
Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: lesen
Was macht eigentlich Elke Heidenreich?
Seit ihrem Austritt aus der TV-Literatursendung "Lesen" im Herbst 2008 hört man nicht mehr viel von Elke Heidenreich. Zwar versuchte die ehedem beliebte deutsche Literatin das Format im Internet mit Punksänger Campino als erstem Gast neu zu beleben. Doch seitdem herrscht Funkstille. Auch ihre Auszeichnung mit dem Julius-Campe-Preis ging 2010 im öffentlichen Bewusstsein irgendwie unter.
Mir persönlich fehlt Heidenreich. Man mag von ihrer Meinung zur heutigen Fernseh- und Literaturlandschaft halten, was man will. Auch von ihrer Aussage anlässlich der Preisverleihung, "Würde es Lesen! noch geben, dann stünde heute "Diese alte Sehnsucht" von Richard Russo auf der Bestsellerliste, und nicht der seit Jahren chronisch überschätzte Bernhard Schlink oder dieser ganze Vampir-Quatsch."
Diplomatie gehört offensichtlich nicht zu ihren Stärken, dafür aber Leidenschaft und die ungebrochene Liebe zum Buch, die sie in so vielen Diskussionsrunden, Kritiken, Empfehlungen und eigenen Werken zeigte. Spätestens, als mein Hörbuch-Player im Auto auf "Zufall" gestellt neulich wieder "Der Welt den Rücken" spielte, merkte ich den Verlust. Seitdem liegt mir bei jedem Blick auf die aktuellen Buchbestsellerlisten mit all ihren Fantasyfiguren auf den Lippen: "Elke, komm zurück!"
09.03.2011, 17.06 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Meine Tochter will nicht schlafen
Viele Jahre war ich eine ausgesprochene Vielleserin und Langschläferin. Bis sie kam: meine allerliebste, bezaubernde, wundervolle Tochter. Vielleicht sind wir selbst schuld. Vielleicht hätten wir sie nicht Lilith nennen sollen. (Lilith bekannt als erste Frau Adams, aber auch als babylonischer Sturm- und Nachtdämon, wie wir später lasen. In der Luther-Bibel spukt Lilith auch gerne als Nachtgespenst herum.) Aber jetzt ein Jahr nach ihrer Geburt und 365 durchwachten Nächten ist es zu spät. Sie ist und bleibt Lilith, unser kleiner, ganz persönlicher Nachtdämon.
Alle 3-4 Stunden kommt er wieder: der exklusive Mama-Papa-hallo-wach-Weckruf. Vielleicht bereitet unserer Tochter ja jeder einzelne durchbrechende Milchzahn länger Schmerzen als anderen Kindern. Vielleicht hat sie Bauchweh - ja gar eine Laktose-Intoleranz? Oder frühkindliche Alpträume? Oder ihr ist kalt! Oder zu heiss! Der Schlafsack ist vielleicht zu eng. Und Durst hat sie sowieso immer.
Wir haben alles probiert. Als Erstes die Spieluhr: Ein besonders schönes Modell in Ponyform wurde schon pränatal auf den dicken Mamabauch gelegt. Melodie: Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein. Die ersten Monate wurde das aufgezogene Schlaftier auch immer mit einem Strahlelächeln (Ha das kenn ich!) begrüsst. Allerdings regte die Melodie unsere Madame eher zu einem kleinen Boogie-Woogie an als zum Schlafen.
Der nächste Versuch: Selber singen. Leider war die Stimme aufgrund des schlafentzug-geschwächten Immunsystems von Papa und Mama nicht mehr besonders wohlklingend und mutierte durch temporäre Husten-Stakkato-Einlagenzu einem etwas merkwürdig anmutenden Lullaby-Rap. Fand unsere Tochter nur wenig einlullend und wurde mit noch lauterem Geschrei eindeutig als Zumutung abgelehnt.
Vielleicht im Auto durch die Stadt kutschieren? Bitte wir wohnen in der Umweltzone. Und unter Tempo 100, am besten auf der Buckelpiste, denkt Prinzessin nicht im Entferntesten ans Einschlummern. Die motorisierte Häwelmann-Fahrt wurde also gleich wieder mangels Effizienz und Umweltfreundlichkeit gestrichen.
