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Thema:
Bulldogliebe: Leo, Traudl und der Lanz
Leo liebt Traktoren, ganz besonders die von Lanz. Davon hat er eine stattliche Sammlung in seinem liebevoll gepflegten Museum im niederbayerischen Mitterrohrbach. Und weil er die Schnauferl des legendären Mannheimer Landmaschinenherstellers gar so sehr in sein Herz geschlossen hat, heißt Leonhard Speer bei allen nur »Lanz Leo«. Weit hat er es in seinem Leben noch nicht über sein Dörfchen hinausgebracht. Meist kommt die Welt zu ihm. Denn seine einzigartige Lanz-Sammlung zieht scharenweise Technikbegeisterte und Treckerfreunde aus Nah und Fern an. Als der Lanz-Leo eine Einladung zu einem Landwirtschaftsfest in Italien erhält, zögert er nicht lange und macht sich mit seiner Traudl auf den Weg, in einem Lanz-Bulldog Baujahr 1937.
Was Leo, Traudl und der Lanz unterwegs erleben, ist sehenswert, nicht nur für Bulldog-Fans. Ein Kamera-Team des Bayerischen Rundfunks begleitete das schräge Trio auf seiner Reise vom tiefsten Bayern über die Alpen bis ins italienische Hinterland. Dort, in San Biagio, bereitete man dem Lanz Leo und seinem Tross einen begeisterten Empfang. Niemand hatte so recht daran geglaubt, dass das altertümliche Gefährt die strapaziöse Tour überstehen würde. Und auch für Leo und Traudl war der zweiwöchige Trip kein Spaziergang. Über 750 Kilometer zuckelten sie mit einer Höchstgeschwindigkeit von 23 Stundenkilometern in dem historischen Traktor mit offener Kabine, einen kleinen Wohnwagen angehängt, durch die Lande.
Obwohl Leo und Traudl nur niederbayerisch sprechen, gab es nie Probleme mit der Verständigung, schon gar nicht in Italien. Mit dem alten Lanz erregten sie überall Aufsehen und eroberten mit ihrer offenen Art die Herzen im Flug. So wurde die Suche nach Schweröl für ihr Gefährt zum spontanen Volksfest am Straßenrand. Leo und Traudl sehen zum ersten Mal das Meer, entdecken den Espresso, werden in ein Schloss eingeladen und gönnen sich in Venedig eine Gondelfahrt. Und ja, sie entdecken aufs Neue Ihre Zuneigung zueinander, denn in all den Jahren des Zusammenlebens fühlte sich Traudl aufs Abstellgleis geschoben. Bei ihrem Leo kamen zuallererst immer die Traktoren. Nun weiß er wieder, was er an ihr hat und sie an ihm!
Ein herrlich skurriles Bulldog-Roadmovie mit drei liebenswerten Charakteren: dem Leo, der Traudl und dem Lanz.
Wer den Lanz Leo besuchen mag, hier gehts lang:
Und hier gibts alle 21 Teile der legendären Italien-Reise auf DVD:
DVDs "Lanz Leo - Ein Bulldog Road Movie" bei Jokers
Noch mehr über Lanz-Bulldogs bei Jokers
Und über andere Schlepper-Legenden:
Jahrbuch Traktoren 2012 bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
16.02.2012, 09.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Warten auf den Weltuntergang
Sind Sie schon gut auf das Ende der Welt vorbereitet? Wenn wir den Prophezeiungen glauben, haben wir ja nur noch bis zum 21.12.2012 Zeit, um mit unseren irdischen Dingen abzuschließen...
Ich selber stehe solchen Apokalypse-Deutungen ja eher skeptisch gegenüber. Aber wenn man die bekannteste aller Prophezeiungen, den Maya-Kalender, zu Rate zieht, sehen wir am 21. Dezember 2012 dem Ende unserer menschlichen Zivilisation entgegen. Der Maya Kalender beschreibt unser viertes Zeitalter, das vom 11. August 3114 vor Christus bis zum 21. Dezember 2012 reicht. Der 21. Dezember 2012 ist nach dem Langzeitkalender der Maya das letzte Datum, das wir sehen. Danach werden wir in eine vollkommen neue Zivilisation übergehen, unabhängig von der gegenwärtigen. Aus dem 7. Jahrhundert existiert eine Inschrift der Maya aus dem Ort Tortuguero, die für 2012 vorhersagt, dass der Gott der Totenwelt, Bolon Yokte, herabsteigt.
