Jokers Blog Schweiz

Macht’s Murphy möglich?

Wenn ein Ereignis eingetreten ist, für das die Wahrscheinlichkeit äußerst gering war, weil dafür sehr viele negative Faktoren gleichzeitig wirken müssen, so wird dieses Ereignis gern mit »Murphys Gesetz« erklärt: »Wenn irgendetwas schief gehen KANN, dann WIRD es auch schief gehen«. So jedenfalls ist »Murphys Gesetz« in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen.

»Murphys Gesetz« geht höchstwahrscheinlich auf Captain Ed Murphy von der US Air Force zurück. Der Physiker hatte 1949 ein Gerät gebaut, das Gravitationskräfte messen sollte. Gleich bei der ersten Vorführung versagte der Apparat: Einer von Murphys Mitarbeitern hatte es geschafft, ALLE 16 Mess-Sensoren falsch anzuschließen. Auf einer Pressekonferenz sollte sich Murphy für die teure Panne rechtfertigen. Schließlich sei es ja recht unwahrscheinlich, dass hinter einem derart kompletten Versagen keine Absicht stünde. Woraufhin Murphy sein »Gesetz« formulierte.

Der im Grunde sehr simple Satz (Murphy hat ihn wahrscheinlich besser formuliert als oben zu lesen, doch der Wortlaut ist über die Jahre verloren gegangen) hört sich an wie eine dumpfe Allerweltsweisheit, hat aber einen wissenschaftlich fundierten Hintergrund. Hier geht es um die Wahrscheinlichkeitslehre.

Wenn wir im Alltag von Wahrscheinlichkeiten reden, ist uns eine sehr wichtige Eigenschaft der Wahrscheinlichkeit meist nicht bewusst: Wie gering die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis auch sein mag: wenn sie größer als Null ist, wird das Ereignis auch eintreten. Irgendwann. Sonst wäre die Wahrscheinlichkeit ja Null. Sie würden ganz sicher den Lotto-Jackpot knacken wenn Ihre Zeit auf dieser Welt, bzw. die Möglichkeit, Lotto-Tipps abzugeben, nicht begrenzt wäre...

Stellt sich noch die Frage nach dem Umkehrschluss bei »Murphys Gesetz«: Tritt, wenn alles schief geht, was schief gehen kann, ein Ereignis von äußerst geringer Wahrscheinlichkeit ein? Bevor die Fußball-Fans in Augsburg oder Nürnberg jetzt schon auf die Meisterschaft anstoßen: Nein. So nicht.

Gerald Wunder

18.05.2012, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Murphys Gesetz, Wahrscheinlichkeiten, Allerweltsweisheit, Captain Ed Murphy,

Polizei rettet Buch

Die Polizei, dein Freund und Helfer? In der englischen Grafschaft Dorset sind die Kriminalbeamten darüber hinaus auch echte Büchernarren, denn sie schafften es, ein verschwundenes Manuskript wieder ans Tageslicht zu befördern; und das kam so: Die Autorin Trish Vickers aus Charmouth schrieb mit leerem Füllfederhalter die ersten Kapitel ihres Romans »Grannifers Erbe« nieder, wie die Ärztezeitung meldete. Die Schriftstellerin merkte nicht, dass ihr die Tinte ausgegangen war, denn sie ist blind. Vor einigen Jahren verlor sie ihr Augenlicht als Folge einer Diabeteserkrankung.

Aus alter Gewohnheit schreibt Trish Vickers dennoch auf die herkömmliche Weise mit Stift und Papier und nicht in Blindenschrift, wobei sie sich die Zeilen mit Gummibändern markiert. Als sie ihrem Sohn den Anfang ihres Werkes zu lesen gab, sah der nichts als einen Haufen leerer Seiten. Das Entsetzen war groß, doch die Polizei konnte helfen. Forensiker nahmen sich der Sache an und rekonstruierten in mühevoller Spürarbeit den unsichtbaren Text, und das komplett in ihrer Freizeit. Sie wandten eine Methode an, bei der Licht aus verschiedenen Winkeln auf die Abdrücke im Papier geworfen wird. Wenn das nicht echte Bücher-Leidenschaft ist...

09.05.2012, 13.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Blind, Blindheit, Trish Vickers, Polizei, Forensik,

Die Couch auf der Couch: Schöner Wohnen mit der Wohnpsychologie


Dass Räume eine Wirkung auf ihre BewohnerInnen und deren Psyche haben, ist eine altbekannte Tatsache. Doch worin liegt genau der Knackpunkt, dass wir uns in manchen Häusern pudelwohl fühlen und von anderen Behausungen abgestoßen sind? Es kann natürlich an der Nutzung liegen: Ins Kino gehen wir lieber als zum Zahnarzt; von daher wird eine Arztpraxis eher wenig zu unserem momentanen Wohlbefinden beitragen.

Sind es nun Zimmer im rechten Winkel, die heilsam auf unser Gemüt wirken oder abgeschrägte Ecken? Wie viel Lichteinfall brauchen wir für unser persönliches Wohnglück? Welche Farben wirken stimmungsaufhellend, beruhigend, anregend? Und wie ordnet man die Möbel an, damit sich alle Beteiligten wohl fühlen? Hier kommt die Wohnpsychologie ins Spiel. Dieses noch junge Teilgebiet der Psychologie, auch Architekturpsychologie genannt, beschäftigt sich mit dem weiten Feld der Wirkung von Wohnen und Bauen. Im Vordergrund stehen weniger Aspekte des Wohn-Wohlfühlens als vielmehr ganz handfeste Fragen der Bauplanung: Wie müssen Gebäude geplant und gebaut werden, um die »kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Individuums« zu fördern?

Ähnlich wie beim chinesischen Feng Shui gehen auch westlich orientierte WohnpsychologInnen zunehmend dazu über, auf zwischenmenschlicher Ebene beratend zu wirken; sprich sie bieten eine gewisse »verschärfte« innenarchitektonische Dienstleistung an. Schließlich will man das Sofa ja so positionieren, das es auch glücklich macht.

Zum Thema Wohnen und Einrichten gibt es hier jede Menge zu Stöbern!

Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger

01.05.2012, 11.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Wohnen, Wohnpsychologie, Architekturpsychologie, Architektur, Einrichten ,

Neue Werkstudentin an Bord!

Seit genau einer Woche bin ich nun als Werkstudentin bei Jokers tätig. Zeit, euch von meinen ersten Eindrücken und Erfahrungen zu berichten.

Eigentlich sollte es am 1. April losgehen. Nach eineinhalb Monaten »vorlesungsfreier Zeit«, auch Semesterferien genannt, freute ich mich nun wieder auf die Uni und auf meine neue Werkstudentenstelle bei Jokers. Nach einem Jahr Kellnern neben dem Studium wurde es Zeit für etwas Neues: Neben dem Studium etwas zu lernen und mit meiner Leidenschaft Büchern zu tun zu haben, hörte sich sehr gut an.

Mit über zwei Wochen Verspätung (der Computer ließ leider etwas auf sich warten) fing ich also am Freitag(!), 20. April 2012, an. Um 10 Uhr, zu einer sehr menschlichen Zeit, sollte ich im 7. Stock des Hochhauses, in dem sich Jokers befindet, anwesend sein. Ich war nicht wenig überrascht, dass sich dort auch gleich mein Büro befand, sprich in der »Chefetage« (und dass ich als Werkstudentin überhaupt ein eigenes Büro, inklusive Locher, Tacker, Tesafilm usw. bekam). Eingesetzt bin ich im Bereich E-Commerce. Geplant ist, dass ich zwei bis drei Mal die Woche komme, um die Abteilung Internet zu unterstützen.

Am ersten Tag wurde ich von Herrn Stöbener, der mich einweist, und der restlichen Abteilung sehr freundlich empfangen. Ich erhielt viele Infos zum Unternehmen allgemein, den Strukturen, dem Bereich Internet und dem Online-Shop. Dann kam auch schon die große Vorstellungsrunde. 7. Stock, 6. Stock, 1. Stock. Namen über Namen. Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich mir nicht alle gemerkt habe!

Am Dienstag begann dann mein zweiter Tag bei Jokers. Und prompt durfte ich auch gleich an einem 4-Stunden-Meeting der Abteilung Internet teilnehmen. Ich dachte zuvor, dass ich nur Bahnhof verstehen würde, aber dank der guten Vorbereitung von Herrn Stöbener hielten sich meine Fragen in Grenzen. Das Meeting war sehr interessant und ich habe viel über die Abteilung gelernt.

Heute ist mein dritter Tag und es soll ans Eingemachte gehen. Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet und freue mich auf meine Zeit bei Jokers. 

30.04.2012, 11.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Werkstudentin, Jokers, Chefetage, Meeting, E-Commerce,

Bücher fürs Drogennäschen

Laut Oliver Kahn riecht Fußball nach einer Mischung von Gras, Schweiß und Metall. Heinrich Heine befand, Sauerkraut sei ein toller Duft (»Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut! // Holdselig sind deine Gerüche.«) Es gibt so exzentrische Parfüm-Kreationen wie »Eau de Karotte« und nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans bewegte viele Journalisten die Frage, welchen Duft der Eyjafjallajökull habe.


Einen Berliner Parfümeur hat nun, so berichtet die SÜDDEUTSCHE, die Frage gelöst, wie Bücher riechen. Er hat in Kooperation mit Größen wie Karl Lagerfeld und Günter Grass das Parfüm »Paper Passion« kreiert, mit dem angeblich Leseratten zu betören sind. Ein Jahr lang brauchte es, bis er auf der Designmesse Mailand sein Werk präsentieren konnte, das weltweit erste Parfüm mit Papiergeruch. Angeblich riecht das Parfüm nach druckfrischem Buch. Für Menschen wie den Göttinger Verleger Gerhard Steidl soll der Geruch eines frischen Buchs so betörend wie ein Rauschmittel sein. Aber Vorsicht: Für Bibliophile kann die Droge Buch sehr teuer werden (es sei denn, sie bestellen ihre Bücher bei Jokers).


17 Versuche und 13 verschiedene Rohstoffe wurden für das neue Parfüm gebraucht. Nun soll Paper Passion weltweit in Buchhandlungen, Museumsshops, Concept Stores (was immer das ist) und so genannten Nischenparfümerien verkauft werden. Und wenn es stimmt, dass in Reisebüros mit Sonnenmilchduft mehr Reisen verkauft werden, dürfen wir Bibliophile uns freuen, wenn wir bald in allen Thalias und Hugendubels dieser Republik mit einem noch stärkeren Buchgeruch als bisher umworben werden.



Bild: Bücher © Lupo/www.pixelio.de


26.04.2012, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Parfümeur, Bücher, Paper Passion, Leseratten, Buchgeruch,

Fragen eines Lyrik-Laien

Wie beeinflusst das »Drumrum« die Wirkung eines Gedichtes? Also, da gibts ja das »normale« Gedicht, mit mehr oder weniger gelungenen Reimen, sauber untereinander geschriebenen Strophen und so weiter. Steht ein solches Werk auf einem stinknormalen, langweilig weißen A4-Blatt, so wird es doch, poetisches Talent des Dichters vorausgesetzt, seine Wirkung entfalten: Das Liebesgedicht macht meist eher glücklich, das Klagelied meist eher traurig, ums ganz einfach auszudrücken.


Wird nun die Wirkung des Liebesgedichtes verstärkt, wenn man es auf ein rotes Plüschherz schreibt? Oder anders gefragt: Was ändert sich an der Wirkung dieses Liebesgedicht es, wenns der Steinmetz dereinst vom langweiligen weißen A4-Blatt auf den Grabstein überträgt?


Es würde den Lyrik-Laien also interessieren, inwieweit die Art der optischen Darstellung eines Gedichtes ein lyrisch geschultes Gehirn bei der Aufnahme der Worte beeinflusst. Hintergrund: Nachdem die Jury des Jokers Lyrikpreises 2012 ihre Arbeit beendet hatte, konnte ich einige der eingereichten Werke lesen oder besser: auf mich wirken lassen.