Hängematte? Unsere Zimmerdecken sind seit über 100 Jahren mit Kieselsteinen und Stroh gefüllt - zu riskant! (A propos: Hat eigentlich noch niemand an Schutzhelme für Babys gedacht? Auch beiWickelkommoden-Stürzen und Kopfstoss-Wutattacken nicht ganz unsinnig... Aber das ist eine andere Baustelle - zurück zum Thema!) Herumtragen? Keine Zeit für ausgleichende Rückengymnastik im teuren Fitness-Studio. Ausserdem knarzen unsere Holzdielen lauter als jeder Wecker.
Nach diversen schallgedämmten Nächten (dank Oropax) gab uns ein Nachbar einen heissen Tipp: Einfach zwei Nächte lang durchschreien lassen dann wird sie ganz sicher durchschlafen! Wir waren sehr versucht - aber wer bezahlt dann die Trauma-Therapie beim Kinderpsychologen? Nee nee!
Jetzt haben wir uns auf folgendes geeinigt: Eine Nacht hält Papa im Kinderzimmer Händchen die nächste Mama. Vorteil: Das Kind leidet nicht unter Verlassenheitsängsten. Der Händchenhalter kann neben dem Kinderbettchen liegend - ausgerüstet mit Stirnlampe und einem guten Buch vor der Nase - entspannt liegen bleiben. Und der Partner kann ohne Gewissensbisse entspannt durchschlafen. Weiterer Vorteil: Man kann endlich mal wieder stundenlang lesen! Was wollen Eltern mehr?!
Geschrieben von Anne Eichmann, Mutter und stellvertretende Textchefin bei Jokers.
24.02.2011, 00.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL
„Bücher pflücken“ gegen die Analphabetisierung
Kostenlos Bücher „pflücken“, mit nach Hause nehmen und lesen – diese Möglichkeit nutzten viele Paderborner beim diesjährigen Weltalphabetisierungstag am 8. September. Als engagierte Unterstützer der Alphabetisierung hatten Jokers und die Buchhandlung Linnemann mehrere Hundert Bücher gespendet, um die Passanten für das Lesen zu begeistern. Die freuten sich sichtlich über das Gratis-Lesefutter und griffen beherzt zu.
Vor
der Buchhandlung informierten die Mitarbeiter des Bundesverbands Alphabetisierung
und die VHS Paderborn die Öffentlichkeit über das Thema Alphabetisierung. Neben
zahlreichen Mitmachaktionen erzählte der ehemalige Betroffene Tim-Thilo Fellmer
aus seinem Alltag ohne Schrift. Als feierlicher Abschluss las der Poetry-Slammer
Sulaiman Masomi aus seinem Werk mit dem Titel „Lyrik locker – wenn
Alphabetisierung und Dichtkunst unter einer Decke stecken“.
Weltweit können rund 860 Mio. Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben. In Deutschland zählen etwa 4 Mio. Bürger zu den Analphabeten. Um dies zu ändern, rief die UNESCO 1965 den Weltalphabetisierungstag ins Leben, der seitdem jeden 8. September weltweit begangen wird.
Vielleicht konnte Jokers restseller mit dem Bücherpflücken ja bei dem ein oder anderen die Liebe zum Buch (neu) entfachen!
Bild: Renate Kalloch/pixelio.de
19.10.2010, 00.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Lob der Leidenschaft
Sie wissen es, ich weiss es und Stefan Bollmann weiss es auch: Lesen macht glücklich. Wenn man sich im Zug, in der Sofaecke oder sogar im Wartezimmer in ein Buch vertieft, ist man ganz weit weg und vergisst alles um sich herum. Wer die Fähigkeit hat, sich auf eine faszinierende Geschichte, einen gefühlvollen Roman oder einen spannenden Krimi einzulassen, der kann in seinem Kopf mal kurz Urlaub machen und hat damit Nichtlesern etwas voraus. Schliesslich ist man bei seiner persönlichen Lese-Auszeit völlig frei und absolut ortsunabhängig.
Der Autor Stefan Bollmann hat aus dieser Einsicht ein kleines Werk gemacht. Es führt uns vor Augen, dass unser Zufriedenheitsgefühl beim Lesen nicht trügt. „Warum Lesen glücklich macht“ heisst das kluge Brevier, in dem er schildert, was beim Lesen das Wohlbefinden auslöst, wie sich unsere Lesegewohnheiten ändern, wie unterschiedlich Männer und Frauen lesen und was das Schöne am Vorlesen ist.