Insgesamt rechneten die Maya nach drei verschiedenen Kalender-Varianten: Der Haab Kalender beinhaltet 18 Monate zu je 20 Tagen plus 5 weitere Tage (19. Monat). Eine Woche umfasst 5 Tage. Insgesamt hat das Jahr also 73 Wochen. Die Tageszahlen beginnen bei 0 und enden mit 19. Der Haab Kalender beginnt nach unserem gregorianischen Kalender am 26. Juli, dem Neujahrestag. Der Tzolkin ist eine Art Energiekalender für den Tag: Er zeigt den Zustand galaktischer Energien an, also ähnlich wie unsere astrologischen Kalender. Vier verschiedene Energien durchlaufen ihn, die sich im Detail alle 260 Tage wiederholen.
Der Langzeitzähler, der Maya Kalender, zählt bis zu 13.0.0.0.0, bei uns der 21.12.2012. Dies bedeutet jedoch eben nicht den Untergang der Menschheit, sondern den Eintritt in ein »kosmisches Vollbewusstsein«, einen spirituellen Übergang, eine neuartige Zivilisation, losgelöst von der alten.
Insofern haben wir dann doch nichts zu befürchten, oder? Aber für all diejenigen, die lieber auf Nummer Sicher gehen, haben wir ein »Handbuch zum Weltuntergang« ins Programm genommen: So kann wirklich nichts mehr schiefgehen.
15.02.2012, 16.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Von einem, der auszog, das Glück zu suchen: Gernstl unterwegs
Er ist gerne unterwegs. Und wer eine Reise tut, der kann bekanntlich etwas erzählen. Frans Xaver Gernstl erzählt Geschichten: vom Unterwegssein, von den Menschen, die er trifft, von Landschaften und allerlei Sehens- und Merkwürdigkeiten. Seit fast 30 Jahren zieht es ihn hinaus. Sein Jagdgebiet ist Deutschland, die Schweiz, Österreich und Südtirol, sein Markenzeichen ist seine Neugierde und Unaufgeregtheit, seine Waffe das Zuhörenkönnen. Stets an seiner Seite: Kameramann Hans Peter Fischer und Tontechniker Stefan Ravasz.
Im knallroten VW-Bus gondeln die Drei durch die Lande auf der Suche nach interessanten Begegnungen; »subventioniertes Rumstrolchen« nennen sie das. Die Frauen und Männer, die sie treffen, sind Menschen, die alle etwas gemeinsam haben, das sie aus der Masse hervorhebt: Sie haben eine Leidenschaft, ein Hobby, einen ungewöhnlichen Beruf, kurz irgendetwas, das sie mit Herzblut tun.
Gernstl trifft markige Originale und Weltverbesserer, Philosophen und Lebenskünstler: eine Märchenparkchefin, einen Sargbauer, eine Hutmacherin, einen Wünschelrutengänger, einen bayerisch-indischen Guru Das Gernstl-Team wird zu Knödeln und Brotzeit eingeladen, zu Fischbrötchen und Kuchen. Meistens kommen die »drei Jungs« unangemeldet und nutzen den Überraschungseffekt. So wirken die Filmsequenzen authentisch und es ist Spielraum für Improvisation.
Angefangen hat alles 1983, als sich Gernstl und seine Freunde erstmals auf die »Suche nach irgendwas« begaben. Sie waren jung, hatten Zeit und Lust auf Abenteuer. So zogen sie los und suchten »nach den besten Weibern, dem besten Bier und den besten Bratwürsten«, vielleicht auch nach dem Glück. Schöner Nebeneffekt: Es gab Geld für das Rumstrolchen. Denn der bayerische Rundfunk fand Gefallen an den außergewöhnlichen Reportagen und nahm sie ins Dritte Programm auf. Inzwischen sind die Gernstl-Geschichten Kult und haben einen großen Fanclub.