Dass mit Worten Bilder gemalt wurden (nicht im übertragenen Sinn; die Worte eines Frühlingsgedichtes sind da schon mal in Form einer Blume angeordnet) war schon fast normal. Andere Gedichte erinnerten mich an die »Tag-Wolke« hier auf der Jokers-Blog-Seite (siehe rechts). Die Darstellung ist in solchen Fällen Teil des Werkes, das ist auch mir klar. Die AutorInnen haben sich ja was dabei gedacht. Nur wirds leider oft übertrieben, das Wort »Butterbrotpapier« erhält keine tiefere Bedeutung, nur weil man die Silben quer über fünf Zeilen verteilt. Ich hätte gern Mäuschen bei den Beratungen der Jokers Lyrik-Preis-Jury gespielt um zu hören, wie das erste und wie das einhundertzweiundvierzigste »Butterbrotpapier«-Gedicht bewertet wurden...



chiboso2012.jpgDie Lyrik hat übrigens längst die dritte Dimension erobert, wie auch einer der Jokers Lyrikpreis-Beiträge, eingesandt von Chiko Sebe-Opfermann, zeigt: Eine flache weiße Schachtel, darinnen, dekorativ angeordnet, sechs hauchdünne, getrocknete halbe Fruchtkern-Schalen (von der Avocado?), die einige wohl gewählte Worte umhüllen. Sehr schöne und interessante Idee, wie ich finde, die viel Raum für Interpretationen bietet. Aber sehen Sie selbst... Was meinen Sie?


25.04.2012, 15.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Jokers Lyrikpreis, Gedicht, dritte Dimension, Tag-Wolke, Lyrik,

Wenn der Zahn des Löwen im Garten nagt

Loewenzahn_by_Angelika_Koch-Schmid_pixelio.de.jpgEr ist das Unkraut schlechthin: ungeliebt und unverwüstlich und dabei doch verkannt. Denn der Löwenzahn kann mehr, als HobbygärtnerInnen zu ärgern, weil er sich in Pflasterfugen, Kieswegen und Zierrasen breit macht. Er färbt die Wiesen im Frühling wunderschön gelb, ist ein wertvolles Viehfutter, vortreffliche Bienenweide und auch auf dem menschlichen Teller nicht zu verachten.


Wer also seine ganz private Löwenzahnplantage dezimieren möchte, isst den »Feind« im Garten einfach auf. Dazu empfiehlt sich ein Salat aus zarten Löwenzahnblättern, die der allseits beliebten Rauke durchaus Konkurrenz machen kann. Die noch nicht geöffneten Löwenzahnblüten eignen sich hervorragend zum Dünsten und Braten und haben einen angenehm nussigen Geschmack. Man kann sie aber auch in Essig einlegen und hat denn eine Art Kapernersatz. Auch die Blätter schmecken gedünstet fantastisch und erinnern an Spinat. Für einen entschlackenden Teeaufguss verwendet man getrocknete Wurzeln und Blätter. Die voll erblühten gelben Köpfchen kann man mit in den Salat geben oder zu Sirup und Marmelade verarbeiten. Und aus getrockneten und in der Pfanne gerösteten Wurzelstückchen lässt sich nach alter Tradition ein »Muckefuck« brühen.


Die Bitterstoffe sind es, die den »Gewöhnlichen Löwenzahn« (Taraxacum officinale) so wertvoll machen. In der Naturheilkunde und Homöopathie ist seine Wirkung seit Jahrhunderten bekannt. »Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund«, heißt es im Volksmund. Sprich: Löwenzahn wirkt verdauungsfördernd, appetitanregend, entschlackend, anregend und enthält darüber hinaus jede Menge Vitamine (A, C, E) sowie Eisen.


Den Namen Löwenzahn erhielt die Pflanze wohl wegen ihrer gezähnten gelben Blätter. Darüber hinaus gibt es regional unzählige Bezeichnungen wieMilchdistel, Butterblume, Pfaffenröhrchen, Kuhblume und im Stadium des Verblühens Pusteblume.


Lust auf Löwenzahn und andere Wildkräuter bekommen? Dann schauen Sie mal hier:



Buch "Gesund mit Brennessel, Löwenzahn und Rauke" bei Joker


Buch "Geliebte Wildkräuterküche" bei Jokers


Buch "Wildkräuter - sammeln, kochen, genießen" bei Jokers


Buch "Wildkräuter und Heilpflanzen" bei Jokers


Buch "Abenteuer Wildkräuter" bei Jokers



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger


Bild: Löwenzahnwiese © Angelika Koch-Schmid/ www.pixelio.de

20.04.2012, 10.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Löwenzahn, Unkraut, Wildkraut, Beikraut, Garten,

Im Tiefschlaf

Rosen_by_Irene_Lehmann_pixelio.de.jpgSie schlief 100 Jahre lang, wurde wachgeküsst und war keinen Tag gealtert. Die Rede ist von Dornröschen, jener schönen Königstochter aus dem Märchen, die von einer bösen Fee in ein tiefes Koma geschickt wurde. Während ihres langen Schönheitsschlafes wucherte die Rosenhecke um ihr Schloss zu einem undurchdringlichen Gestrüpp, das nur der tapferste aller Prinzen bezwingen konnte. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Dornröschen erwacht und heiratet den Königssohn.


Hätte die Holde während ihres Schlafes Geld verdient, wäre sie schwerreich geworden. Doch das hatte Dornröschen gar nicht nötig. Andere aber schon. Sarah Jane Hurst etwa. Sie bewarb sich für eine Werbeaktion zum Verkaufsstart der DVD des Films »Sleeping Beauty«; und wurde genommen. Als »schlafende Schöne« musste sie es sich 12 Stunden lang in einem überdimensionierten Bett gemütlich machen und so tun, als schliefe sie; mitten auf dem Bahnhof »Waterloo Station« in London. Das »Sleep In« war zugleich eine gesellschaftskritische Aktion zum Thema: »Ist Schlafen in der Öffentlichkeit eine Antwort auf steigende Studiengebühren?«


Dornröschen hat viele Gesichter:


Dornröschen bei Jokers



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger

Bild: Rosen © Irene Lehmann/www.pixelio.de


18.04.2012, 13.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Dornröschen, Märchen, Brüder Grimm, Sleeping Beauty ,

Kann ich Ihnen helfen?« Schaumermal...

Wer einkauft, muss eigentlich nicht viele Worte machen: »Brot her!« Sollst du haben, Bruder. Und mit »gib mich die Kirsche« erhält man in Dortmunder Sportshops einen Ball.


Bücher kaufen ist dagegen hoch kompliziert. Oft muss man sich schwierige Titel merken. Und das ist für ungeübte Buchkäufer manchmal etwas problematisch. Noch problematischer ist allerdings, diesen Kunden auch wirklich das richtige Buch zu verkaufen, wie auf boersenblatt.net zu lesen war.


Ein Kunde verlangte »Die Klaue des Hexers als Reklame-Heftchen«. Der geschulte Verkäufer gab ihm die Reclam-Ausgabe von E.T.A. Hoffmanns »Die Elixiere des Teufels«.


Oder »haben Sie Bücher über Mufflons?« Mal nachsehen? Zwecklos: »Sie wissen, die kleinen Küchlein.«


Und gibts nicht nur Fußbälle, sondern auch »Nazis in Dortmund«? Vielleicht. Gemeint war aber Hesses »Narziss und Goldmund«.


Wer so vergesslich ist, sollte sich die Titel der gewünschten Bücher lieber aufschreiben. Damit einem der genervte Buchhändler nicht alternativ den Faust aufs Auge drückt. Oder man bestellt im Versandhandel. Die Suchfunktion des Jokers Online-Shops zum Beispiel führt auch bei verworrenen Sucheingaben oft zum Ziel...



Autor: Gerald Wunder



17.04.2012, 15.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Belletristik | Tags: Suchfunktion, Bücher kaufen, Titel, Sucheingaben ,

Jugend forscht

Chemikalien_by_Carsten_Boettcher_pixelio.de.jpgVierzehn Jahre war ich alt, als ich mit dem »Experimentierkasten Umwelt« »die da oben« zum ökologischen Umdenken zwingen wollte. Der saure Regen war damals in aller Munde. Doch der konnte mit meinen simplen Versuchen nicht nachgewiesen werden und mein Vorhaben drohte zu scheitern.


Salzsäure schien ein geeigneter Ersatz für den Regen zu sein. Aber die im Lehrbuch vorgeschlagene Messung der Konzentration mit Indikatorpapier war mir zu primitiv. Ich bevorzugte die Digital-Analyse. Das kommt aus dem Lateinischen: Digitus = der Finger. Der Klavierunterricht fand drei Wochen lang nicht statt.


Der Simulation von zu hohem Pestizid-Einsatz fiel der Garten meiner Oma, den konzentrierten Treibhausgasen in der Garage eine Mäuse-Familie zum Opfer.


Endlich handelten die da oben. Um die Versuche zu stoppen, lenkte man ganz im Geiste moderner Erziehung mein Interesse auf neue Beschäftigungsbereiche: Ich bekam mehr Taschengeld und durfte am Abend länger weg. Flora und Fauna der Umgebung waren gerettet.



Autor: Gerald Wunder


Bild: Chemikalien ©Carsten Böttcher/www.pixelio.de



16.04.2012, 13.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Jugend forscht, Experimentierkasten, Umwelt, Indikatorpapier, Beschäftigungsbereiche ,

Auf nach Atlantis!

Wissen Sie schon, wos im Sommer-Urlaub hingehen soll? Nein? Ich hätte da einen Tipp: Atlantis - sagenhafter, versunkener Kontinent. Heimat einer hoch entwickelten Kultur. Von dort kamen all die Götter unserer Mythologie und brachten uns ihre Zivilisation. Dort kann man tatsächlich Urlaub machen! Ich war letztes Jahr da.


Zypern_by_Dieter_Schuetz_pixelio.de.jpgAtlantis wurde von US-Forschern pünktlich zur Urlaubssaison 2011 wiederentdeckt: auf Zypern, meldete ein TV-Bericht, der geflissentlich verschwieg, dass die »Entdeckung« schon 2004 gemacht wurde. Aber egal: Ferien bei den Göttern, zahlen mit Euro, das hört sich gut an, dachte ich mir. Ist aber, wie ich mittlerweile weiß, nix Neues.


Sie werden überrascht sein: Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie schon in Atlantis waren, ist enorm hoch. Über 40 Mal wurde es bereits »entdeckt«. Atlantis war demnach eine Insel im Atlantik (klar), Kreta und Santorin (da ging schon vieles unter), Nord- und/oder Südamerika (die Zivilisation kommt von den Amis, logisch).


Alles grad noch nachvollziehbar. Aber auch in Belgien (die Götter brachten uns fettige Pommes, mieses Bier...), den Niederlanden (... und schlechten Fußball???), Ostpreußen (gibts nen Atlantis-Vertriebenenverband?) und sogar Mecklenburg (naja, da geht die Welt zwar unter, aber laut Bismarck 100 Jahre später) haben »Forscher« Atlantis schon entdeckt.


Ein flächendeckendes Filialnetz: einmal auch in Ihrer Nähe! Atlantis ist wie die Post.



Autor: Gerald Wunder


Südküste von Zypern © Dieter Schütz/www.pixelio.de 

15.04.2012, 08.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Atlantis, Zypern, Sommer-Urlaub, Forscher ,

Au(r)a, das tut weh!

Dass die so genannte Esoterik nicht, wie versprochen, ins, sondern eher hinters Licht führt, dürfte allgemein bekannt sein. Dass man damit im wahrsten Sinne des Wortes ein Heidengeld verdienen kann, weiß man auch und sogar die Politik mischt da fröhlich mit...


Externfelsen_by_Rainer_Klinke_pixelio.de.jpgDie Externsteine bei Horn in Nordrhein-Westfalen sind seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. Die bis zu 40 Meter hohe Felsformation sieht so ungewöhnlich aus, dass »spirituelle« Menschen sie seit dem Mittelalter für einen magischen, mystischen »Kraft-Ort« halten.


Heute gelten die Externsteine in der esoterischen Literatur als alter germanischer Kultplatz, obwohl die Archäologie keinerlei Hinweise darauf gefunden hat. Dem Stadtrat von Horn ists egal, denn Esoteriker geben gern Geld aus.


Und deshalb will man die Esoteriker seit einigen Jahren verstärkt anlocken: »Das vorhandene Potential an Esoterik sollte noch konsequenter und planvoller ausgenutzt werden«, forderte ein Antrag der Stadträte von Horn.


Wie das aussehen könnte? Zum Beispiel könnte zu den Sonnwendfesten jeweils ein großes Spektakel nach dem Vorbild der Love-Parade unter dem Motto »Friede, Freude, Mistelkuchen« stattfinden. Da gibts dann Met-Wurst und die Musik der Barden-Band »Wir sind Kelten«. Die dürften allerdings nicht ihren großen Hit Denk mal spielen, denn das widerspräche allen esoterischen Grundsätzen...



