
Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Belletristik
Kann ich Ihnen helfen?« Schaumermal...
Wer einkauft, muss eigentlich nicht viele Worte machen: »Brot her!« Sollst du haben, Bruder. Und mit »gib mich die Kirsche« erhält man in Dortmunder Sportshops einen Ball.
Bücher kaufen ist dagegen hoch kompliziert. Oft muss man sich schwierige Titel merken. Und das ist für ungeübte Buchkäufer manchmal etwas problematisch. Noch problematischer ist allerdings, diesen Kunden auch wirklich das richtige Buch zu verkaufen, wie auf boersenblatt.net zu lesen war.
Ein Kunde verlangte »Die Klaue des Hexers als Reklame-Heftchen«. Der geschulte Verkäufer gab ihm die Reclam-Ausgabe von E.T.A. Hoffmanns »Die Elixiere des Teufels«.
Oder »haben Sie Bücher über Mufflons?« Mal nachsehen? Zwecklos: »Sie wissen, die kleinen Küchlein.«
Und gibts nicht nur Fußbälle, sondern auch »Nazis in Dortmund«? Vielleicht. Gemeint war aber Hesses »Narziss und Goldmund«.
Wer so vergesslich ist, sollte sich die Titel der gewünschten Bücher lieber aufschreiben. Damit einem der genervte Buchhändler nicht alternativ den Faust aufs Auge drückt. Oder man bestellt im Versandhandel. Die Suchfunktion des Jokers Online-Shops zum Beispiel führt auch bei verworrenen Sucheingaben oft zum Ziel...
Autor: Gerald Wunder
17.04.2012, 15.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Vampire treten ab
Leseratten sind wir in meiner Familie. Allerdings gehen die Meinungen darüber auseinander, was man gelesen haben muss. Vor allem meine Nichte und ich bevorzugen verschiedene Unterhaltungslektüre. Die Nichte ist jetzt 13 Jahre alt und ich hätte es gern gesehen, wenn sie die Lieblingswerke meiner Kindheit genauso gerne verschlungen hätte wie ich. Aber weit gefehlt: Statt »Die unendliche Geschichte«, »Ronja Räubertochter« oder die sagenhaften Fantasy-Werke von Marion Zimmer Bradley wie »Die Nebel von Avalon« taucht sie, und das bereits seit Monaten, ihr Näschen in sämtliche Vampir-Romane, die der Markt hergibt.
Ich habe wirklich versucht, mich mit diesen jugendgerechten Horror-Liebesgeschichten anzufreunden, bin aber kläglich gescheitert. Ich wollte einfach nicht über die ersten drei Seiten des Vampir-Fortsetzungsromans, der gerade »hip« bei den Teenies ist, hinauskommen. Alles an dem Buch störte mich, vom Cover bis hin zu der Umgangssprache, die ab der ersten Zeile verwendet wurde: Slang mag ich nur, wenn er in Form eines jener witzigen Lexika daherkommt á la »Deutsch Jugendslang« oder ähnlich. Aber in einem Buch? Nein, danke!
Also begab ich mich pflichtbewusst auf die Suche nach geeignetem Ersatz für meine pubertierende Nichte ein Unterfangen, das gar nicht so einfach ist. Am Schluss erregte eine Trilogie vor allem deswegen meine Aufmerksamkeit, weil sie keine Trilogie ist: die vier Jugend-Romane, die aktuell vom amerikanischen Büchermarkt zu uns gekommen sind. Und man staune: Die Helden von Scott Westerfield sind keineswegs Blutsauger, sondern Jugendliche. Insbesondere die 15-jährige Tally steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie ist es, die wir in »Ugly«, »Pretty« und »Special« durch ihre außergewöhnliche Zeit, eine Zeit irgendwann in der Zukunft, begleiten, bevor in dem vierten Band »Extra« der »Trilogie« die junge Aya glaubt, die Welt retten zu müssen.