Bei Jokers finden sie die besten Gernstl-Abenteuer auf DVD:
DVD "Gernstl unterwegs" bei Jokers
DVD "Gernstls Reisen auf der Suche nach dem Glück" bei Jokers
DVD "Gernstls Deutschlandreise" bei Jokers
DVD Gernstl in den Alpen bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
24.01.2012, 09.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Was man lesen sollte: Literatur im Kanon
Gehören Sie auch zu den VielleserInnen? Zu denjenigen also, die Bücher geradezu verschlingen, sich durch dicke Wälzer fressen und einen Schinken erst weglegen können, wenn Sie beim hinteren Buchdeckel angekommen sind? Willkommen im Club: Sie befinden sich in allerbester Gesellschaft.
Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki ist schon von Berufs wegen Großkonsument von Drucksachen. Und er hat sich Gedanken gemacht, welche Romane, Gedichte und Essays man gelesen haben sollte. In seinem »Kanon der deutschen Literatur« hat er die 50 besten Werke herausgefiltert. Insgesamt fast 25.000 Seiten und alle hat er sie gelesen!
Künftige Vielleser werden meist schon in jungen Jahren auffällig: Heimliches Lesen timeMinute0Hour0nachts unter der Bettdecke im Schein der Taschenlampe ist ein sicheres Anzeichen für das »Laster«. Zu schön ist es doch, mit einem spannenden Buch Raum und Zeit zu vergessen.
Als bibliophiler Mensch sollte man über eine geräumige Wohnung mit viel Stellfläche für Bücherregale verfügen, denn hartgesottene SchmökerianerInnen trennen sich nur ungern von ihren Schätzen. Das Ende vom Lied: Es werden immer mehr Druckwerke und die belegen nicht nur etliche Raummeter Regalfläche, sondern wiegen auch eine Kleinigkeit. Es soll in den Behausungen manch chronischer BüchersammlerInnen schon Probleme mit der Statik gegeben haben...
Falls bei Ihnen der Platz knapp, die Literaturleidenschaft dafür groß ist, habe ich einen Vorschlag: die schönsten deutschen Erzählungen in der Hörbuchversion auf 40 CDs, ausgewählt und kommentiert von Marcel Reich-Ranicki!
Hörbuch "Der Hörkanon" bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
18.01.2012, 15.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL
„Little Miss Sunshine“ – Schräges Roadmovie über den schönen Schein
Eine chaotische Famile, ein alter VW-Buss und eine verrückte Idee: Das sind die »Zutaten« zu einer umwerfend komischen Familien-Komödie.
Olive Hoover (Abigail Breslin) ist ein kleines Mädchen mit einem großen Traum. Sie möchte Schönheitskönigin werden, unbedingt. Dafür tut sie alles, nervt ihre Familie, singt und tanzt unermüdlich und wird tatsächlich Siegerin bei den regionalen Ausscheidungen zur "Little Miss Sunshine" - in Albuquerque im tiefsten New Mexico. Dort geht es eher rustikal zu und so kann Olive trotz fehlender Model-Maße punkten. Ob es aber für die große Endausscheidung in Kalifornien reicht, im Land der Schönen und Reichen?
Olive, mit Babyspeck und Brille, ist von sich überzeugt. Viel mehr noch ist es ihr Großvater (Alan Arkin). Der betagte Herr, der gerne mal an Drogen nascht, ist Olives Trainer und ihr größter Fan. Die Frage, wer Olive begleiten soll zur großen Show in Los Angeles, ist rasch geklärt: Die ganze Familie macht sich auf den Weg.
Doch die Hoovers sind anders als andere Familien und so bleiben kleine Krisen und große Katastrophen auf der langen Reise nicht aus. Vater Richard (Greg Kinnear) ist erfolgloser Motivations-Guru. Opa Edwin flog aus dem Seniorenheim wegen schlechten Betragens und Drogenmissbrauchs. Bruder Dwayne (Paul Dano) hat sich ein Schweigegelübde auferlegt, bis es mit seiner Anstellung als Testpilot bei der Air Force klappt. Mit an Bord des quietschgelben VW-Busses, der seine besten Tage längst hinter sich hat, ist auch der suizidgefährdete, schwule Onkel Frank (Steve Carell). Die einzig Normale der Truppe ist Mutter Sheryl (Toni Collette), die die Kompanie zusammenhält.