Autor: Gerald Wunder



Bild: Externsteine © Rainer Klinke/www.pixelio.de






14.04.2012, 15.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Esoterik, Externsteine, Horn, Kraft-Ort,

Lisa Saint Aubin de Terans Haus in Italien

Das Haus ist eine Ruine, mehr nicht. Lisa Saint Aubain de Teran kauft es trotzdem. Sie hat sich spontan in das alte Gemäuer verliebt. Dass der historische Palazzo im umbrischen Städtchen San Orsola mit einem Eingangsbereich so groß wie eine Bahnhofshalle nur noch rudimentär vorhanden ist, blendet sie großzügig aus. Die Wände sind löchrig oder nicht mehr existent. Es gibt weder Türen noch Fenster. Ganze Gebäudeteile fehlen. Das Dach ist löchrig. Die einstige Parkanlage rund ums Haus eine Wüstenei. Egal. Lisa Saint Aubain de Teran ahnt, wie das Schlösschen einmal ausgesehen haben mag, in welchem Glanz es strahlte. Hier will sie, der bunte Zugvogel, endlich sesshaft werden. Kein Leben mehr in Zügen und aus Koffern!


Umbrien_by_marge simpson_pixelio.de.jpgDie Renovierung ist ein einziges Abenteuer und eine einzige Katastrophe. Gemeinsam mit ihrer Familie zieht Lisa Saint Aubain de Teran ein, mit ihrem schottischen Künstlergatten Robbie, ihrer halbwüchsigen Tochter Iseult, dem kleinen Allie und zwei Au-pair-Mädchen, den »irischen Beauties«. Ein Glück nur, dass die italienischen Ureinwohner San Orsolas die verrückte englische Familie in ihr Herz geschlossen hat. Mit bewundernswerter Gelassenheit meistert die Autorin diese Hardcore-Renovierung, organisiert die Handwerker, hält die Familie zusammen und schreibt darüber wundervoll beiläufig und in leichtem Ton. Ihr Blick auf Land und Leute ist liebevoll und ihre Begeisterung ansteckend. Inmitten von Staub und Bauschutt sitzend, sinniert sie über das italienische Lebensgefühl.


Die Schäden am Haus sind so gewaltig, dass ein Sommer nicht ausreicht, es auch nur halbwegs instand zu setzen. Die »Häuslebauer« erleben ihren ersten umbrischen Winter ohne funktionierende Heizung und ohne Fenster und Türen in ihrem zugigen, eiskalten Palazzo. Einzige Heizquelle ist der antike Kamin in der Küche. Andere hätten entnervt aufgegeben, nicht so die ebenso skurrile wie unerschrockene Familie. Man hält durch und gewinnt dem Zustand sogar noch etwas Positives ab. Herausforderungen sind schließlich dazu da, sie anzunehmen.


Das »Haus in Italien« ist nur eine Station in Lisa Saint Aubain de Terans bewegtem Leben. Die 1953 in London geborene Schriftstellerin und Journalistin hat das Unterwegssein kultiviert. Mit 16 Jahren folgte sie einem venezolanischen Revolutionär in seine Heimat und führte mit ihm eine Kaffeeplantage. Sie blieb sieben Jahre in Venezuela, dann heiratete sie den Dichter George Macbeth. Mit dem Maler Robbie DuffScott zog sie 1986 schließlich nach Venedig und weiter nach San Orsola. Die Sache mit der Sesshaftwerdung allerdings klappte nicht wirklich. Inzwischen lebt die Autorin mit Ehemann Nummer vier in Amsterdam.


Buch "Ein Haus in Italien" von Lisa St. Aubain de Teran bei Jokers


Buch "Deckname Otto" von Lisa St. Aubain de Teran bei Jokers



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger


Bild: Stadt in Umbrien © »Marge Simpson«/www.pixelio.de




13.04.2012, 11.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Lisa St. Aubain de Teran, Italien, Umbrien ,

Wenn selbst die Schwaben ihre Sparsamkeit vergessen...

Handy_by_Niko_Korte_pixelio.de.jpg... dann haben sie ihr »Handy« eingeschaltet. Bis fast ans Ende der 1990er-Jahre galten Menschen, die mit Handys rumliefen, als lächerliche Wichtigtuer. Heute macht sich lächerlich, wer noch ein Festnetz-Telefon benutzt und noch lächerlicher, wer überhaupt kein Mobil-Telefon hat.


Vergessen ist, dass sich noch vor ein paar Jahren fast jede/r über nervige Klingeltöne und dämliche, in aller Öffentlichkeit geführte Telefonate aufregte. Heute piepsen und dämlichen alle mit.


Auch von den Bürgerinitiativen gegen Handy-Sendemasten hört man kaum noch was. Und schon gar nicht von den Vermutungen der ewigen Schwarzseher, dass Handy-Strahlung schwere Gesundheitsschäden verursacht: an Zellen, an den Genen, am Gehirn. Ist ja auch egal. Schließlich hat man mit dem Handy die Möglichkeit, die lebenswichtige Info »Ich bins. Ich bin in der Straßenbahn. Bis bald. Tschüs.« weiterzugeben.


Mehreren Studien zufolge drehen sich 99% aller Mobil-Telefonate um solch wertvolle Inhalte. Hirnschäden? Na und? Wozu braucht man denn da noch Hirn? Das fragt man sich auch, wenn man hört, dass die meisten Smartphone-Nutzer deswegen keine Angst vor schädlicher Mobiltelefon-Strahlung haben (selbst wenn sie existieren würde), weil sie mit ihren Mobiltelefonen kaum telefonieren. Sondern überwiegend SMS schreiben oder Social Networken. Und von schädlicher SMS- oder Facebook-Strahlung war ja nie die Rede...


Sehr interessant ist auch, dass die Umsätze der Mobilfunk-Anbieter steigen und steigen. Egal, wie viel Krise grade ist. Tatsächlich könnte man aus den Statistiken herauslesen, dass die Lohnerhöhungen seit dem Jahrtausendwechsel nicht etwa von der Inflation und schon gar nicht von der Euro-Einführung »aufgefressen« wurden. Sondern von der ausufernden Handy-Telefoniererei.


Sogar in Schwaben vermobiltelefoniert man Häusle und Hof. Womit wir wieder am Anfang des Lamentos wären. Denn von den Schwaben erhielten die Mobiltelefone ihren Namen. Sie kennen den Witz: »Hän die koi Schnur?« Haha.


Autor: Gerald Wunder


Bild: Handy © Niko Korte/www.pixelio.de






12.04.2012, 16.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Handy, Telefonieren, Strahlung, Sendemasten,

Kennen Sie Fritz Steuben?

Wahrscheinlich sagt Ihnen der Name Fritz Steuben erst mal nichts. Am besten nähern wir uns diesem Schriftsteller über einen seiner »Kollegen«, den nun wirklich jede/r kennt...


Anfang des Jahres 2012 war einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller mal wieder in aller Munde: anlässlich des 100. Todestages Karl Mays am 30. März.


So beliebt Mays Bücher bis heute sind, so umstritten sind und waren sie. Die Geschichten um Winnetou, den bekanntesten Helden seiner Bücher, den Häuptling der Apachen, den »edlen Wilden«, den »guten Indianer« haben nun mal überhaupt nichts mit der Realität der indigenen nordamerikanischen Bevölkerung zu tun. Außerdem behauptete May, er habe die Abenteuer des Winnetou-Blutsbruders Old Shatterhand selbst erlebt. Kein Wunder also, dass schon zu Mays Lebzeiten Parodien seiner Geschichten kursierten.


Ein anderer deutscher Wildwest-Autor ist dagegen fast in Vergessenheit geraten. Und das, obwohl seine Werke, anders als bei Karl May, auf ein intensives Quellenstudium zurückgehen und einen realen Hintergrund haben: Fritz Steubens (eigentlich Erhard Wittek, 1898 bis 1981) Held »Tecumseh«, verewigt in acht Bänden von 1929 bis 1952, hat tatsächlich gelebt.


Im Jahre 1768 wurde Tecumseh vom Stamme der Shawnee am Mad River geboren. Er stieg zum Häuptling auf und träumte davon, die weißen Eindringlinge mit einer großen Allianz der Stämme aus seiner Heimat zu vertreiben. Doch nach einer totalen Niederlage gegen die US-Armee am 7. November 1811 löste sich das Bündnis auf. Tecumseh floh nach Kanada und kämpfte für England gegen die Amerikaner. Am 5. Oktober 1813 starb er auf dem Schlachtfeld.


Doch der große Häuptling lebt weiter. Nicht nur in Fritz Steubens Büchern. Trotz seines Engagements für die Engländer wurde der indianische Freiheitskämpfer von der amerikanischen Wirtschaft vereinnahmt. Er muss als Zugpferd für den Tourismus herhalten, als Pate für »Schneefräsen mit Tecumseh-Wintermotor« u.v.m. Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz. Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf. Uff.


Autor: Gerald Wunder




11.04.2012, 13.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Tecumseh, Fritz Steuben, Indianer, Freiheitskämpfer, Shawnee ,

Flaschenpost aus Nicaragua

Teil 10: Tod und Teufel


Eigentlich hat alles ganz harmlos angefangen. Am friedlichen Playa Popoyo war das gemeinsame Frühstück mit den Papageien Rosalita und Camillo schon die größte anzunehmende Aufregung. Allerdings gab es zwei Arten von Surfern: die stillen Einzelgänger, die morgens um sechs schon die ersten Wellen erwischten und die weniger stillen, die morgens um zehn beim ersten Bier prahlten, welch sportliche Meisterleistungen sie vollbringen würden, wenn sie es denn mal aufs Brett schaffen würden. Unnötig zu erwähnen, dass sich Jorge spontan unter letzteres Volk mischte. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf.


Angeregt von der illustren Gesellschaft und einer beachtlichen Menge Alkohol beschloss Jorge, zwei Abreisende samt ihren abenteuerlich auf dem Autodach befestigten Surfbrettern ins zwei Stunden entfernte San Juan zu kutschieren. Und von dieser glänzenden Idee war ihre gleichgültige Fahrlässigkeit durch nichts abzubringen. Es wunderte auch niemanden, als Jorge am Abend nicht wieder da war. Schicksalsergeben sah Hotelbesitzer Gerado am darauffolgenden Tag in der Polizeistation von Rivas nach dem Rechten und traf Jorge tatsächlich dort an.


Die zwei Gringos hatte er anscheinend noch nach San Juan gefahren, aber auf dem Rückweg ist es dann passiert. Zusammenstoß mit einem Motorrad: ein Toter, ein Schwerverletzter. Ein Fahrerflüchtling - das war Jorge. Zwölf Jahre Gefängnis, hieß es zuerst. Eigentlich ging es mich nichts an. Und stocksauer war ich außerdem. Aber inzwischen fühlt sich jeder, den ich länger als drei Tage kenne, schon fast wie Familie an. Und wenn man ohne Kontakt zur Außenwelt im nicaraguanischen Knast sitzt (Essen gibt es nur, wenn Angehörige etwas bringen, keine Toilette, 20 Betten für 40 Personen), ist es vielleicht nicht schlecht, wenn wenigstens die Familie informiert wird. In diesem Fall war Facebook wirklich mal zu was nütze.


Um Jorges astronomisch hohe Hotel-Rechnung bezahlen zu können, musste ich bedauerlicherweise sein weitgereistes Surfboard verkaufen. Hätte ich im Bus nach Rivas sowieso nicht mitnehmen können. Dort traf ich dann Juan und Jorges Anwalt wieder. Der Anwalt versuchte bereits, mit der Familie des Unfallopfers eine Kompensationszahlung auszuhandeln, um eine gerichtliche Entscheidung zu verhindern. Das klappte auch ziemlich reibungslos. 20.000 Dollar - und Jorge war nach nur fünf Tagen rausgekauft. So einfach geht das.


Doch anstatt reumütig zu seiner völlig aufgelösten Familie in die Schweiz zurückzukehren, ist Jorge jetzt gutgelaunt nach Panama weitergereist. Nur der Gedanke an das viele Geld (und an das verkaufte Surfbrett) hat ihm ein bisschen die Stimmung verhagelt. Schließlich musste ein Zellengenosse für einen Mord nur 5.000 Dollar bezahlen. Frechheit. Weil mir zu diesem Thema nichts mehr einfällt, verbleibe ich jetzt mit sprachlosen Grüßen,


Anja

03.04.2012, 14.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern

Polt ermittelt: Krimi-Highlights aus Österreich

Simon Polt ist anders. Anders als die coolen Kommissare aus dem hohen Norden. Anders als die toughen Forensiker der US-Krimireihen. Polt, der Gendarmerie-Inspektor aus dem niederösterreichischen Weinviertel, löst seine Fälle auf ganz eigene Art: ruhig, unspektakulär, sensibel. Er ist ein Eigenbrötler und Sonderling und lebt alleine in einem alten Haus mit Kater. Er schießt nicht, schreit nicht und sein Dienstfahrzeug ist ein betagtes Fahrrad. Bisweilen wirkt er etwas introvertiert, melancholisch, fast linkisch. Doch unterschätzen sollte man ihn auch nicht. Mit unglaublicher Hartnäckigkeit macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit.