Bevor Sie Ihre jugendlichen Verwandten auf Scott Westerfield ansetzen (was in den Schulferien geschehen sollte, denn die Kids werden in ihrem neu geweckten Lesefieber keine Muse mehr für Hausaufgaben und Co. haben), gönnen Sie sich selbst diese außergewöhnlichen Jugend-Romane. Ich bin sicher, dass »Ugly«, »Pretty«, »Special« und »Extra« auch Sie in Bann ziehen. Das Schöne: Wir haben alle Werke der Serie auf Deutsch sowie einige im Original auf Englisch vorrätig!
Bücher von Scott Westerfield bei Jokers
23.12.2011, 08.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Pop-Ups - Bücher, die so richtig ins Auge springen
Meine erste große Bilderbuch-Liebe war was sonst Die kleine Raupe Nimmersatt von Eric Carle. Ein absoluter Klassiker, der auch schon zu den Favoriten meiner Tochter zählt. Dann folgte das rückblickend furchtbar naiv anmutende - Mein grosses Teddy-Buch von Helene Weilen. Mit den bunten, lieblichen Illustrationen von Anny Hoffmann im Stil der braven 50er-/60er-Jahre.
Mein erstes Pop-Up-Buch war Goldglöckchen und die drei Bären, das ich schon ziemlich aufregend fand mit seinen dreidimensionalen Zimmern und Schiebeelementen. Doch dann wurde meine kleine Bilderbuchwelt revolutioniert: Bei meiner Freundin Alice sah ich es zum ersten Mal: Jan Pienkows Pop-Up-Buch "Pension zum ewigen Frieden". DAS war ein Buch wie keines zuvor! Besser als jede Geisterbahn!
Knallbunte, dreidimensionale Wesen treiben in diesem Buch ihr gruseliges Unwesen: in der Küche räkelt sich eine Krake, im Badezimmer springt einem ein Alien ins Gesicht und im Speicher umfliegt einen eine Fledermaus. Dazu sich öffnende geheimnisvolle Schranktüren und (zum Glück) zuklappbare Klodeckel gegen weitere Schreckgespenster. Am Seitenrand kann man an kleinen Laschen ziehen und so dem Ganzen noch zusätzliches Leben einhauchen: von rollenden Augen über ein flackerndes Kaminfeuer bis zu einem Krokodil, das nach dem Besucher schnappt.
Hatten Sie als Kind auch ein Lieblingsbuch? Schreiben Sie uns (unter Kommentare)!
Geschrieben von Anne Eichmann
12.11.2011, 10.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Yoga oder von der Tragik, ein Trend zu sein
In Berlin habe ich einen Aufkleber an einer Straßenlaterne entdeckt: Fuck Yoga stand dort feinsinnig formuliert zu lesen. Diese Großstädter: Während die eine Hälfte noch Ruhe suchend - immer dem Trend hinterher - ins Yogastudio rennt, muss sie sich von der anderen Hälfte verspotten lassen. Cool ist nämlich nur der, der als erster etwas gut findet, was zwar das Potenzial zum Massentrend hat, aber eben noch keiner ist.
Und als Trend lebt sichs in Metropolen ziemlich gefährlich - und meistens kurz. Kaum ist man in die luftigen Höhen der Popularität gestiegen, machen sich hippe Kosmopoliten schon wieder lustig über einen. Klar, dass es Yoga da nicht anders ergeht.
Ich persönlich habe übrigens die Asanas gerade erst für mich entdeckt. Und seit ich von der Heuschrecke über den Hund bis zur Kobra den halben Zoo durchturnt habe, höre ich mich immer öfter Sätze sagen wie: »Das tut mir unglaublich gut.« Zugegeben: Noch stolpere ich ziemlich unbeholfen den steinigen Weg zur Erleuchtung entlang. Wenn meine dynamische, amerikanische Yoga-Lehrerin nachdrücklich verlangt, dass wir jetzt bitte alle die »Sensationen auf unserer Haut« spüren sollen, spüre ich vor allem eines: Ratlosigkeit. Auch wurde mir ihre unverhohlene Missgunst zuteil, als ich in der zweiten Stunde noch nicht alle Sanskrit-Namen der Übungen auswendig wusste. Sehr peinlich.