Es kommt, wie es kommen muss, die Tour wird zur Tortur. Eine Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs, heimgesucht von allen möglichen Widrigkeiten, die man sich nur vorstellen kann. Zu allem Überfluss entwickelt auch der »Bulli« ein höchst desaströses Eigenleben. Er wehrt sich nach Kräften gegen die Reise und treibt die Hoovers mit seinen technischen Gebrechen in den Wahnsinn. Was kaum zu glauben ist, trifft ein. Olive erscheint halbwegs pünktlich zur Little-Miss-Sunshine-Wahl. Doch ihr Auftritt, eine leicht anzügliche Striptease-Nummer, sprengt den Wettbewerb komplett und hält letztendlich ihren zur Groteske gestylten Konkurrentinnen nebst übermotivierten Müttern und der Jury den Spiegel vor.
»Little Miss Sunshine«, das Spielfilmdebüt von Jonathan Dayton und Valerie Faris aus dem Jahr 2006, räumte bei unzähligen Film-Festivals ab und erhielt zwei Oscars! Zum Schreien komisch und zum Weinen schön und ein Highlight für Bulli-Freunde. Drehbuchautor Michael Arndt wuchs nach eigenem Bekunden mit einem VW T2 auf und setzte dem legendären Transporter ein filmisches Denkmal.
Machen Sie sich mit den Hoovers auf die Reise:
DVD "Little Miss Sunshine bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
16.01.2012, 09.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Das gefährliche Königreich
Am 3. Januar wäre er 120 Jahre alt geworden: John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3.1.1892 in Bloemfontein (Südafrika) geboren, am 2.9.1973 starb er in Bournemouth.
Zweifelsohne ist sein berühmtestes Werk »Der Herr der Ringe«. Es eroberte die Bestsellerlisten und wurde auch als Verfilmung ein Kassenschlager. Über J.R.R. Tolkiens Hauptwerk lässt sich nicht streiten. Er gilt als Wegbereiter der modernen Fantasy-Literatur, seine Phantasiewelt Mittelerde stattete er mit einer umfangreichen Mythologie und mehreren selbst erfundenen Sprachen aus. Die solide Basis für Tolkiens Geschichten bildet seine berufliche Beschäftigung mit mittelalterlicher Sprache und Literatur. Einige seiner Werke und Gedichte gründen auf mittelalterliche Vorlagen. Für den studierten Sprach- und Literaturwissenschaftler richtete die Universität Leeds im Jahre 1924 eigens eine Professur für englische Sprache ein, 1925 wurde er zum Rawlinson und Bosworth-Professor für Angelsächsisch in Oxford gewählt.
Vielleicht stutzen Sie bereits: Tolkien verfasste auch Gedichte? Ja, so ist es und alle, die den Herrn der Ringe kennen, sind auch bereits mit einigen der schönsten vertraut. Erinnern Sie sich:
Three Rings for the Elven-kings under the sky,
Seven for the Dwarf-lords in their halls of stone,
Nine for Mortal Men doomed to die,
One for the Dark Lord on his dark throne
In the Land of Mordor where the Shadows lie.
One Ring to rule them all, One Ring to find them,
One Ring to bring them all and in the darkness bind them
In the Land of Mordor where the Shadows lie.
Auf Deutsch:
Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Auch in anderen Erzählungen ist die phantastische Poesie Tolkiens deutlich spürbar. Er verfasste sogar eine Ballade, in der er von den Abenteuern Tom Bombadils erzählt!
Tolkiens Gedenken zu Ehren haben wir ein Hörspiel ins Programm aufgenommen, auf dem zahlreiche seiner Geschichten zum Schwelgen einladen: »Geschichten aus dem gefährlichen Königreich« heißt die Sammlung aus sieben CDs.
Der Schriftsteller, Journalist und Radiosprecher Gert Heidenreich liest die poetischen Gedichte aus dem Roten Buch. Er verzaubert mit eben jener Ballade von Tom Bombadils Abenteuern. Der deutsche Theater- und Filmschauspieler Ulrich Noethen entführt uns in die Welt des kleinen Hundes "Roverandom", die Geschichte von "Bauer Giles" erzählt Hans Paetsch, der als Schauspieler, Regiesseur und Synchronsprecher berühmt wurde. Achim Höppner, dessen Stimme ebenfalls aus Film, Funk und Fernsehen bekannt ist, war bereits die deutsche Synchronstimme von Gandalf im Herrn der Ringe. Im Hörbuch »Geschichten aus dem gefährlichen Königreich« liest er die magische Geschichte von einem Jungen, der den "Elbenstern" findet.