029.254.864.jpgPolts Fälle sind so außergewöhnlich wie die Region, in der er sich bewegt. Im Weinviertel scheint die Welt stehengeblieben zu sein. In den Dörfern beherrscht der Weinanbau das Leben. Presshäuser, Weinkeller und alte Gehöfte reihen sich aneinander. Doch hinter der Idylle der malerischen Dörfer und Weinberge lauern Abgründe. Menschen kommen mithilfe von Gärgasen zu Tode, werden mit Tollkirschen vergiftet oder landen in der Traubenpresse.


Spannend, skurril und schauderhaft sind die Polt-Krimis, die der österreichische Schriftsteller Alfred Komarek, geb. 1945 in Bad Aussee, verfasste. Mit feinem Gespür für Landschaft und Leute des Weinviertels in Niederösterreich erzählt er vom Leben und Leiden der Menschen dort. Seine Krimis sind zugleich Milieustudien, die die Probleme der Region im österreichisch-tschechischen Grenzgebiet thematisieren: Arbeitslosigkeit und Abwanderung der Jungen in die Städte. Genial verfilmt wurden die Geschichten um den Gendarmen Polt mit Erwin Steinhauer in der Hauptrolle.


Und nun viel Spaß mit Simon Polt, dem großen Schweiger und Zuhörer:


Buch "Polt - Die Klassiker in einem Band" bei Jokers


Buch "Polt" bei Jokers


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Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger


02.04.2012, 16.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Alfred Komarek, Gendarmerie, Simon Polt ,

Sensationen und Skandale:

60 Jahre BILD-Zeitung


Sie sind absoluter BILD-Gegner? Sie fassen dieses Blatt höchstens mit der Zange an, um es umgehend in Ablage P zu befördern? Dann halten Sie letztgenanntes Instrument schon mal griffbereit: Am 23. Juni werden zur Feier des Jubiläums alle Haushalte Deutschlands mit einem kostenlosen BILD-Exemplar bestückt. Da hilft auch der »Keine Werbung«-Aufkleber nix.


Manche BILD-Phobiker überlegen sich schon einen Briefkasten-Schutz-Sticker im IKEA-Stil: »Nein, ich will NICHT die BILD!« Obs hilft? Wir werden sehen. Alternativ kann man das wertvolle Zeitungspapier immer noch als Einlage für den Kaninchenstall oder als Fensterputzlappen benutzen. Auch die guten alten Papierflieger oder Origami-Kunstwerke würden dem Blatt eine gewisse Kreativität verleihen.


Vor nackten Tatsachen auf Seite 1 müssen Sie sich übrigens nicht mehr fürchten die wurden im März nach 28 Jahren in den Innenteil verbannt. Grund war wohl weniger, dass die BILD neue Moralvorstellungen entwickelt hätte, sondern eher Aspekte des Marketings: Die britische The Sun, die ihre girls auch erst auf Seite 3 platziert, hat die BILD im Januar 2012 erstmals als auflagenstärkste Zeitung Europas abgelöst. Es geht also abwärts im Jubiläumsjahr. Was nicht zuletzt Herrn Günter Wallraff freuen dürfte.


Buch "Der Aufmacher" bei Jokers


Übrigens: Falls Sie doch mal ein Argument zum Lesen der BILD-Zeitung brauchen: BILD bildet tatsächlich. Keine beherrscht die Werbesprache so perfekt wie sie: KISS lautet die Formel - Keep it stupid and simple. Ich sage nur: »Wir sind Papst!«


Buch "Papst-Bild" bei Jokers



Dabei hätte »Wir sind Wulff!« noch viel schöner geklungen. Doch schon 2006 erklärte Springer-Chef Matthias Döpfner: »Für die Bild-Zeitung gilt das Prinzip: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.« Es lebe die Meinungsfreiheit!

 


Buch "Feindbild Springer" bei Jokers


Buch "Bild dir dein Volk" bei Jokers


Geschrieben von Anne Eichmann


30.03.2012, 10.21 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: BILD, BILD-Jubiläum, Axel-Springer-Verlag, Günter Wallraff, Bildzeitung,

Flaschenpost aus Nicaragua

Teil 9: Landpartie


Nachdem unser Haus nun anderweitig vermietet war, nutzen Juan, Jorge (eigentlich Roger, aber das kann ja keiner aussprechen) und ich die Zeit für einen Trip ins Zentrum Nicaraguas. Mit Jorges wieder gewonnenem Auto (ein Anwalt konnte es letztendlich aus den Fängen der Polizei befreien) hätten wir fast eine Kuh gerammt. Es war aber auch dunkel und nachts sind alle Kühe grau. Weil Autofahren nach Sonnenuntergang wegen fehlender Beleuchtung sowieso keine gute Idee ist, übernachteten wir in San Carlos am Rio San Juan (auf dem war übrigens seinerzeit auch Marc Twain mal unterwegs, jaja).


Bedauerlicherweise wohnte in dem »Hotel« auch ein Hahn, der schon des Nächtens seine ersten Stimmübungen zu absolvieren pflegte und weder den Mäusen im Bett noch der Moskito-Armada an Penetranz nachzustehen gedachte. Dafür gabs Fisch zum Frühstück. Dann fuhren wir weiter nach Mayasang, dem eigentlichen Ziel der Reise.


In dem kleinen Dorf verbrachte Juan die ersten fünf Lebensjahre, bis seine Familie durch den Bürgerkrieg nach Bluefields verschlagen wurde. Auf halber Strecke wollte Juan uns aber noch einen Wasserfall zeigen. Und so kam es, dass wir mitten im Dschungel in ein Polizei-Grill-Fest zu Ehren des Weltfrauentages platzten. Mit Tombola, Partyzelt und Hüpfburg sponsored by Handyanbieter Movistar. Junge Burschen sprangen beherzt Kopf voraus vom Fels ins Wasser und eine der gefeierten Damen drückte uns spontan eine Flasche des nicaraguanischen Haus-und-Hof-Rums Flor de Caña in die Hand. Na gut, warum nicht. Ironie des Schicksals: Einer der anwesenden Blauhemden unterrichtete ausgerechnet den unlängst aus dem Gefängnis entlassenen Jorge darüber, dass er sich hier absolut sicher fühlen könne, schließlich sei ja genug Polizei da. Nach dem massenhaft aufgetischten Fleisch mit Yuca (eine Wurzel, die gekocht wie Kartoffel schmeckt) haben wir uns trotzdem wieder verabschiedet, um endlich nach Mayasang zu kommen.


100_2611.JPGLaut Juan hat sich, seit er zuletzt vor 22 Jahren dort war, kaum etwas verändert. Nur die Hühner hatten inzwischen die Schotterwege wieder zurückerobert. Vor der kleinen Kneipe waren die Pferde der Cowboys geparkt. Großes Hallo bei der Ankunft, weniger wegen Juan, vielmehr wegen uns selten gesichteten Gringos. Ich wurde sofort auf ein Pferd gesetzt und bekam danach meinen ersten politischen Vortrag gegen Ortega gratis zum Bier serviert. Bisher gaben nur die schwarz-roten FSLN-Flaggen vor den oft skelettartig in der Landschaft herumstehenden Parteihäusern ein ebenso schräges wie allgegenwärtiges Bild ab. Nicht zu vergessen die pinken Wahl-Werbeaufkleber und »Daniel for President«-Graffiti an jeder Ecke. Aber im Nicaraguanischen Hinter(urwäldler)land gibt es ihn dann doch den Demokraten. Und der konnte vor lauter Begeisterung ob seines unerwartet eingetroffenen Publikums (und einer nicht unerheblichen Menge Toña) kaum an sich halten, im Fünfminuten-Takt seine Veteranen-Narben zu präsentieren.


Weil das nur ungefähr die ersten drei Mal interessant war und Juan die nächsten Tage mit Freunden und Familie in Erinnerungen schwelgen würde, verabschiedeten Jorge und ich uns bald vom Dorf-Stammtisch. Nächster Halt was für eine Überraschung! ein weiterer Surfstrand. Bis dahin verbleibe ich mit sommerfrischen Grüßen,

Anja

29.03.2012, 10.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern

Zeig dich, Sonderling!

Wer denkt nicht ab und zu über berufliche Veränderungen nach? Interessante Herausforderungen, neue Kollegen, bessere Bezahlung oder einfach mehr Zeit für sich, Ruhe und Einsamkeit gar? Vor ein paar hundert Jahren hätten Sie da eine spannende Option wahrnehmen können: eine Anstellung als Schmuckeremit! Kost und Logis wären Ihnen schon mal sicher gewesen. Bescheiden versteht sich, denn Schmuckeremiten hatten im 18. und 19. Jahrhundert den Auftrag, englische Landschaftsparks zu beleben. Ihre Bleibe war also eine Erdhöhle oder eine Grotte. Auf Körperpflege war zu verzichten der Schmuckeremit sollte mit langen Haaren und Bart beeindrucken. Zu tragen hatte er ein schlichtes, wollenes Gewandt, als »Accessoires« dienten ihm lediglich eine Bibel und eine Brille, sein Alter sollte unbedingt fortgeschritten sein weltabgewandt und sonderbar, aber gelehrt sollte er erscheinen. Zu festgelegten Zeiten musste der Eremit sich zeigen, um mit seinem bloßen Anblick den Grundstückseigner und seine Gäste zu erfreuen.


Scheinbar war ein wohlgepflegter Landschaftsgarten erst perfekt, wenn ihm ein kleiner, künstlicher »Makel« zugefügt worden war also die karge Bleibe eines vermeintlichen Einsiedlers. Und nichts schien das Auge mehr zu erfreuen als ein alter, in Lumpen gekleideter Mann mit langem grauen Bart, der den Launen der Natur ausgesetzt war und keinerlei Ansprache hatte. Der eigene Reichtum lässt sich doch gleich viel mehr genießen, wenn man sieht, wie bescheiden andere Menschen hausen.


Sollten Sie noch Inspiration für Ihre Gartengestaltung benötigen hier werden Sie garantiert fündig. Nur auf professionelle Einsiedler werden Sie wohl verzichten müssen...


Buch "Inspiration Garten" bei Jokers


"Handbuch Gartengestaltung" bei Jokers


"Das Gartenbuch für alle" bei Jokers





Bild: Garten © Katharina Wieland Müller/www.pixelio.de

28.03.2012, 14.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Schmuckeremit, Sonderling, Landschaftsgarten, Einsiedler, Gartengestaltung,

Olympische Spiele 2012: London ruft... wieder mal...

Im Juli und August 2012 finden die XXX. Olympischen Sommerspiele in London statt. Nicht das erste Mal: London war bereits Austragungsort der Sommerspiele 1908 und 1948.


London_C. Meisinger_pixelio.de.jpgBei der IV. Olympiade im Jahre 1908 bewies der US-Amerikaner Forrest Smithson, dass Bücher nicht nur klug machen. Zu den Vorläufen über 110 Meter Hürden trat er mit einem Buch in der Hand an. Seinen Konkurrenten wollte er damit wohl sagen, dass er bei seiner läuferischen Überlegenheit nebenher gemütlich lesen könne, ohne seinen Sieg zu gefährden.


Ein dummer Psycho-Trick. Aber ein wirksamer. Denn Smithson kam bis ins Finale. Das entscheidende Rennen lief er ohne die Lektüre für unterwegs. Doch seine Gegner waren so eingeschüchtert, dass sie keinen Versuch mehr machten, ihn zu besiegen. Unangefochten wurde Smithson Olympiasieger.


Hätte der kleine Trick Schule gemacht, wären heute wohl auch Buch-Versender unter den Olympia-Sponsoren: 110 Meters Hurdles: presented by Jokers - where smart People buy English Books... oder Sprachführer?!


Geschrieben von Gerald Wunder


Bild: London © C. Meisinger/www.pixelio.de

27.03.2012, 09.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: London, Olympia, Olympische Spiele, Sommerspiele,

Bielefeld? Gibts doch gar nicht, oder?