Im Kollegenkreis habe ich bestenfalls mitleidige Blicke ob meiner Yoga-Begeisterung geerntet. Dumm gelaufen, wenns einem trotzdem Spaß macht. Irgendwie fühle ich mich nämlich immer wie auf Droge, nachdem ich furchtbar viel geatmet und Shanti gesungen habe. So gesehen verstehe ich den Antihelden aus »Trainspotting«, der seine Drogensucht lapidar so kommentiert: »Wer braucht Gründe, wenn er Heroin hat?« In diesem Sinne: die besten Sonnengrüße!
Buch "Yoga Bitch" bei Jokers
Bild: Yoga © Jürgen Reitböck/www.pixelio.de
02.11.2011, 13.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Peterchens Mondfahrt im Apollo-Zeitalter
Für alle, die vor 1980 geboren sind, dürfte "Peterchens Mondfahrt" von Gerdt von Bassewitz ein gern gelesenes Buch in der Kindheit gewesen sein. Auch ich half heldenhaft Herrn Sumsemann, sein verlorenes Beinchen wiederzufinden... Die Uraufführung der wundersamen Geschichte fand als Theaterstück im Jahre 1912 statt. Zwischenzeitlich ist viel geschehen: Und so lassen zeitgenössische Autoren nicht mehr Maikäfer durchs All sausen, sondern orientieren sich an moderner Technologie.
Am 20. Juli 1969 setzt Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuss auf den Mond.
Und genau diese Nachrichten über Armstrongs aussergewöhnliche Reise sind der Leitfaden, an dem sich "Mondwind" von Antonio Muñoz Molina zu einem betörenden Jugendbuch entwickelt. Der spanische Autor erzählt die Geschichte eines Jugendlichen in einer Zeit, die eine neue Ära einläutet. Und das in einem Spanien, das in einer augenscheinlich nie endenden Diktatur festgefroren ist. Muñoz Molina gelingt es, die Zerbrechlichkeit von wenigen Augenblicken, die ein ganzes Leben ändern können, mit dem Verlauf eines gewöhnlichen und doch einzigartigen Lebens zu verweben. Hier geht es nicht nur um Mondlandungen und die Sehnsüchte eines Jugendlichen, es geht auch um den ersten Fernseher, den die Eltern sich anschaffen, es geht um den Trost, den Bücher bieten, und schliesslich geht es auch um das Entdecken eines Geheimnisses, das die Stadt Mágina seit dem Bürgerkrieg gefangen hielt.
"Mondwind" ist ein poetisches Märchen für Jungendliche und Erwachsene, zu Recht wird diese neueste Erzählung des mehrfach ausgezeichneten Autors als sein bisher grösstes Werk gelobt.
Bild: Mond © PETER BOHOT/www.pixelio.de
13.06.2011, 20.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Mitleid für Psychopathen?
"Ach herrje, schon wieder ein neuer Beckett-Aufguss?", dachte ich, als ich neulich im Supermarkt "Tiere" sah. Befeuert vom Erfolg seiner David-Hunter-Reihe, die im neuesten Bestseller "Verwesung" gipfelt, hatte der Rowohlt-Verlag erst kürzlich mit "Voyeur" Becketts Erstlingswerk aus dem Hut gezaubert. Wäre seine Krimi-Reihe rund um den Forensiker David Hunter nicht so erfolgreich geworden, wäre "Voyeur" wie auch "Tiere" wohl nie ans Licht deutscher Buchläden gelangt.
Doch meine anfängliche Skepsis war unbegründet. Zwar ist "Tiere" aus Sicht des einfältigen Sonderlings Nigel in einfachen Hauptsätzen geschrieben und lässt den skeptischen Leser eine ebenso vorhersagbare Handlung befürchten. Doch die Sprache des Romans täuscht. Sie trägt im weiteren Verlauf wesentlich dazu bei, dass man immer tiefer in die kranke Psyche des Protagonisten taumelt. Mehr noch. Der empathisch begabte Leser empfindet schon bald Mitleid mit Nigel, der in seinem Keller Menschen wie Tiere gefangen hält und foltert. Als der Aussenseiter Besuch bekommt von seinen beiden aufreizenden Arbeitskolleginnen, geht das Buch einen düsteren Gang, der sogar routinierte Schocker-Freunde noch überrascht und, ja, ich gebe es zu, durchaus verstört.