Als Sonderausgabe finden Sie dieses umfangreiche Hörspiel für weniger als Fr. 30.- bei uns im Angebot!
Hörbuch "Geschichten aus dem gefährlichen Königreich" bei Jokers
Bild: J. R. R. Tolkien/wikimedia
12.01.2012, 16.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Cyborg-Zukunft
Ach, was waren das noch für Zeiten, als Arnie Terminator über die Kinoleinwände flackerte! Erinnern Sie sich an sein besonderes »Sehvermögen«? Dieses Display im Auge, das ihm dazu verhalf, seinen Opponenten immer einen Schritt voraus zu sein, weil ihm diese Sehhilfe der besonderen Art wichtige Informationen direkt aufs Auge präsentierte? Wer hätte gedacht, dass uns dieses Sciencefiction-Szenario tatsächlich schneller als erwartet einholen würde. Allerdings ist das erste Lebewesen, dass auf derart innovative Weise zu einem »Seher« wurde, kein künftiger Politiker - sondern ein Hase.
Forscher veröffentlichten einen Bericht mit dem Titel »A single-pixel wireless contact lens display im Journal of Micromechanics and Microengineering« (http://iopscience.iop.org/0960-1317/21/12/125014). Danach haben sie erfolgreich ein knuddeliges weißes Löffeltier in einen waschechten Cyborg verwandelt. Sie entwickelten eine Kontaktlinse von zwei Zentimetern, in die als optisches Element eine LED, die auf einem 750x750 Quadratmikrometer großen, transparenten Saphir-Chip saß, integriert wurde. Die aktuell noch sehr geringe Anzahl von Pixeln, die eine Informationsübertragung maximal im Morse-Code erlaubt, könnte schon bald auf mehrere hundert Pixel erweitert werden. Die Wissenschaftler lösten das Problem der Energieversorgung der Linse dadurch, dass sie eine drahtlose Variante benutzten. Die nötige Energie fängt eine etwa 500 x 500 Quadratmikrometer große Antenne auf, als Ring um die Kontaktlinse gelegt. Mit Hilfe einer Mikrolinse wurde das Licht der LED direkt auf die Netzhaut fokussiert.
Werden in wenigen Jahren menschliche Cyborgs mit einer Daueranbindung ans Internet, ganz ohne externe Displays, sondern mit direkter Projektion der Facebook - Statusmeldungen auf die Netzhaut durch unsere Straßen gehen? In dem Werk »Automaten Roboter Cyborgs« begibt sich Randi Gunzenhäuser auf die Spur des Cyborg-Traums: Medienrevolutionen bedeuten immer auch Körperrevolutionen, ist die Grundannahme des Buchs. In ihm werden amerikanische und europäische Maschinenmenschen in verschiedenen »Aufschreibesystemen« zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert (in Büchern, Filmen und Computerspielen) untersucht. Äußerst spannend und auch erschreckend, wenn man bedenkt, was heutige Technologie schon zu leisten vermag.
Buch "Automaten - Roboter - Cyborgs" bei Jokers
21.12.2011, 14.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Schultze auf der Suche nach dem Blues und dem Glück
Ein Mann wie ein Berg: Schultze (Horst Krause) ist groß und breit, steht wie ein Fels in der Brandung. An ihm prallt die Unbill des Lebens einfach ab, könnte man meinen. Doch so einfach ist es nicht. Schultze hat das Leben arg gebeutelt: als Bergarbeiterkumpel vorzeitig in den Ruhestand versetzt, ein einsamer Wolf ohne Familie und gesund ist er auch nicht. Mit seinen Kumpels, ebenfalls Vorruheständler, stellt er die personifizierte Trostlosigkeit dar. Ein Leben im tristen anhaltinischen Ort Teutschenthal zwischen Kneipe, Schrebergarten, Angeln und dem Volksmusikverein.