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Stadt, von der behauptet wird, sie existiere gar nicht. Dann gibt es die BewohnerInnen also alle auch nicht? Bielefeld ist das passiert, jener völlig unspektakulären Stadt zwischen Weser und Ems. Sie wurde Opfer einer Verschwörungstheorie, genauer gesagt der Bielefeldverschwörung. Derzufolge ist die Stadt pure Erfindung. Und jeder, der behauptet, Bielefeld sei real, gilt als Teil der Verschwörung.
 

Der »Bielefake« ist nicht die einzige krude Theorie, die durch die Geschichte der Menschheit geistert. Verschwörungstheorien gab es bereits in der Antike. Die bekannteste jedoch ist die Legende, die sich um das Kennedy-Attentat rankt. Demnach ging der Mord an dem US-Präsident John F. Kennedy auf die Kappe von CIA in Zusammenarbeit mit der Mafia, Exilkubanern, Vizepräsident Lyndon B. Johnson und Vertretern des militärisch-industriellen Komplexes.


Warum sind derartige Geschichten so faszinierend? Der englische Psychologe Michael Wood von der Kent University hat dazu eine Studie initiiert. Er fand heraus, dass Verschwörungstheorien ähnlich wie Religionen wirken. Seinen Forschungen zufolge ist es ebenso schwer, sie zu beweisen, wie sie zu widerlegen. Und er förderte zu Tage, dass Menschen immer dann den bizarren Thesen folgen, wenn sie das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren.
 

Während hinter den meisten Verschwörungsfantasien eine handfeste Paranoia steckt, war es im Fall von Bielefeld purer Spaß. 1994 setzte der Informatikstudent Achim Held das Gerücht in Umlauf, die Stadt sei reine Einbildung. Er wollte sich damit einfach nur über die bierernsten Verschwörungstheoretiker lustig machen, die ihre wahnhaften Vorstellungen mit Zähnen und Klauen verteidigen. Was er nicht ahnte: Die Bielefeldverschwörung verbreitete sich wie ein Lauffeuer über das damals noch junge Internet und hält sich bis heute hartnäckig, allerdings immer mit einem Augenzwinkern. So richtig daran glauben, dass es die »B-Stadt« nicht gibt, tut eigentlich niemand. Oder waren Sie etwa schon einmal in Bielefeld? Nein? Und Sie kennen auch niemanden, der schon einmal dort war? Nein? Sehen Sie, Bielefeld gibt es nicht, kann es gar nicht geben...


Lust bekommen auf Verschwörungstheorien? Dann haben wir hier etwas für Sie:


Buch "Top Secret" bei Jokers


Buch "Agenten des Bösen" bei Jokers


Buch "Elvis lebt" bei Jokers



Sie sind felsenfest überzeugt davon, dass es Bielefeld tatsächlich gibt? Dann fahren Sie mal hin:

Buch "Echt-Bielefeld" bei Jokers




Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger


Bild: Sparrenburg Bielefeld © Marion Heidemann-Grimm/www.pixelio.de

25.03.2012, 15.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Bielefeld, Verschwörungstheorien, John F. Kennedy,

Von Vielfrassen und Hungerkünstlern

Jetzt naht sie wieder, die gefährliche Zeit. Wenn im Frühling die dicken Winterpullover fallen, zeigen sich die Sünden des Winterhalbjahres. Schließlich mussten wir uns eine dicke Speckschicht zulegen, um die Kälteperiode zu überstehen. Dass wir Menschen nicht mehr in der Steinzeit leben und der Natur nicht mehr schutzlos ausgeliefert sind, scheint sich noch nicht im Evolutionsprogramm festgesetzt zu haben. Auch nicht, dass wir nicht mehr tagelang hinter Mammuts herschleichen müssen, um satt zu werden.


Es ist eine Binsenweisheit und im Grunde weiß es jede/r: Wir essen zu viel, zu fett, zu süß und bewegen uns zu wenig. Und uns ist sonnenklar: Eigentlich müssten wir unsere Gewohnheiten grundlegend ändern. Da der Mensch faul ist und ein Gewohnheitstier, probiert er es mit Diäten, die eine schnelle effektive Veränderung herbeiführen sollen. Dass das nicht funktionieren kann, sagt uns unser gesunder Menschenverstand, den wir jedoch geflissentlich überhören.


Diäten sind keine Erscheinung unserer modernen Zeit, es gab sie schon vor gut 2.000 Jahren. Und es waren keineswegs die Frauen, die damit anfingen. Vorreiter des Diätwahns waren über Jahrhunderte hinweg die Männer. Der antike Herrscher Dionysios von Herakleia entwickelte im 4. Jahrhundert v. Chr. allerdings eine ganz eigene Technik, um seine Körperfülle verschwinden zu lassen. Wie die Medizinhistorikerin Louise Foxcroft herausgefunden hat, verbarg er seine Fleischberge in einer Tonne, aus der nur der Kopf herausschaute. Da er ob seiner enormen Leibesfülle unter Kurzatmigkeit und komatösen Schlafanfällen litt, traktierten ihn seine Leibärzte mit langen, dünnen Nadeln, die sie in seine Speckrollen stachen, um ihm Sauerstoff zuzuführen. Auch der griechische Arzt Hippokrates plagte seine beleibten Patienten mit zweifelhaften Torturen. Er verordnete Brechkuren, ausgelöst durch einen Trank aus Ysop-Tee mit Essig und Salz.


Im 16. Jahrhundert begann Foxcrofts Forschungen zufolge ein regelrechter Boom an Diätratgebern. Vor allem die Werke geläuterter Vielfraße stießen auf reges Interesse. So hielt sich das Werk »Vom mäßigen Leben« des venezianische Kaufmannes Luigi Cornaro von 1558, der sich vom Völler zum Asketen wandelte, bis ins 20. Jahrhundert. Seine Lehre ist einfach wie freudlos: Gegessen werden sollte gerade mal so viel, wie zum Überleben notwendig ist. Er selbst soll zeitweise nur einen Eidotter pro Tag zu sich genommen haben und wurde mit dieser kargen Kost immerhin fast 100 Jahre alt.


Dieses Glück war dem englischen Dichter Lord Byron nicht beschieden, obwohl auch er zur Selbstkasteiung neigte. Beflügelt vom romantischen Ideal des ätherischen Poeten, gängelte er sich mit ausufernden Hungerkuren und Aderlässen, die ihn so schwächten, dass er 1824 mit 36 Jahren starb. Offenbar waren Schriftsteller besonders anfällig für solcherlei Kasteiungen, denn rund 100 Jahre später quälten sich Franz Kafka, Upton Sinclair und Henry James mit einer Methode namens »Fletschern« oder »Fletscherisierung«, entwickelt von dem amerikanischen Kunsthändler und selbst ernannten Ernährungsreformer Horace Fletcher. Dieser propagierte minutenlanges Kauen und strich alles vom Speisezettel, was Genuss versprach.


Das-weight-watchers-kochbuch.jpgErst vor rund 100 Jahren wurden Diäten eine weibliche Domäne, dann aber so gründlich, dass die Bemühungen der Männer um einen gertenschlanken Körper in den Jahrtausenden davor in Vergessenheit gerieten. Heute wimmelt es auf dem Schlankheitsmarkt nur so von Diäten mit den unterschiedlichsten Ansätzen: von Low Carb und Low Fat über Trennkost und die Blutgruppendiät bis zur Mayr-Kur mit trockenen Brötchen und der Rohkost-Methode.


Bei Jokers finden Sie eine Zusammenstellung von Büchern übers gesunde Essen und Kochen, die Sie nicht mit unsinnigen Hungerkuren quälen, sondern leichten Genuss versprechen.



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger



24.03.2012, 09.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Diät, Hungerkur, Hippokrates, Lord Byron, Trennkost ,

Brauchen wir noch einen Frauentag?

Pumps_by_RainerSturm_pixelio.de.jpgAm 08. März wurde der alljährliche Internationale Frauentag gefeiert. Wie viele Frauen denken wohl noch an seine Bedeutung? Die Wurzeln des Internationalen Frauentags gehen auf nordamerikanischen Sozialistinnen zurück, die im Jahre 1909 erstmals einen nationalen Frauenkampftag durchführten: Sie warben für Ideen des Sozialismus und propagierten das Frauenwahlrecht. Tatsächlich litten die Frauen im sich ausbreitenden Kapitalismus weit mehr als die Männer: Als Fabrikarbeiterinnen bekamen sie einen spärlichen Lohn bei horrenden Arbeitszeiten, und auch als Mütter erdrückten sie ihre Pflichten. Schon ein Jahr darauf wurde am 27. August 1910 von der 2. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen, zu der einhundert Delegierte aus 17 Ländern kamen, auf Initiative von Clara Zetkin die alljährliche Durchführung eines Frauentages beschlossen, der sich gegen die Ausbeutung richten sollte.


1911 fand der erste Internationale Frauentag am 19. März in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Viele Millionen von Frauen beteiligten sich. Die Wahl eines Tages im März zeigte politisch revolutionäre Geschichte: Der 18. März wurde als Gedenktag für die Gefallenen in Berlin während der Revolution 1848 begangen, und die Pariser Commune, erster Versuch einer proletarischen Revolution, fand im Zeitraum vom 18. März bis 28. Mai 1871 statt.


1921 schließlich wurde der 8. März als Internationaler Frauentag festgelegt: An diesem Tag wurden bereits von 1857 bis 1907 immer wieder in verschiedensten Ländern Demonstrationen und Streiks durchgeführt. Die zentralen Forderungen damals waren: Gegen den imperialistischen Krieg, für Arbeitsschutzgesetze, Wahl- und Stimmrecht der Frauen, gleicher Lohn bei gleicher Leistung, Achtstundentag, Mutter- und Kinderschutz sowie die Festsetzung von Mindestlöhnen.


Und spätestens wenn sich die moderne Leserin, der moderne Leser diese ursprünglichen Forderungen ansieht, läuft es ihm und ihr kalt den Rücken hinab: Sollten tatsächlich heute, fast ein Jahrhundert später, noch wichtige Forderungen unerfüllt sein? Wie sieht es heute aus mit Mindestlöhnen und gleichem Lohn für gleiche Arbeit?



Bild: © Rainer Sturm/www.pixelio.de

22.03.2012, 10.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Frauentag, Sozialistinnen, Frauenkampftag, Frauenwahlrecht, Mindestlöhne,

10 Meter gehn, is des schee

Da ist meine Nichte noch keine 14 Jahre und kennt schon fast sämtliche Casting-Shows, die über das Fernsehen flackern. Besonders favorisiert sie die diversen Model-Castings. Und, natürlich, hegt sie mit ihren Freundinnen den Wunsch, selbst einmal, gestylt als Feder-Diva oder im Tiger-Look, vor der Kamera zu stehen. Immer, wenn meine Nichte mit leuchtenden Augen erzählt, in welcher Stadt die künftigen Models ihr Laufstegtraining absolvieren, hallt mir der alte Wiesn-Hit von Chris Böttcher in den Ohren: »10 Meter geh, ja mei ist des schee, gehst nei, gehst grod aus, drahst um, gehst wieder naus...«


Model.jpgAls Mann kann ich schwer nachvollziehen, weshalb sich die Zukunftspläne vieler Mädchen um eine Karriere als Topmodel drehen. Egal: Weil man ja schenken soll, was Freude bereitet, brachte ich meiner Nichte letztens die DVD »So wirst du Topmodel« mit. Dieser Film ist praktisch ein Lehrfilm, eine Anleitung zur Vorbereitung auf das große Geschäft im Show-Bizz.


Natürlich stürzte sich meine Nichte begeistert auf die DVD. Vielleicht dachte sie, sie hätte damit praktisch den Fahrplan zum Erfolg im Laptop. Doch ziemlich kleinlaut kam sie später wieder aus ihrem Zimmer hervor. Denn dass eine Model-Karriere der VORBEREITUNG bedarf, nun, das hätte sie nicht gedacht... Vorbereitung ist Arbeit. Arbeit ist aber etwas anderes, als in Kapstadt oder New York über den Dächern der Welt im glitzernden Sonnenschein zu posieren. Arbeit ist etwas anderes, als in Couture-Kleidern Sekt zu schlürfen...


Ich habe den Eindruck, meine Nichte denkt gerade über neue Berufsbilder nach. Jüngst hat sie von Tiermedizin gesprochen. Dass eine DVD so heilsam sein kann, hätte ich nicht erwartet.