21.04.2011, 11.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Hoch geschwindelt
Die Liebe meiner Frau zu Büchern entflammte - sie weiss es noch genau - beim Lesen eines einzigen Satzes. Es war der erste Satz aus Thomas Manns Roman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull". Besagter Satz geht über nicht weniger als neun Zeilen, verlangt vom Leser also ein gewisses Mass an Konzentration. Aber hat man diesen nicht ganz einfachen Beginn mit Genuss auf sich wirken lassen, wird man belohnt mit einem der spritzigsten, feinsten und lesenswertesten Romane, die die deutsche Literatur zu bieten hat.
Die Geschichte des jungen, charmanten Felix Krull, der nach eigenen Angaben "aus feinbürgerlichem, wenn auch liederlichem Hause" stammt, ist einfach köstlich. Wie sich der junge Rheinländer vom Hotelpagen, der die Gunst begüterter Damen für gewisse Dienste auszunutzen weiss, zum Marquis de Venosta hinaufschwindelt, ist ein literarischer Hochgenuss und ein Schelmenroman par excellence.
Der attraktive junge Mann begibt sich nach dem Bankrott der elterlichen Sektfirma in den Sündenpfuhl der Grossstadt Frankfurt, begeht Diebstähle, gibt sich mit Prostituierten ab, ist ein Betrüger, Hochstapler, Freund der Damen und des Luxus. Seine mehr als abenteuerlichen Erlebnisse, seine Gaunereien und Galanterien schildert er in Form eines Rückblicks auf sein Leben. Und das tut er äusserst eloquent und unterhaltsam.
Felix Krull lernt die Regeln der guten Gesellschaft schnell und weiss sie geschickt für seine eigenen Zwecke zu nutzen. Er ist zweifellos ein Nichtsnutz, aber ein sehr liebenswerter. Thomas Manns unvergleichlich eleganter Stil verleiht dem Roman die ganz besondere Note. "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" ist eine wahre Freude für Literaturbegeisterte.
http://www.jokers.ch/3/15902501-2/buch/die-bekenntnisse-des-hochstaplers-felix-krull.html
13.04.2011, 08.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Du stirbst nicht
"Du stirbst nicht" das klingt ja zunächst einmal tröstlich. So, als würde alles gut. Aber als Helene Wesendahl, die Hauptperson des Romans mit dem zuversichtlichen Titel, im Krankenhaus erwacht, erscheint ihr gar nichts gut. Denn sie kann sich kaum rühren und Sprechen ist auch unmöglich. Eine fast unerträgliche Situation für die Frau, die als Psychologin und Mutter von fünf Kindern zuvor mitten im Leben stand.
Sie hatte eine Hirnblutung, wie sich langsam herausstellt. Nur langsam findet sich die Mittvierzigerin Helene wieder zurecht. Stückchen für Stückchen kehrt die Erinnerung zurück. An ihre Kinder aus zwei Beziehungen, an ihren Mann Matthes und daran, dass sie vor der Hirnblutung offensichtlich drauf und dran war, ihn zu verlassen.
Und sie erinnert sich auch an Viola. Die Transsexuelle war eine der wichtigsten Personen in Helenes Leben, eine Vertraute und Freundin. Die Erinnerung an die intensiven Begegnungen mit Viola helfen Helene, sich allmählich zurück ins Leben zu kämpfen. Sprach- und Gedächtnisverlust machen ihr allerdings schwer zu schaffen mehr als die halbseitige Lähmung, die auch kleinste Bewegungen zur Anstrengung werden lässt.
Dass all das so trocken, ironisch und trotz der Krankheitsthematik humorvoll dargestellt wird, das ist das Besondere an diesem Buch. Nicht umsonst hat "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt 2009 den Deutschen Buchpreis erhalten. Zu Recht, denn die Gothaer Autorin hat ein faszinierendes Buch über ein besonders eindringliches Thema geschrieben, das ich wirklich nur empfehlen kann!
http://www.jokers.ch/3/15784980-2/buch/du-stirbst-nicht.html
11.04.2011, 21.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Rückblick auf die 1980er
In den achtziger Jahren aufzuwachsen, das war schon etwas Besonderes. Es war das Jahrzehnt von Zauberwürfel, Neon-Stirnbändern, Poppern, Punkern und Schulterpolstern. Musikalisch wurde das Ganze untermalt von der "Neuen Deutschen Welle". Plötzlich waren sie da, die Bands und Sänger mit den kuriosen Namen wie Geier Sturzflug, Fräulein Menke, Hubert Kah, Einstürzende Neubauten, Neonbabies oder eben Extrabreit.