Seine Liebe zur Musik ist es schließlich, die ihn ausbrechen lässt aus diesem trostlosen Dasein. Von der traditionellen Polka, die er gewöhnlich seinem Akkordeon entlockt, findet er zum Zydeco, dem wilden, ungezügelten Südstaaten-Sound aus Louisiana. Die für ihn völlig neuartige Musik lässt ihn aufbrechen, innerlich; und äußerlich, nämlich in die USA. Für einen wie ihn geradezu tollkühn, macht er sich auf eine Reise in den tiefen Süden der USA, immer auf der Suche nach »seinem« Lied, einem Zydeco-Song, den er in einer schlaflosen Nacht im Radio hörte. Sofort war er elektrisiert.
Schultze, der Mann ohne Vornamen, lernt bei seinem Trip nicht nur faszinierende Menschen und andersartige Musik kennen, er entdeckt auch Seiten an sich, von denen er nichts geahnt hatte, wenn er sich beispielsweise kurzerhand ein Boot »organisiert« und damit den Mississippi hinunterschippert. Schließlich findet er nicht nur »sein« Lied, sondern auch eine Frau und letztendlich seinen Frieden.
Weit entfernt von jeglichem Selbstfindungskitsch schildert »Schultze gets the Blues« den Auf- und Ausbruch eines Mannes aus dem Sumpf aus Langeweile, Perspektivlosigkeit und Einsamkeit. Wohltuend wortkarg siedelt Horst Krause (geb. 1941) seinen Schultze an zwischen bodenständiger Schwere und anarchischer Fröhlichkeit. Ein wunderbar langsamer, lakonischer Film unter der Regie von Michael Schorr aus dem Jahr 2003, gedreht an Originalschauplätzen in Sachsen-Anhalt, Texas und Louisiana. Geschickt mischt Schorr, der ursprünglich aus der Dokumentarfilmerei stammt, Fiktion und Realität, bezieht die Menschen aus den Regionen in Deutschland und den USA mit ein und lässt Laien neben Profis auftreten. Sein brillant-skurriles Roadmovie ist auch ein spannender Ritt durch archaische Musik-Folklore: von erdenschwerer deutscher Polka und Blasmusik über alpin-amerikanisches Jodeln und tschechischen Band-Sound bis hin zum ausgelassenen Cajun und Zydeco.
Unbedingt anschauen und mitreißen lassen!
DVD "Schultze gets the Blues" bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
Bild: Saxophon © Michael Hirschka/www.pixelio.de
16.12.2011, 15.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Großes Kino für ein kleines Dorf: »Die Scheinheiligen«
Ein winziges Nest im idyllischen Oberbayern soll eine prächtige Zukunft bekommen, wenn es nach dem Dorfchef und seinen Spießgesellen geht. Sie malen sich die Zukunft für ihr kleines Reich Daxenbrunn rosig aus: mit Grillstation samt eigenem Autobahnzubringer. Das soll Besucher in den verschlafenen Flecken locken und damit Geld bringen. Eigentlich alles ganz einfach, sollte man meinen, schließlich stecken die relevanten Entscheidungsträger unter einer Decke: der Bürgermeister, der Landrat, der Lehrer und der Pfarrer.
Doch sie haben die Rechnung ohne die Bäuerin Magdalena Trenner (Maria Singer) gemacht. Der nämlich gehört eines der Grundstücke, ohne das die kühnen Fortschrittsträume nicht zu verwirklichen sind. Magdalena ist ebenso alt wie stur. Sie denkt gar nicht daran, ihre Wiese für den Autobahngrill zu opfern und beantwortet Anfragen gerne auch mal mit dem Schießeisen.
Unerwartete Unterstützung erhält die renitente Greisin von zwei schrägen Typen: dem Asylbewerber Theophile (Michael Emina) und dem Schnitzer Johannes (Johannes Demmel). Ersterer wird kurzerhand auf Magdalenas Hof einquartiert, weil sich niemand um ihn kümmern will und der Bürgermeister somit das leidige Asylantenproblem vom Hals hat. Letzterer sucht eine Bleibe, weil er einen Auftrag im Dorf zu erledigen hat; einen heiklen Auftrag: Heiligenfälschung für den Pfarrer.