DVD "So wirst du Topmodel" bei Jokers



20.03.2012, 16.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Show-Bizz, Casting-Shows, Model-Castings, DVD ,

Flaschenpost aus Nicaragua Teil 8: Kriminelle Energie

san juan 061.jpgJetzt sind wir schon wieder an einem Strand hängengeblieben. Was soll ich sagen: El Salvador, La Libertad, Playa El Tunco, Surfen, Sonne, Hängematte. Hostel auf Holzstelzen direkt am Meer und an einem von Mangroven gesäumten Fluss.


Abends spielten Bands und die Gesamtsituation war einfach so Pinacolada-klebrig, dass wir nicht gleich weiterkamen. Doch Anat hatte sich schon gen Mexiko verabschiedet und Maxi musste dann auch seinen Heimflug in Costa Rica erwischen. Und weil bis auf zwei T-Shirts und eine Jeans all meine Sachen in good old Nicaragua geparkt waren, machten wir uns dann zu zweit auf den Rückweg. Zum Glück war ich nicht allein unterwegs, denn gefühlte 300 stickig-heiße Chickenbus-Stunden später wurde es mir zuerst schlecht und dann schwarz vor Augen. Aber der Bus war ohnehin so voll, dass Umkippen ohne Umfallen kein Widerspruch war. Die umstehenden Fahrgäste flößten mir auch postwendend von allen Seiten Wasser ein. Der Hypochonder in mir tippte spontan auf Malaria, konnte aber nach Durchsicht der Nebenwirkungen des Standby-Medikaments von einer Kreislaufschwäche überzeugt werden. Jedenfalls ging es erst mal nicht weiter.


IMG_5771.jpgUnd wie ich da so in einer Hängematte in Managua vor mich hin fieberte, drang die Geschichte eines eben mit Macheten bedrohten und ausgeraubten Gringos an mein Ohr. Genau die gleiche Geschichte hörte ich dann zwei Tage später in San Juan noch einmal. Kein Zufall, denn Nathan, zu dem die Stimme gehörte, hatte die gleiche Richtung eingeschlagen. Ihn traf ich bei Juan wieder, einem Ex-Spanisch-Lehrer von Rosa. Mit Juan hatte ich schon vor dem Chickenbus-Trip überlegt, ein Haus zu mieten. Inzwischen hatte er eines gefunden: ein ehemaliges Hostel, in das ich dann gleich mit eingezogen bin. Umso erfreulicher, da mit dem mallorquinischen Punk Jose und dem Schweizer Chaoten Jorge ein Duo Infernale unsere Hausgemeinschaft bereicherte. Allerdings nicht lang, denn Jorge ging bedauerlicherweise bei einer abendlichen „Vuelta“ verloren und tauchte erst drei Tage später in fragwürdigem Zustand und polizeilicher Begleitung wieder auf. Sein falsch geparktes Auto (mitten auf der Straße) hatte in Rivas (eine Autostunde von San Juan) einen aufmerksamen Schutzmann dazu veranlasst, nach den Papieren (kein Führerschein) zu verlangen. Tja, und dann logierte der arme Jorge zwei Nächte in den komfortablen Räumlichkeiten der hiesigen Vollzugsanstalt. Sein Auto haben sie dann im Gegenzug für die aufopfernde Gastfreundschaft behalten.


Bei einer anderen Vuelta durften wir Bekanntschaft mit Dr. Julius Hellenthal aus Günzburg machen. Er betreibt eine florierende Stammzellen-Klinik in San Juan und genießt gemeinsam mit seiner US- und EU-Klientel die gesetzlichen Freiheiten Nicaraguas. Einziger Wermutstropfen: von ursprünglich sechs Kollegen sei nur noch er am Leben – die fiese Pharmaindustrie gönne ihnen einfach den Erfolg nicht. Und der sei beträchtlich, wie man unter anderem (Intelligenz-Verdoppelung bei Kindern? Kein Problem!) an seiner hübschen und vor allem schwangeren Freundin sehen könne. Er, Hellenthal, wäre immerhin 70. Wir waren beeindruckt.


Als nächstes müssen wir für 10 Tage unser rotes, schaukelbestuhltes Haus verlassen, weil Juan es an eine Familie vermietet hat. Eine willkommene Abwechslung, denn bis auf Vueltas, Yoga im Baumhaus und ab und zu ein Buch aus der Bibliothek holen mache ich nämlich nicht besonders viel, seit ich wieder in San Juan bin. Also warum nicht mal der Karibik-Seite einen Besuch abzustatten? Bis dahin verbleibe ich mit vergnügten Grüßen,

Anja





19.03.2012, 09.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Playa El Tunco, Vuelta, Stammzellen-Klinik, San Juan ,

Flaschenpost aus dem Chickenbus Teil 7: Honduras, El Salvador...

Eine wissenschaftlich hieb- und stichfeste Feldstudie unsererseits hat ergeben: Fragt man fünf randomisiert ausgewählte Probanden nach dem Weg, ergibt sich aus der Schnittmenge aller Angaben die richtige Richtung mit einer Abweichung Pi. Dabei lautete die mit Abstand am häufigsten genannte Antwort „dos quadras y a la derecha“ (nach zwei Blöcken rechts abbiegen), weshalb sie jetzt als synonyme Phrase für „ich habe zwar absolut keine Ahnung wovon du sprichst, aber weil ich dir wirklich helfen will, probiere ich trotzdem überzeugend zu antworten“ in unseren Sprachgebrauch Eingang gefunden hat.


Auf diese Art – und bewaffnet mit einem Lonely Planet in Ibro - navigierten Anat, Maxi und ich weiter nach Norden. Von Nicaraguas wenig kosmopolitischer Kompromiss-Kapitale Managua aus (Hauptstadt wurde Managua nur deshalb, weil die ewigen Konkurrenten Granada und Leon sich nicht einigen konnten; noch dazu hat ein Erdbeben in den 1970ern jeden unikaten Charme zerstört) chickenbusten wir zur eigenartig ausgestorbenen Grenze Guasaule. Formalitäten kein Problem, einmal Honduras durchquert, an der Grenze in El Salvador den letzten Bus verpasst, mit einer französischen Familie einen Pickup zum nächsten Ort geteilt, in San Miguel die ersten Pupusas verkostet, ins Bett gefallen. Da waren wir dann 15 Stunden unterwegs.


Weil die Pupusas (gefüllte Maisfladen) so lecker waren und außerdem keiner Lust auf eine weitere Chickenbus-Tortur hatte, verbrachten wir den nächsten Tag im reizlosen San Miguel, dessen größte Attraktion wir Touristen waren. Für die Einheimischen versteht sich. Warum sich sonst keine Gringos hierher verirrt hatten, wurde uns am zwar überfüllten, jedoch von gelb schäumenden Wellen umspülten Playa Cuco klar. Nichts wie weiter!


Der Busbahnhof von San Salvador war dann auch nicht gerade ein Ort, an dem man genießerisch verweilen möchte. Zwar klebte schon in San Miguel an jeder Kneipentür eine Litanei an Waffen-Verbotsschildern, doch hier sah man ebendiese sozusagen mit „vollem Lauf“ durch die Gegend spazieren. Das wiederum versetzte unsere tapfere Zinnsoldatin Anat in derartige Begeisterungsstürme, dass sie sich in ausgeklügelter Überrumpelungstaktik den erstbesten Soldaten krallte, um über Modell, Handlichkeit und Praktikabilität seines Schießinstruments zu fachsimpeln. Nur mit Engelszungen und vereinten Kräften konnten Maxi und ich sie in den nächsten Bus bugsieren. Und der brachte uns über Guatemala-Stadt geradewegs nach Antigua.


Welch unbeschreibliche Freude ergriff uns beim Anblick des ersten sonnenbebrillten Gringos: endlich wieder Touristen! Weil - das hatten wir inzwischen gelernt - wo keine Touristen sind, da heißt es Obacht geben und ästhetische Abstriche machen. An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich diese ganzen „Wir recyceln Plastikmüll zu Schmuck oder was weiß ich“-Volunteer-Programme für einen Witz halte, solange die Straßen die einzig existierenden Mülleimer sind. Und nein, der Jutebeutel konnte hier die leidenschaftlich verwendete Plastiktüte noch nicht verdrängen. Wie dem auch sei, Antigua war jedenfalls ebenso bunt aufpoliert wie Maya-mäßig vermarktet und wartete vom Schokoladen-Herstellungskurs bis zum Guinnessbuch-Rekordversuch (Wie viele Personen passen in einen Chickenbus?) mit allen erdenklichen Vergnügungen auf.


Nach zwei Tagen hatten wir genug und unternahmen wieder einen unserer eigenen Chickenbus-Rekordversuche. Die waren nämlich trotz bleibender Schäden in den Lendenwirbeln immer ausgesprochen witzig: Erstens, weil man sich mit den Leuten, die sich über einem stapeln, so nett unterhalten kann, zweitens, weil man lautstark mit den aktuellen Sommerhits beschallt wird, drittens, weil man beim Umsteigen immer zu den besten Märkten kommt, viertens, weil es ständig neue Enchiladas und Säfte (Was ist eigentlich Tamarindo?) zu probieren gibt, fünftens weil man nirgendwo sonst plötzlich von kleinen Mädchen zu Tode gekitzelt wird, und sechstens, weil es alle möglichen Aufkleber im Stil „Powered by Jesus“ zu studieren gibt. Aus dieser Perspektive verbleibe ich mit  vorbeirauschenden Grüßen, Anja





16.03.2012, 19.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Lonely Planet, Chickenbus, Gringos, San Miguel, Managua,

Thatcher pur...

Verdientermaßen, wie ich finde, holte sich Meryl Streep den 3. Oscar ihrer Karriere. Sie spielte die Rolle der »eisernen Lady« Margaret Thatcher in dem Film »The Iron Lady«. Sowohl die Schauspielerin als auch die von ihr verwirklichte Politikerin stellen starke Frauen dar. Auch wenn man politisch nicht die konservative Richtung Thatchers teilt, muss man zugestehen, dass sie unbestreitbar eine der dominantesten Figuren auf dem politischen Parkett des vergangenen Jahrhunderts war. UK Premier-Ministerin von 1979 bis 1990 und Kopf der Konservativen Partei von 1975 bis 1990: Sie war die einzige Politikerin, die beide Positionen innehatte.


Margaret_Thatcher_1981.jpgUrsprünglich war die eindrucksvolle Persönlichkeit Chemikerin. Vielleicht braucht eine Frau die harte Schule einer naturwissenschaftlichen Fakten-Ausbildung, um im Chaos der politischen Manipulationsversuche und dem Detailreichtum der unterschiedlichen Positionen ihren Mann, oder besser: ihre Frau, stehen zu können. Siehe auch Angela Merkel.


Von der Engländerin gibt es viele knochentrockene und bissige Zitate, die auch eingedeutscht nicht ihre Prägnanz verlieren: »Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau.« Oder: »Es stört mich nicht, was meine Minister sagen, solange sie tun, was ich ihnen sage.« Favoriten unter ihren Sprüchen sind aber diese beiden: »Das Rückgrat ist bei manchen Politikern unterentwickelt vielleicht, weil es so wenig benutzt wird.« Noch weit reichender: »Geduld ist eine gute Eigenschaft. Aber nicht, wenn es um die Beseitigung von Missständen geht.«


Wir haben für alle, die sich ihre originellen und manchmal zynischen Kommentare und berühmten Sprüche im Original zu Gemüt führen möchten, ein besonderes Werk im Angebot: » The Wit and Wisdom of Margaret Thatcher And Other Tory Legends« heißt die Zitate-Sammlung, die Freunde der politischen Aussagestärke und des bissigen Humors unbedingt haben sollten.


Buch "The wit and wisdom of Margaret Thatcher" bei Jokers



Bild: Margaret Thatcher/wikimedia

16.03.2012, 10.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Margaret Thatcher, Premier-Ministerin, Zitate-Sammlung, Meryl Streep,

Der Preis der Leipziger Buchmesse 2012

Jedes Jahr wird er aufs Neue vergeben: der Preis der Leipziger Buchmesse. Die siebenköpfige Kritikerjury nominiert jeweils fünf Autoren bzw. Übersetzer in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung.


Dieses Jahr wurden 15 Autoren ausgewählt - 15 von ursprünglich 470! Darunter befindet sich auch der junge Schriftsteller


Thomas von Steinaecker :

Der 1977 in Traunstein geborene Literaturwissenschaftler lebt als Autor, Journalist und TV-Regisseur in Augsburg. Er veröffentlichte bereits die Romane Wallner beginnt zu fliegen (2007), Geister (2008) und Schutzgebiet (2009), für die er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, darunter der aspekte-Literaturpreis 2007 und der Bayerischen Kunstförderpreis 2007.


