisnacht“. Damit schloss sich der Kreis. Ich war auch mit dem Zug, über München, wie einst Jonathan Harker, nach Wien gekommen. Und Meyrink war nach München gegangen, wo er als Bankier und Journalist arbeitete und beim Kabarett „Simplicissimus“ aufgetreten war.

Was soll ich sagen? Nachdem es draussen, vor dem Literaturhaus, langsam dämmrig wurde, wanderte über meinen Rücken ein komisches Kribbeln. Ich nahm mir vor, diese Nacht in meinem Hotelzimmer das Licht brennen zu lassen. Und lesen, zum Einschlafen, konnte ich später im Bett nur richtig lustige Angstvertreiber-Sachen.

Fortsetzung folgt.

03.04.2007, 16.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eddy hat es geschafft

Wer Wien besucht, sollte auch den Prater besuchen. Und dort sollte er im Riesenrad fahren. Der Prater und das Riesenrad tauchen schliesslich immer wieder in der Literatur auf. Sie gehören zusammen und sind legendär.

Nun gut, am dritten Tag in Wien fuhr ich mit der U-Bahn zum Prater. Der Himmel war bewölkt, der Wind blies ab und zu. Aber die Sonne schien auch ab und zu. Gleich nach dem Eingang zum Prater steht rechts das Riesenrad. Es ist wirklich riesig.

Prater WienNachdem ich die Eintrittskarte gekauft hatte, liess ich mich mit einem uniformierten Angestellten des Riesenrads fotografieren. Er strahlte neben mir mit einem wienerisch charmanten Lächeln unterm Zwirbelbart in die Kamera. Er zeigte mir danach den Vorraum zum Einstieg. Hier war die Geschichte des Praters in ausgedienten Zirkuswagen mit kleinen Modellen nachgestellt. Die Wagen drehten sich auf einer grossen Holzscheibe. An den Wänden zogen bekannte Figuren Österreichs vorbei, die dorthin gemalt worden waren.

Dann stieg ich in das Riesenrad. Eine beeindruckende Konstruktion. Eine Kabine fasst mindestens zehn Menschen. In meiner Kabine waren drei Mitfahrer. Es war noch nicht die Zeit und das Urlaubswetter, bei dem die Touristenmassen über den Prater strömen. In manchen Kabinen konnte ich auch Tische und Stühle entdecken, die wohl eine kleine Party im Riesenrad zuliessen.

Wir drehten uns nach oben. In unserer Kabine war eine grosse Holzbank. Meine Höhenangst verschwand langsam, als ich registrierte, dass die Kabinen recht stabil gebaut sind. Auch wenn der Wind blies, machte das nichts aus. Ganz oben, als ich über den Prater und seine vielen Buden, von der Geisterbahn bis zum Weinzelt, blicken konnte, verlor sich meine Höhenangst. Ich fotografierte fleissig Wien von oben. Es war eine wunderbare Fahrt im Riesenrad. Unvergesslich. Ich stieg aus und sah mich noch ein wenig im Souvenirshop des Riesenrads um. Natürlich nahm ich dort einige Ansichtskarten mit, die ich meinen Freunden senden wollte.

Prater WienAm nächsten Tag besuchte ich ein typisch wienerisches Café, in dem sich Tische voller Zeitungen und Magazine befanden. Ich schnappte mir einige davon. Beim Kellner orderte ich das Sonderangebot Kaffee Melange mit einem Stück Sacher-Torte. Dann blätterte ich entspannt in meinem Lesestoff. In einem österreichischen Magazin war ein Artikel über den Prater und das Riesenrad. Den nahm ich mir vor. In dem flott geschriebenen Bericht wurde ein gewisser Eddy vorgestellt. Er war mal Handwerker gewesen, dann abgestürzt, obdachloser Alkoholiker geworden, ein Penner in Wien. Dazu bekannte sich Eddy öffentlich. Aber: Er hatte es seit einiger Zeit wieder geschafft. Eddy war nun Angestellter beim Riesenrad. Das konnte man auf einem Foto auch deutlich sehen. Eddy stand da in seiner schönen Uniform mit einem strahlenden Lächeln unterm Zwirbelbart an der Cassa beim Riesenrad. Es war der Mann, mit dem ich mich vor dem Einstieg ins Riesenrad fotografieren liess. Ich transportierte ein süsses Stück Sacher-Torte zum Mund und dachte mir: Wie klein doch selbst so eine grosse Stadt wie Wien sein kann!

Fortsetzung folgt.

03.04.2007, 12.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Das besondere Ticket

Engel„Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten“, singt Wolfgang Ambros, der österreichische Barde mit dem gewissen Schmäh. Ich machte am zweiten Tag meines Wien-Urlaubs eine lange Fahrt mit der alten Strassenbahn von der Wiener Innenstadt zum Zentralfriedhof. Als dann Schilder am Strassenrand auftauchten wie „Grabsteinland“ oder „Grabsteine-Sonderpreisaktion“ wurde mir klar, dass ich bald am Ziel sein werde. Ich stieg schon bei der Haltestelle „Zentralfriedhof, erstes Tor“ aus. Auch wenn es klang, als würde noch eine Haltestelle „Zentralfriedhof, zweites Tor“ kommen.