Wir sollten Stefan Bollmanns Analysen vertrauen, denn der Mann ist nicht nur Germanist und somit Fachmann in Sachen Sprache und Literatur, sondern hat auch Philosophie studiert. Das qualifiziert ihn für den geisteswissenschaftlichen und eben philosophischen Hintergrund der Lesepassion. Also nicht, dass das jetzt abschreckend theoretisch klingt: das Buch ist spritzig, humorvoll und unterhaltsam. So wie wir es von Stefan Bollmann schon kennen, denn der hat mit „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ bereits zuvor einen Überraschungs-Bestseller gelandet.
Und warum sollte es uns Lesern anders gehen als anderen Passionierten: wir beschäftigen uns gern mit dem, was uns froh macht und lesen gern etwas darüber, warum das so ist. Eine tolle Lektüre für bekennende Buchfreunde! Dass man ausserdem noch Jokers-typisch sparen kann, ist da fast Nebensache ...
ttp://www.jokers.ch/3/14911516-1/buch/warum-lesen-gluecklich-macht.html
03.06.2010, 10.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Leser sind Meinungsführer
Langendorfs Dienst, ein Wirtschaftsinfo-Dienst speziell für die Buchbranche, zitierte kürzlich eine Umfrage unter 25'000 Menschen, die herausfand: Menschen, die sich als Meinungsführer empfinden, sind bessere Buch- und Hörbuchkäufer als solche Menschen, die sich ihre Meinung lieber von anderen führen lassen.
Das überrascht mich in keiner Weise. Leser, so meine ich, sind immer unabhängiger als Nicht-Leser. Denn Leser lernen selbst zu denken, sich Urteile zu bilden, nicht der Masse hinterherzulaufen. Leser sind schwieriger zu manipulieren als Nicht-Leser, weil sie sich im Laufe der Jahre viele Informationen angeeignet haben, über die andere nicht verfügen und die sie untereinander in Korrelation setzen können.
Lesen ist nämlich etwas anderes als fernsehen oder im Netz surfen. Es ist eine andere Art der Informationsverarbeitung, ich würde sagen: eine gründlichere. Und deshalb speichert das Gehirn erlesene Informationen auch anders ab als Infos, an denen ich vorbeisurfe oder die mir vom Fernsehen in die Augen gefeuert werden, ohne dass ich genügend Zeit habe, sie zu verarbeiten.
Es hat sich gezeigt, dass eine Person desto mehr zum Lesen neigt, je stärker ihre Meinungsführerschaft ausgeprägt ist. Wenn das keine Motivation zum Lesen ist!
31.03.2010, 15.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Bücher sind trendy
Mit 36 Prozent bildet diese Gruppe einen wesentlichen Teil der 14- bis 49-Jährigen. Mehr als die Hälfte, also 51 Prozent davon, lesen laut Untersuchung in ihrer Freizeit mindestens einmal im Monat Bücher. Im Vergleich dazu ist die Gesamtbevölkerung mit 48 Prozent beinahe lesefaul.
Noch ein Vorurteil räumt die Untersuchung somit aus: Dass stylische Base-Jumper, Surfer oder Halfpipe-Springer nur auf Spannung und Spass aus sind und sich nicht im Geringsten für die leisen Töne des Lebens interessieren. Lesen und Action – wer jemals glaubte, dies passe nicht zusammen, muss jetzt wohl umdenken.