Diese Gruppe um den Sänger Kai Havaii spielt die Hauptrolle in dem Buch "Hart wie Marmelade". Der Untertitel sagt eigentlich alles: "Ein RocknRoll-Roman aus der Provinz". In bester Tradition von Musiker-Autoren wie etwa Rocko Schamoni der in seinem Titel "Dorfpunks" eine ähnliche Geschichte erzählt berichtet Kai Havaii vom kometenhaften Aufstieg der NDW-Kultband Extrabreit aus der westfälischen Provinz in die Höhen der Charts und auf die grössten Bühnen.
Freilich geht es nicht nur um Musik. Es geht um ein Leben wie im Rausch. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Exzesse aller Art, Verhaftungen und Entziehungskuren gehören hier genauso hin wie Comeback und grosse Liebe.
Wer den Film "Verschwende deine Jugend" mochte, der ebenfalls das Jungsein in den 80er Jahren thematisierte, wird "Hart wie Marmelade" lieben. Ein witziges und spannendes Buch für alle, die in den legendären Achtzigern selbst dabei waren. Oder für diejenigen, die wünschen dabei gewesen zu sein.
http://www.jokers.ch/3/14762433-1/buch/hart-wie-marmelade.html
19.03.2011, 19.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Gibt es ein Glücksgen?
Er bekommt Kritiken, für die andere Schriftsteller ihre Grossmutter umbringen würden. Das jedenfalls behauptet Autorin Margaret Atwood über ihren Kollegen Richard Powers. Der hat mit "Das Echo der Erinnerung" und "Der Klang der Zeit" in den letzten Jahren epochale Werke abgeliefert, die seinen Ruhm begründeten.
Der Autor stammt aus der Nähe von Chicago und ging während der Schulzeit mit seinen Eltern für fünf Jahre nach Bangkok, wo sein Vater als Lehrer arbeitete. Zurück in den USA begann er zunächst ein Physikstudium und wechselte dann zu Literaturwissenschaften. Ausserdem war er als Programmierer tätig.
Diese Stelle kündigte er nach einem Schlüsselerlebnis in einem Museum: August Sanders Fotografie "Jungbauern im Sonntagsstaat, Westerwald" beeindruckte in so sehr, dass er einen Roman darüber verfasste, der 1985 erschien und sofort einen Preis einheimste. Im gleichen Jahr zog Richard Powers für einige Jahre in die Niederlande, danach nach Cambridge. Seit 1993 ist er wieder in seiner Heimat Illinois und lehrt an der dortigen Universität. 2009 war er übrigens Gastprofessor an der Freien Universität Berlin. Und in diesem Jahr entstand auch sein Roman "Das grössere Glück". Auch hier wendet er sich das ist seine Spezialität wieder den Naturwissenschaften zu.
Hauptperson Thassadit nämlich, eine junge Algerierin, scheint das Glück gepachtet zu haben, obwohl sie die Gräuel des Bürgerkriegs in ihrer Heimat miterlebt hat. Ihr dauerhaftes Strahlen, das ihre Bekannten regelrecht verzaubert, ruft den Biotech-Unternehmer Thomas Kurton auf den Plan, der die junge Frau auf ein "Glücks-Gen" hin untersucht und sie einem riesigen Medienrummel aussetzt.
Ein hochaktuelles Thema, mit dem sich Powers kritisch auseinandersetzt. Und dazu noch mitreissend geschrieben. Wer sich für gesellschaftliche Fragen interessiert, ist bei diesem Roman definitiv gut aufgehoben. Übrigens geht das Interesse des Schriftstellers an der Gentechnik so weit, dass er sich als neunter Mensch überhaupt sein Genom aufschlüsseln liess ...
http://www.jokers.ch/3/15937867-2/buch/das-groessere-glueck.html
13.03.2011, 08.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL




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