Die Sonne drückte sich durch die Wolken. Das Wetter war eher heiter als düster. Mir hätte ein nebliges Wetter für einen Gang über den Zentralfriedhof auch getaugt. Ich wanderte abseits des geteerten Hauptweges durch die Reihen von teilweise verfallenen und überwucherten Gräbern. Die eisernen Zäune um die Gräber rosteten vor sich hin. Dem einen oder anderen steinernen Engel am Grab war eine Hand, ein Kopf oder ein Flügel abgefallen. Der Verfall, der Weg aller Dinge, war hier deutlich zu sehen. Das gefiel mir. Keine renovierungssüchtige Hand hatte eingegriffen. Hier war noch alt, was alt geworden war. Ein Ort voller Wahrheit. Meine Seele atmete auf. Keine verschämten Schönheitsoperationen. Alles echt. - Ein Lob an die Friedhofsverwaltung des Wiener Zentralfriedhofs, falls die das hier lesen. Bitte weitersagen, falls jemand einen von denen kennt.

EngelIch wollte auch die Gräber von berühmten Menschen besichtigen und fotografieren. Aber ich verirrte mich in dem Meer aus Grabsteinen, Säulen und Tempelchen. Irgendwann, ungefähr nach einer Stunde oder mehr, war ich am anderen Ende des Zentralfriedhofes angekommen. Ich brauchte eine Pause. Die Fusssohlen brannten. Der Bilderspeicher-Chip in meiner digitalen Kamera war fast schon voll. Ich setzte mich auf eine Bank. Sie stand am Rande des geteerten Weges. Nein, eine Strasse war das schon. Das tat gut. Auf der anderen Seite des breiten Weges sah ich ein Schild. Ein Halteschild für einen Bus. Ich ging hin. Tatsächlich: Dort war auch ein Schild mit den Abfahrtszeiten für einen Bus angebracht. Und siehe da, nach wenigen Minuten kam der Bus. Ich staunte. Ich stieg ein. Ein paar Leute sassen drin. Beim Lösen der Fahrkarte erkundigte ich mich beim Fahrer nach den Gräbern der Prominenten. Ich müsse nur bei der Station an der Aussegnungshalle aussteigen. Dort würde ich sie finden, kein Problem. Er wünschte mir noch einen schönen Aufenthalt beim Aussteigen. Ich bedankte mich.

Ganz tief steckte ich die Busfahrkarte in meine Tasche und dachte mir: Das ist ein besonderes Souvenir. Wer hat schon das Ticket eines Friedhofs-Busses?

Fortsetzung folgt.

02.04.2007, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Manche Dinge sind anders

Der Himmel war grau, als ich mit dem Zug in Wien ankam. Ich wollte ganz für mich allein einen kleinen Urlaub in Wien machen. Museen besuchen, die morbide Atmosphäre des Zentralfriedhofs auf mich einwirken lassen, in den Cafés Kaffee und Kuchen mit vielen Zeitungen geniessen.

Nach der Ankunft am Wiener Westbahnhof wollte ich mir erst einen Überblick über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten schaffen. Ich kaufte mir eine drei Tage geltende Wien-Karte für die Bahnen und Busse, wozu auch ein Prospekt mit Gutscheinen und Infos zu den Sehenswürdigkeiten gehörte. Mein Gepäck samt der neuen Wien-Karte schleppte ich in ein nettes kleines und doch modernes Café im ersten Stock des Bahnhofes.

Wiener BurgtheaterDort wurde ich sofort von der Bedienung begrüsst und wusste damit, dass ich im Land der professionellen und vor allem freundlichen Gastronomie bin, wo der Gast noch König ist. Ich blätterte in meinem Prospekt und suchte mir einige Sehenswürdigkeiten aus, die ich unbedingt aufsuchen wollte. Das Museumsquartier, den Prater, das Hundertwasserhaus, den Zentralfriedhof und ein Museum mit Körperteilen aus Wachs. Ich orderte bei der netten Bedienung, die mich mit ihren wienerischen Sätzen gleich in die passende Atmosphäre einhüllte, eine Tasse Kaffe. Keinen normalen Filterkaffee. Ich bestellte mir einen Kaffee, wie man ihn in Wien trinkt: Einen Verlängerten.

Ich sah mich ein wenig um. An einer Säule hingen die Tages-Angebote zum Essen und Trinken. Darunter auch ein Paar Sacher-Würste. Ich kannte das Wort Sacher nur in Verbindung mit Wien und der leckeren Sacher-Torte. Neugierig geworden erkundigte ich mich bei der herumflitzenden Serviererin, was es denn mit der Sacher-Wurst auf sich habe. Ob sie mit Kakao oder mit Pralinen oder so gefüllt sei. Sie schaute mich ein wenig erstaunt an. Fast wie einen Scherzbold. Dann beantwortete sie ernsthaft meine Frage. Nein, in der Sacher-Wurst ist nichts Süsses. Das sei eine ziemlich grosse Wurst. Sie schmecke hervorragend. Ob ich eine wolle? Ich bestellte eine. Sie war grösser als der Teller. Und sie schmeckte wirklich wie eine Wurst schmecken sollte.

Ich tauchte die Wurst in den Senf und dachte mir: Probieren geht über Studieren. Auch in Wien sind die Dinge nicht immer, wie man es sich vorstellt.

Fortsetzung folgt.

28.03.2007, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Ist das erste Buch mit den 1600 Lebensmitteln
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Es tut mir noch immer so leid dass ich erst v
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Ich habe sehr lange Zeit online Schack gespie
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schuessler aslze:
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