(Geschrieben von Matthias Stöbener)
11.08.2009, 19.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Nachbarn, die keine Bücher lesen
Ich habe neue Nachbarn bekommen. Ich lud die zwei neuen Mieter gleich zu einem Kennenlernkaffee in meine Wohnung. Das Gespräch war sehr nett, weshalb ich kurze Zeit später gern die Gegeneinladung in die Nachbarwohnung annahm. Mittlerweile wohnte das noch relativ junge Pärchen schon einige Monate da und kannte mich als Nachbarn bereits. Allerdings mehr als mir lieb war. So begrüsste man mich mit „Schön, dass du uns besuchst. Wir dachten schon, du wärst ein Einsiedlerkrebs, so selten wie du Besuch bekommst.“
Huch! Was war das denn? Wurde ich da etwa überwacht? Es schien so, denn im weiteren Gespräch erfuhr ich, was meine geschätzten Nachbarn noch so von mir wussten: „Deine Erkältung vor ein paar Wochen hat sich ja ganz schön hingezogen. Wir konnten dich wochenlang husten hören.“ „Du hast einen komischen Musikgeschmack. Black und RnB hörst du gar nicht, oder?“ und als Krönung: „Du gehst gar nicht mehr weg, stimmt´s? Für das Nachtleben bist du wohl schon etwas zu alt.“
Die beiden gaben sich ganz einer Fähigkeit hin, um die ich sie als eher schweigsamer Mensch beneide. Sie sprachen ununterbrochen und meist sogar gleichzeitig. Dabei erfuhr ich schon nach kurzer Zeit, dass die Friseuse und der Arbeitslose gern den Feierabend mit Wodka, Red Bull und ein paar Joints ausklingen lassen. Auch von seiner Zeit im Knast, seinen sexuellen Abenteuern, dem gemeinsamen Besuch einiger Rave-Partys nebst unverzichtbarem Tablettengebrauch und diversen weiteren Vorlieben erfuhr ich, ohne mich im Geringsten wehren zu können. Die beiden überschütteten mich mit Details aus ihrem Privatleben, die ich aus reiner Höflichkeit ertrug.
Doch es kam noch schlimmer. Auch die Mitbewohner des Hauses wurden thematisiert. Ich erfuhr, dass die freundliche Dame im Parterre zunehmend dement werde, dass der muskulöse Herr im 1. Stock gern Stringtangas im Leopardenlook trüge, und dass der Sohn der Dame im 2. Stock verunglückt sei.
Das Pärchen, das ich bislang als jung und eher aufgeschlossen empfunden hatte, wetterte zum Schluss mit steigender Aggression gegen ausländische Mitbewohner, die „Türken im Viertel“ und „all das faule Gesocks“. Auch die „Studierten“ bekamen ihr Fett weg. „Die ganzen Typen, die sich für was Besseres halten, nur weil sie ständig Bücher lesen, gehören doch auch alle weg.“
Ich war so perplex, dass mir die Worte fehlten. Ziemlich schnell verabschiedete ich mich und ging in meine Wohnung zurück. Was soll man tun, wenn man solche Nachbarn hat? Ausziehen? Ich habe mir vorgenommen, diese Begegnung als Warnung zu sehen vor dem, was geschieht, wenn Menschen keine Bücher mehr lesen.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
02.02.2009, 09.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Frei abrufbar?
Je mehr du gibst, desto mehr bekommst du. Das war in etwa das Fazit der Eröffnungsrede des brasilianischen Bestsellerautors Paulo Coelho zur Buchmesse. Der international erfolgreiche Schriftsteller hat selbst das Blog „Pirate Coelho“ erschaffen, in dem einige seiner Werke kostenlos abrufbar sind. Coelho geht dabei davon aus, dass dies den Verkauf seiner gedruckten Bücher fördert. Natürlich hat das Marketingdenken auch einen philosophischen Hintergrund: Ideen sollen frei sein und damit auch frei zugänglich.
Die Erfahrung scheint ihm auch im ökonomischen Sinn Recht zu geben: Als Beispiel erwähnt er seinen Bestseller „Der Alchimist“, der Ende der 90er Jahre in Russland gerade mal auf 1'000 verkaufte Exemplare kam. Doch als eine Kopie illegal im russischsprachigen Internet erschien, übertraf das Buch auch dort plötzlich alle Verkaufserwartungen.
Viele Autoren zitieren nun Coelho und fordern, dass Verlage alle Bücher kostenlos ins Netz stellen sollen – frei und gratis für jedermann verfügbar. Wie dann allerdings ihre Honorare bezahlt werden sollen, wenn ihre Werke nicht mehr verkauft, sondern verschenkt werden – nun, dass ist eine andere Frage, die sie nicht so einfach beantworten können. Schliesslich sind wir nicht mehr im Russland des Jahres 1999, sondern wir befinden uns im Jahr 2008. Und ob No-Name-Autoren die gleichen Erfahrungen machen wie Coelho – das wage ich zumindest zu bezweifeln.
Wie sehen Sie das: Sollten Bücher grundsätzlich kostenfrei im Internet abzurufen sein? Würden Sie sich dann noch ein neues Werk für durchschnittlich Fr. 30.- kaufen, wenn Sie die Chance auf einen Gratis-Download hätten?