Für den Preis der Leipziger Buchmesse bewirbt er sich dieses Jahr mit seinem Roman »Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen«. Der Klappentext macht neugierig: »Brillant, packend und raffiniert erzählt Thomas von Steinaeckers großer Zeitroman von unserer Welt, in der alle Sicherheiten endgültig abhanden gekommen sind und unsere Sehnsüchte in die Irre führen. Ein schlau-präzises und gespenstisch-surreales Porträt unserer Gegenwart.«


Die Jury befand:

"Ein fesselnder Büroroman aus der Welt der Finanzdienstleister, der die seelischen Verkrüppelungen des materiell orientierten Denkens kartographiert und darüber zur Allegorie der Gegenwart wird."


Ihren Favoriten unter den fünf Nominierten der Rubrik Belletristik können Sie übrigens selbst wählen. Hör- und Leseproben gibt es unter:  http://www.preis-der-leipziger-buchmesse.de/ Wir Jokerianer aus Augsburg drücken natürlich besonders Thomas von Steinaecker die Daumen!

Die Preisverleihung findet dieses Jahr am 15. März 2012 um 16 Uhr in der Glashalle der Leipziger Messe statt.

Besuchen Sie uns auch zwischen dem 15. und 18. März an unserem Jokers-Stand E 401 in Halle 3. Wir freuen uns auf Sie!


Sie wären gern dabei, können aber leider nicht vor Ort sein? Kein Problem: Klicken Sie einfach den Livestream an!


Geschrieben von Anne Eichmann


15.03.2012, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Leipzig, Leipziger Buchmesse, Buchmesse, Preis der Leipziger Buchmesse, Thomas von Steinaecker, Comi,

Wenns im Kino richtig knallt

Manche Filme sind so explosiv, dass sie regelrecht in die Luft gehen. Das liegt jedoch nicht an ihrem Inhalt, sondern an den Stoffen, aus denen sie geschaffen sind. Als die Bilder nämlich laufen lernten, bestand das Trägermaterial der Filmstreifen aus Nitrocellulose. Dieses brisante Gemisch aus Salpeter-, Schwefelsäure und Baumwollresten reagiert empfindlich auf Hitze, Stöße und Erschütterung. In Verbindung mit einer heißen Projektionslampe kann es schon mal zu einer Explosion kommen. In der Anfangszeit des Kinos war es keine Seltenheit, dass nicht nur die Bilder liefen, sondern auch das Publikum; nämlich fluchtartig ins Freie, wenn sich wieder einmal eine Filmrolle entzündet hatte. In Paris etwa kam es 1897 während der Weltausstellung zu einem Kinobrand, der 140 Zuschauern das Leben kostete.


Im Grunde hatten die frühen Filme eine Sprengkraft wie TNT und fallen heute unter das Sprengstoffgesetz. Die historischen Streifen dürfen deswegen nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen gelagert werden. In einem Bunker bei Berlin, der zum Bundesfilmarchiv gehört, schlummern hinter dicken Stahlbetonwänden Schätze wie die Werke der Brüder Lumière und der Brüder Skladanowsky, welche unabhängig voneinander und nahezu zeitgleich 1895 den Bildern auf die Beine halfen. Auguste und Louis Lumière taten dies mit ihrem Cinematographen, Max und Emil Skladanowsky mit ihrem Bioscop. Aufgrund technischer Raffinessen setzte sich erstere Apparatur durch. Sie konnte nicht nur aufnehmen, sondern auch abspielen und auf die Leinwand projizieren. Die ersten Filmvorführungen fanden in Varietés, Gaststätten oder Zelten statt. Erst später setzten sich feste Spielstätten durch, Kintopp genannt. Zu sehen gab es kurze Sequenzen mit Alltagsszenen oder kleine Sketche. Bis zu abendfüllenden (Stumm)filmen mit einer richtigen Handlung war es noch ein weiter Weg.


Fratelli_Lumiere.jpgExperimente mit bewegten Bildern gab es schon früh. Bereits im 17. Jahrhundert faszinierten Vorführungen mit der Laterna Magica die Menschen, einer Art handbetriebenem Diaprojektor. Eine Reihe von Bildern, die auf eine Glasplatte gemalt waren, konnten damit an die Wand geworfen werden. 1872 gelangen dem Fotografen Eadweard Muybridge Serienfotografien eines galoppierenden Pferdes, die mittels eines speziell entwickelten Vorführgerätes, dem Zoopraxiskop, auf die Wand projiziert werden konnten; die vielen Einzelbilder ergaben die Illusion einer Bewegungsabfolge. Der Durchbruch in Sachen Film gelang dem Erfinder Thomas Alva Edison. Er führte 1893 nicht nur den 35mm-Filmstreifen auf Zelluloidbasis mit seitlicher Perforation ein, sondern entwickelte auch ein Aufnahme- sowie ein Abspielgerät, den Kinetographen und das Kinetoskop. Letzteres war eine Art Guckkasten, in dem man die Filme betrachten konnte. Die Brüder Lumière waren es dann, die beide Funktionen in einem Gerät zusammenbrachten und mit einer Projektionsmöglichkeit versahen: Das moderne Kino war geboren. Und seit man in den 1930er-Jahren von Nitrofilmen auf so genannte Sicherheitsfilme aus Acetat umstieg, musste man beim Kinogang nicht mehr um Leib und Leben fürchten.


Explosive Filme finden Sie auch bei Jokers aber garantiert ungefährlich für die Gesundheit:


Filme bei Jokers


Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger



Bild: Auguste Lumière und Louis Lumière/wikimedia

14.03.2012, 14.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Nitrofilme, Brüder Lumière, Brüder Skladanowsky, Thomas Alva Edison, Eadweard Muybridge,

Kochen für den Frieden

Apfelstrudel_Mike Schwarzenbeck_pixelio.de.jpgLiebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Frieden auch. Davon jedenfalls sind die InitiatorInnen des pazifistischen Koch-Events überzeugt, der kürzlich in Israel stattfand. Fünf Küchenchefs internationaler Herrscherhäuser brutzelten gemeinsam in der Hotelküche des »Herods« in Tel Aviv ein Friedensmenü. Angetreten zu dieser Art Küchendiplomatie waren die Köche aus dem Elysée-Palast und dem Kreml, dem Weißen Haus und dem Fürstentum Monaco und aus dem deutschen Kanzleramt. Ulrich Kerz, der sonst Angela Merkel mit deutscher Hausmannskost versorgt, war in den Reihen der kulinarischen Supermächte für die Nachspeise zuständig. Er schuf eine »Symphonie vom Apfel«: Apfelravioli, Apfelstrudel und Apfel-Joghurt. Der Apfel also war Deutschlands Beitrag zur Befriedung des Nahen Ostens.


Denn darum ging es: Mit der Kraft guten Essens sollte die Welt ein bisschen besser gemacht, sprich der Konflikt zwischen Israel und Palästina entschärft werden. Die Überlegung: Wer gut isst, ist friedlich, was sich auch auf die internationalen Beziehungen auswirken sollte. Für 200 Gäste wurde ein Galadinner gekocht, wobei israelische und palästinensische Köche und Köchinnen den »großen Fünf« assistierten. Neben dem deutschen Apfel-Dessert wurde u.a. Artischocken-Trüffel-Salat, Rotbarbe mit Rucola-Pesto und Borschtsch aufgetischt. Der Erlös des Friedensmahls geht an das Schimon-Peres-Friedenszentrum.


Sie müssen nicht gleich für den Weltfrieden kochen, aber ein leckeres Essen hält Leib und Seele zusammen, macht Freude und Freunde und sorgt für gute Stimmung. Stöbern Sie doch mal in unserer großen Jokers-Kochbuchrubrik.



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger



Bild: Apfelstrudel © Mike Schwarzenbeck/www.pixelio.de

13.03.2012, 10.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Frieden, Kanzleramt, Angela Merkel, Ulrich Kerz, Israel,

Zeig dich, Sonderling!

Wer denkt nicht ab und zu über berufliche Veränderungen nach? Interessante Herausforderungen, neue Kollegen, bessere Bezahlung oder einfach mehr Zeit für sich, Ruhe und Einsamkeit gar? Vor ein paar hundert Jahren hätten Sie da eine spannende Option wahrnehmen können: eine Anstellung als Schmuckeremit! Kost und Logis wären Ihnen schon mal sicher gewesen. Bescheiden versteht sich, denn Schmuckeremiten hatten im 18. und 19. Jahrhundert den Auftrag, englische Landschaftsparks zu beleben. Ihre Bleibe war also eine Erdhöhle oder eine Grotte. Auf Körperpflege war zu verzichten der Schmuckeremit sollte mit langen Haaren und Bart beeindrucken. Zu tragen hatte er ein schlichtes, wollenes Gewandt, als »Accessoires« dienten ihm lediglich eine Bibel und eine Brille, sein Alter sollte unbedingt fortgeschritten sein weltabgewandt und sonderbar, aber gelehrt sollte er erscheinen. Zu festgelegten Zeiten musste der Eremit sich zeigen, um mit seinem bloßen Anblick den Grundstückseigner und seine Gäste zu erfreuen.


Scheinbar war ein wohlgepflegter Landschaftsgarten erst perfekt, wenn ihm ein kleiner, künstlicher »Makel« zugefügt worden war also die karge Bleibe eines vermeintlichen Einsiedlers. Und nichts schien das Auge mehr zu erfreuen als ein alter, in Lumpen gekleideter Mann mit langem grauen Bart, der den Launen der Natur ausgesetzt war und keinerlei Ansprache hatte. Der eigene Reichtum lässt sich doch gleich viel mehr genießen, wenn man sieht, wie bescheiden andere Menschen hausen.


Sollten Sie noch Inspiration für Ihre Gartengestaltung benötigen hier werden Sie garantiert fündig. Nur auf professionelle Einsiedler werden Sie wohl verzichten müssen...


Buch "Inspiration Garten" bei Jokers


"Handbuch Gartengestaltung" bei Jokers


"Das Gartenbuch für alle Fälle" bei Jokers



08.03.2012, 11.18 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: | Tags: Schmuckeremit, Sonderling, Landschaftsgarten, Einsiedler, Gartengestaltung,

Flaschenpost aus Nicaragua Teil 6: Chickenbus-Tour Granada und Leon

chickenbus.jpgNach drei Wochen San Juan wurde es Zeit für einen Tapetenwechsel. Also nichts wie Rucksack aufgeschnallt und auf gen Granada (den unsäglichen Koffer hatte ich bei Rosa untergestellt). Als ich gerade das Hostel verlassen wollte, lief mir die packeselmässig-berucksackte Anat in die Arme: Sie wäre auch auf dem Sprung nach Granada.


Beruhigt von der Aussicht, mit einer militärisch bestens ausgebildeten Israelin zu reisen, die noch dazu über einen Lonely Planet verfügte, schwang ich mich in den Chickenbus nach Rivas. In den gelben US-Schulbussen finden sich selten Touristen - warum sollte ich erst später erfahren. Erstmal war es jedenfalls sehr lustig mit den Nicas wie die Hühner auf der Stange zu sitzen und sich durch die verschiedenen Leckereien zu naschen, die zusteigende Verkäufer feil boten (O-Ton Anat: »The food climbs the bus«). Im Bus hat sich Maxi aus Argentinien zu uns »Tourist faces« gesellt. Fortan strolchten wir gemeinsam durch die kolonialstiligen Gassen Granadas.


Im Hostel trafen wir noch auf Hanoch, ebenfalls aus Israel (unglaublich wie viele Israelis unterwegs sind, ist denn da überhaupt noch wer daheim? Nach ihrer Militärzeit scheinen die erstmal die Schnauze voll zu haben und jüdische Kulturzentren in Mittelamerika aufzubauen). Zu viert machten wir uns auf, den rauchenden Vulkan Masaya vor den Toren Granadas zu erklimmen. Zugegeben, es führte eine Teerstrasse hinauf, aber beim »Näschen zum Schwefel-Schnüffeln in den Krater halten« konnte es einem trotzdem ein kleines bisschen unheimlich werden. Ansonsten haben wir uns oft und gerne in den vielen, vollgestopften, krachig-lauten Märkten herumgedrückt. Hier eine Piña, dort eine Art Fetakäse und da drüben einen Jugo fresco in der nicaraguanischen Variante von »to go« (frische Fruchtsäfte aus Wassermelone, Tamarindo, Papaya... in einer Plastiktuete mit Strohhalm).