Und so schließt sich der Kreis. Irgendwie hat jeder etwas mit jedem zu tun, es laufen Intrigen und krumme Geschäfte und alle haben Dreck am Stecken bzw. eine Leiche im Keller. Im Dorf stehen sich zwei Lager gegenüber: die Fortschrittsliga um den Bürgermeister, eskortiert von zwei chaotischen Provinzpolizisten; und die bunte Truppe um die bauernschlaue Magdalena, die tatkräftige Unterstützung von den örtlichen Pfadfindern erhält. Es kommt, wie es kommen muss, schließlich zum Show-down und der geht erfreulicherweise gut aus, soviel sei verraten.
Regisseur Thomas Kronthaler ist mit seinem bitterbösen und urkomischen Werk ein cineastisches Kleinod gelungen: eine skurrile Mischung aus Heimatfilm, Komödie und Western. Mit einem Minimalbudget filmte er an Originalschauplätzen seines Heimatortes Daxenbrunn und persifliert dabei den realen Bau einer McDonalds-Filiale am Irschenberg. Herausgekommen ist eine herrlich satirische Bauernposse mit der unvergessenen Maria Singer (1914 - 2003) in einer Paraderolle als knurrige Altbäuerin, einer ihrer letzten großen Filmauftritte. Kronthalers Filmdebut aus dem Jahr 2001 diente übrigens Marcus H. Rosenmüller nach eigene Aussagen als Vorbild für seinen Erfolgsfilm »Wer früher stirbt ist länger tot«. Beide Filme finden Sie bei Jokers auf DVD zum vergnüglichen langen Kino-Abend!
DVD "Die Scheinheiligen" bei Jokers
DVD "Wer früher stirbt ist länger tot" bei Jokers
Geschrieben von Petra Anne-Marie Kollmannsberger
14.12.2011, 14.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Marcel Reich-Ranicki, Tomas Tranströmer, Nobelpreis, Literaturpreis
Zur Zeit macht sein Name wieder die Runde, obgleich schon manch einer dachte, der nun mehr 91-jährige äußere sich nicht mehr öffentlich. Dieses Mal tut sich der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki aber nicht durch bestechendes Faktenwissen und kompetente Literaturkritik hervor, sondern erstaunt sein Publikum mit seinem Kommentar zum diesjährigen Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer. Er habe nie von diesem Autor gehört, und er glaube nicht, dass er Verständnis für die Preis-Vergabe an den schwedischen Poeten habe. Laut dpa war das die erste Reaktion von Reich-Ranicki auf die Namensverkündung des Komitees.
Es ist kein Geheimnis, dass Reich-Ranicki seit Jahren den US-Autor Philip Roth als Nobelpreisträger sehen möchte: Der jüdisch-amerikanische Autor besticht in Romanen und Essays mit Gesellschaftskritik, die über plattes Wiederkäuen populärer Meinungen weit hinausführt. Insbesondere seine Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Umgang mit Außenseitern, mit Andersdenkenden, liegt Roth am Herzen. Insofern ist es verständlich, dass Reich-Ranicki ihn gerne ausgezeichnet gesehen hätte, und vielleicht ist die Äußerung Ranickis Tranströmers Ehrung gegenüber nachvollziehbarer, wenn man weiß, dass Reich-Ranickis literarischer Schwerpunkt nicht unbedingt auf Lyrik und Poesie lag.
Es lohnt sich immer noch, Marcel Reich-Ranicki zur Literatur zu befragen genau so, wie es Leser der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung jahrelang in der Rubrik »Fragen Sie Marcel Reich Ranicki« taten. In dem Band »Für alle Fragen offen« sind die verblüffendsten, polemischsten, lehrreichsten Fragen und Antworten zusammengestellt: Von »Ist die deutsche Literatur humorlos?" bis zu "Kann man nur mit klarem Kopf klare Prosa verfassen oder hilft der Rausch?" werden Sie durchdachte und bestechend überzeugende Aussagen von Marcel Reich-Ranicki finden, der auf alles eine Antwort parat zu haben scheint. Nur nicht auf die Frage, wer Tomas Tranströmer ist.
Buch "Für alle Fragen offen" bei Jokers
19.11.2011, 09.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL




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