(geschrieben von Matthias Stöbener)
10.11.2008, 16.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Perfekte Symbiose
Wie gut Katzen und Bücher zusammenpassen, bewies neulich Susannes Kater. Er ist ein lieber schwarzweisser Herr, der nach einem bewegten Leben seine alten Tage bei der Katzenfreundin verbringt. Susanne liebt dieses Tier über alle Massen, was dankbar erwidert wird. Tag für Tag sitzt der Kater auf dem Schoss der Selbständigen, während sie am PC arbeitet, und zeigt seine Zuneigung mit behaglichem Schnurren. Auch ansonsten weicht er nicht von ihrer Seite. Ob abends beim Lesen, beim Schlafen oder beim Frühstück, der Kater sitzt dabei und schnurrt.
Doch jetzt musste sich Susanne für zwei Wochen von ihrem Liebling trennen. Denn auch eine Selbständige braucht einmal Urlaub. Und so beauftragte sie ihre Mutter, ihres Zeichens selbst grosse Katzenfreundin, das verschmuste Pelztier zu betreuen. Vor Ort war die „Urlaubsvertretung“ so begeistert von Susannes grosser Bücherauswahl, dass sie noch am ersten Tag einige Werke herauszog und sofort zu lesen begann.
Der Kater, der zuvor misstrauisch den neuen Besucher unter der Couch beäugt hatte, wurde neugierig und gesellte sich zu seinem „Ersatzfrauchen“ auf das Sofa. Das Phänomen „Lesende Frau auf Sofa“ kannte er zur Genüge, weshalb er sich schliesslich in alter Gewohnheit an die Lesende kuschelte. Susannes Mutter war entzückt. Nicht nur, dass sie hier eine grössere Bibliothek als bei sich zu Hause vorfand. Hier gab es auch noch einen anschmiegsamen Kater, der das Lesen noch angenehmer machte.
Als Susanne aus dem Urlaub zurückkam, konnte sie ihre Mutter kaum aus ihrer Wohnung vertreiben. Zu sehr hatte diese sich an die Annehmlichkeiten dort gewöhnt. Schliesslich bot sie ihrer Mutter an, so viele Bücher mitzunehmen, wie sie wollte. Mit zwei voll gepackten Einkaufstaschen entliess sie schliesslich ihre Mutter. Der Kater durfte bei Frauchen weiterschnurren.
(geschrieben von Matthias Stöbener)
03.11.2008, 10.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Hex, hex!
Auch heute gibt es noch Hexen. Ein Waldspaziergang vergangene Woche brachte mein Wissen diesbezüglich auf den neuesten Stand. Tief in Gedanken war ich weiter in den Wald hineingegangen als bisher. Da traf ich plötzlich auf eine Lichtung, und dort sassen sie. In einem Kreis, in dessen Mitte Räucherstäbchen, Kerzen und kleine Statuen standen. Fünf Frauen unterschiedlichen Alters mit geschlossenen Augen und in einer Kluft, die ich als Hexenkleidung identifizierte. Wie es aussah, meditierten sie gerade. Ich wollte nicht stören, deshalb zog ich mich schnell wieder zurück. Zuhause angekommen war ich neugierig geworden.
Es gibt schon seit Längerem in meinem Viertel ein Esoterik-Geschäft. Am nächsten Tag betrat ich den Laden, dessen Inhaberin sich ganz offensichtlich auch zum Kreis der Hexen zählt. Zumindest kleidet sie sich so. Da gab es Heilsteine, Tarotkarten, Kerzen und Windspiele, aber vor allem ein grosses Angebot an „Fachliteratur“. Bücher zu Naturheilkunde, zum Auralesen, über Bachblüten, Gedankenlesen und die Verehrung verschiedener Göttinnen. Anscheinend eine blühende Sparte des Buchmarkts. Die Verkäuferin erklärte mir, dass es nicht einfach sei, eine echte Hexe zu werden. „Das erfordert jahrelange Studien und viel, viel Üben.“ Natürlich nichts für mich! Ausserdem habe ich das falsche Geschlecht. Von Hexerichen habe ich noch nichts gehört. Uff, selbst bei Jokers habe ich einige Hexenliteratur gefunden ;-)
(geschrieben von Matthias Stöbener)
08.09.2008, 10.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL




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