Aus unseren Errungenschaften haben wir im Hostel dann meistens was gekocht, wobei Anat jede Mahlzeit (wie im Übrigen auch sonst jedes Detail) akribisch mit ihrer Kamera dokumentierte. Das grossstädtische Nachtleben bestand dann aus spanischer Karaoke (schwülstige Herzschmerz-Songs zu trällern scheint bei Nicas in den fortgeschrittenen Semestern schwer im Kommen zu sein), Cocktails auf der Esplanade schlürfen (Vorsicht: wenn die die singende Gitarrenkombo vorbeikommt, immer schnell wegtauchen sonst bespielen die solange die gequält dreinblickende Tisch-Gesellschaft, bis sie ein Trinkgeld bekommen) und Salsa tanzen.


Nach einem wenig spektakulären Picknick-Ausflug zur Laguna de Apoyo tuckerten wir dann weiter in die älteste Universitäts-Stadt Mittelamerikas: Leon. Bei unserere Ankunft sorgte erstmal ein Südtiroler Pärchen bei Anat für Verwirrung: Die sprechen Deutsch, sind aber Italiener??? Unser Chef-Dolmetscher Maxi hatte dagegen Sprachprobleme anderer Art: Wenn er die Locals nach dem Weg oder was auch immer fragte, antworteten die entweder direkt auf Englisch oder aber lobten zumindest sein flüssiges Spanisch. Darauf Maxi: Naja, ich bin ja auch Argentinier. Antwort: Ah, und wo haben Sie so gut Spanisch gelernt?


Bis auf die besten Quesadillas der Welt (eine Art Kaesekuchen mit Reis) haben wir dann wenig von Leon selbst entdeckt. Anat machte sich auf zum Vulcano-Boarding (mit einer Art Snowboard den Vulkan runtersausen) und Maxi und ich fuhren zum Surfstrand Las Peñitas.

Die Wellen dort waren derart gewaltig, dass sie muehelos die arglos im Nichtschwimmer-Bereich planschende Badegesellschaft zurueck an den Strand schleuderten. Kurz: ein Riesenspass. In Leon haben wir dann Anat wieder aufgesammelt und es ging weiter in Richtung Norden. Aber dazu beim nächsten Mal mehr. Bis dahin verbleibe ich mit besten Vagabunden-Grüßen,


Anja



02.03.2012, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern

Ist Physik angeboren?


Wer hätte gedacht, dass wir alle geborene Physik-Profis sind? Was haben wir uns in der Schule abgemüht mit Kraft, Masse, Stärke und anderen Widrigkeiten. Von einem Geniestreich war da bei den meisten wenig zu spüren, mal abgesehen von einigen ÜberfliegerInnen.


Doch es gibt Hoffnung. Alles gar nicht so schlimm, Physik scheint quasi angeboren zu sein, wenigstens die Grundlagen. Wenn es nämlich ums Begreifen physikalischer Gesetzmäßigkeiten geht, haben Babys die Nase vorn, sozusagen von Geburt an. Eine Experimentierreihe um die US-Psychologin Kristy van Marle förderte zu Tage, dass schon kleine ErdenbürgerInnen im zarten Alter von zwei Monaten erwarten, dass Dinge zu Boden fallen, wenn man sie loslässt. Außerdem ist ihnen bewusst, dass Sachen nicht aufhören zu existieren, wenn sie versteckt werden. Mit einem knappen halben Jahr sind die »Jung-PhysikerInnen« so fit, dass sie erwarten, dass Wasser und Sand keine festen Stoffe sind. Und mit rund einem Jahr wählen sie zielsicher die größte Portion aus, wenn ihnen zwei unterschiedlich gefüllte Teller geboten werden, vorausgesetzt es schmeckt. Dieses grundlegende Wissen um Erdanziehungskraft, Größe und Substanz von Stoffen ist der Studie nach angeboren und nicht erlernt.


Alles schön und gut, doch wie sieht es mit so komplizierten Themen wie der Relativitätstheorie und Quantenphysik aus? Oder mit der Elektrodynamik und Teilchenphysik? Oder mit der mathematischen und Astrophysik? Das ist uns sicherlich nicht in die Wiege gelegt worden. Aber trotzdem schön zu wissen, dass gewisse Grundlagen schon mal da sind und wir uns immer bewusst sind, dass der Schokoriegel nicht verschwunden ist, obwohl er (unsichtbar) in der Schublade liegt...


Zum spannenden Thema Physik hier einiges an Schmökerstoff:


Buch "Geschichte der modernen Physik" bei Jokers


Buch "Physik" bei Jokers


Buch "Physik für Jedermann" bei Jokers


Buch "Spiel Physik und Spaß" bei Jokers



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger





01.03.2012, 11.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Zum Schmunzeln | Tags: Physik, Naturgesetze, Quantenphysik, Relativitätstheorie ,

Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan: Malalai Joya

Malalai_Joya_Afghan_MP.jpgIhr Leben ist vom Krieg bestimmt, vom Krieg in Afghanistan; von Hass und Gewalt, Flucht und Vertreibung. Doch sie fügt sich nicht still in ihr Schicksal, sondern begehrt auf. »Ich erhebe meine Stimme«, sagt Malalai Joya und so heißt auch ihr Buch, in dem sie ihren Kampf gegen den Krieg beschreibt.


Malalai Joya, geb. 1978 in der afghanischen Provinz Farah, ist eine faszinierende Persönlichkeit. Ich erlebte sie kürzlich während ihrer Deutschlandreise, auf der sie von ihrem Land und den Verhältnissen dort berichtet. Trotz aller Schrecknisse und Gefahren ist diese mutige Frau keineswegs verbittert oder resigniert. Vielmehr strahlt sie eine ungeheure Zuversicht aus, etwas verändern zu können in ihrer geschundenen Heimat.


Bereits als kleines Kind erfuhr Joya, was es heißt, verfolgt zu sein. Ihr Vater, ein Arzt, kämpfte gegen die sowjetischen Invasoren. Die Familie musste fliehen und lebte lange Zeit in Pakistan und im Iran. Schon als Jugendliche unterrichtete Joya dort Frauen in Flüchtlingslagern und setzte diese Arbeit nach ihrer Rückkehr nach Afghanistan fort. Sie baute ein Kranken- und Waisenhaus auf sowie eine Organisation zur Förderung und Weiterbildung von Frauen.


International bekannt wurde Malalai Joya, als sie ihre Stimme erhob gegen die unterdrückerischen, korrupten, patriarchalischen Zustände in ihrem Land. Sie forderte öffentlich die Strafverfolgung der im afghanischen Parlament sitzenden kriminellen Warlords und Drogenbarone. Dies brachte ihr Morddrohungen, Attentatsversuche und den Rauswurf aus dem Parlament ein, in das sie als jüngste Abgeordnete 2005 gewählt wurde.


Doch Joya führt ihren Kampf unerschrocken weiter. Sie kritisiert die antidemokratische Regierung Hamid Karzais, die mit den Kriegsherren gemeinsame Sache macht und prangert die fundamentalistischen Taliban an. Darüber hinaus fordert sie den Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan, die ihrer Meinung nach dem Land mehr schaden als nützen. Dieser Kampf an mehreren Fronten hat einen hohen Preis. Malalai Joya kann sich in ihrer Heimat nicht frei bewegen und lebt im Untergrund. Die USA verweigern ihr die Einreise. Für ihr Engagement wurde diese unerschrockene Frau mit unzähligen Menschenrechts- und Friedenspreisen ausgezeichnet. Sie hat UnterstützerInnen auf der ganzen Welt.


Ihr Buch »Ich erhebe meine Stimme« gibt Einblick in ihr Leben, das sie ganz in den Dienst ihrer Mission gestellt hat: Afghanistan von Krieg und Unterdrückung zu befreien.


Buch "Ich erhebe meine Stimme" von Malalai Joya bei Jokers



Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger



Bild: Malalai Joya © AfghanKabul/wikimedia.org


29.02.2012, 15.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Sachbücher | Tags: Malalai Joya, Afghanistan, Nato, Hamid Karzai, Taliban,

Flaschenpost aus Nicaragua Teil 5: Ometepe zwischen Be- und Entgeisterung

Nachdem ich die letzte Woche hauptsächlich mit Gucken und Staunen beschäftigt war, konnte ich jetzt endlich wieder die Kinnlade zuklappen. Gar Wunderliches ereignete sich auf der doppelt vulkanisierten Indio-Insel Ometepe. Kurz-Info: gelegen im Nicaragua-See, 16-mal so groß wie der Bodensee, einziger Süßwassersee der Welt, in dem Haie leben, zwei Vulkane, die der landwirtschaftlich geprägten Insel die Form einer liegenden Acht geben, bedeckt von Nebelwald samt allem, was da kreucht und fleucht.


Holly und ich hatten uns in einem hängebematteten Hostel am Seeufer eingemietet. Dessen Betreiber organisiert nebenbei ausländische Freiwillige, die den Kindern der Umgebung Englisch-Unterricht geben. So kann er viele der Kinder anschließend im Hostel beschäftigen, was angesichts ihrer teilweise fatalen Lebensumstände eine Chance ist. Überhaupt trifft man an jeder Ecke auf die unterschiedlichsten Volunteer-Projekte. Zum Beispiel logierte zur selben Zeit wie wir eine christliche High-School-Klasse in unserem Hostel, um in der Taubstummen-Schule von Ometepe zu renovieren. Taubstumme Kinder gäbe es dort angeblich recht häufig, weil Schwangeren zeitweise ein schädliches Medikament verabreicht worden sei.


Mit so einem taubstummen Jungen hatte ich eine äußerst merkwürdige Begegnung: Beim Spaziergang kam mir der vielleicht 10-Jährige entgegen - im blauen Deaf-Kids-T-Shirt mit abgebildetem Gehörlosen-Alphabet, das von der High-School gesponsert war. Mit irrem Blick machte er eindeutig sexuelle Gesten und bedeutete mir mitzukommen. Als ich mich abwandte, klammerte er sich an mich und war kaum abzuschütteln. Völlig verdattert stolperte ich weiter in Richtung Middle of Nowhere zum Hippie-Camp InanItah. Umgeben von Bananen-Plantagen lag es in friedvoller Abgeschiedenheit am Vulkanhang des Maderas. Dort traf ich Zach wieder, dem ich in San Juan schon begegnet war. Der Alaskaner steckte gerade bis zu den Ellenbogen im Keks-Teig. Sie würden hier Seminare in Yoga, Tantra und erotischer Selbstöffnung besuchen und außerdem ganz arg viel über ihre Gefühle sprechen. Neben uns zündete ein gelangweilter Kanadier einen Sylvester-Knaller. Ich hatte genug gesehen Communities sind wohl keine wirkliche Option.


Am nächsten Tag machte ich mich abermals alleine auf (Holly hing immer noch wie betäubt in der Hängematte fest), den Vulkan Mérida bis zum Wasserfall von San Ramon zu erklimmen. Es war eine wunderbar einsame und Papageien umflatterte Route durch den Nebelwald. Hier kreuzte eine Schlange den Weg, da veranstalteten Brüllaffen ihr lautstarkes Konzert. Als die Dunkelheit hereinbrach, hatte ich eigentlich immer noch eine Stunde Fußmarsch vor mir. Doch da angesichts der spartanischen Infrastruktur jeder jeden mitnimmt, durfte ich hinten auf der Enduro eines freundlichen Nicos die Straße zum Hostel hinunter holper-dipoltern. Mit der High-School-Klasse noch schnell ein Gebet gesprochen und dann zurück nach San Juan. Dort widmete man sich direkt in der ersten Nacht im neuen Hostel-Schlafsaal lautstark eher weltlichen Aktivitäten, was morgens um sechs durchaus enervierend war, aber für alle unbeteiligt aus dem Schlaf Gerissenen auch eine gewisse Komik bot. Bis zum nächsten Mal verbleibe ich mit immer amüsierteren Grüßen,


Anja


28.02.2012, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Jokers intern | Tags: Ometepe, country-regionNicaragua-See, Volunteer-Projekte, Middle of Nowhere ,

Laura Laktose:
Ist das erste Buch mit den 1600 Lebensmitteln
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Marianne:
Es tut mir noch immer so leid dass ich erst v
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Anne:
Ich habe sehr lange Zeit online Schack gespie
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Marie:
Ich bin generell begeistert von den Schüssle
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schuessler aslze:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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