Jokers Blog Schweiz

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Neue Werkstudentin an Bord!

Seit genau einer Woche bin ich nun als Werkstudentin bei Jokers tätig. Zeit, euch von meinen ersten Eindrücken und Erfahrungen zu berichten.

Eigentlich sollte es am 1. April losgehen. Nach eineinhalb Monaten »vorlesungsfreier Zeit«, auch Semesterferien genannt, freute ich mich nun wieder auf die Uni und auf meine neue Werkstudentenstelle bei Jokers. Nach einem Jahr Kellnern neben dem Studium wurde es Zeit für etwas Neues: Neben dem Studium etwas zu lernen und mit meiner Leidenschaft Büchern zu tun zu haben, hörte sich sehr gut an.

Mit über zwei Wochen Verspätung (der Computer ließ leider etwas auf sich warten) fing ich also am Freitag(!), 20. April 2012, an. Um 10 Uhr, zu einer sehr menschlichen Zeit, sollte ich im 7. Stock des Hochhauses, in dem sich Jokers befindet, anwesend sein. Ich war nicht wenig überrascht, dass sich dort auch gleich mein Büro befand, sprich in der »Chefetage« (und dass ich als Werkstudentin überhaupt ein eigenes Büro, inklusive Locher, Tacker, Tesafilm usw. bekam). Eingesetzt bin ich im Bereich E-Commerce. Geplant ist, dass ich zwei bis drei Mal die Woche komme, um die Abteilung Internet zu unterstützen.

Am ersten Tag wurde ich von Herrn Stöbener, der mich einweist, und der restlichen Abteilung sehr freundlich empfangen. Ich erhielt viele Infos zum Unternehmen allgemein, den Strukturen, dem Bereich Internet und dem Online-Shop. Dann kam auch schon die große Vorstellungsrunde. 7. Stock, 6. Stock, 1. Stock. Namen über Namen. Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich mir nicht alle gemerkt habe!

Am Dienstag begann dann mein zweiter Tag bei Jokers. Und prompt durfte ich auch gleich an einem 4-Stunden-Meeting der Abteilung Internet teilnehmen. Ich dachte zuvor, dass ich nur Bahnhof verstehen würde, aber dank der guten Vorbereitung von Herrn Stöbener hielten sich meine Fragen in Grenzen. Das Meeting war sehr interessant und ich habe viel über die Abteilung gelernt.

Heute ist mein dritter Tag und es soll ans Eingemachte gehen. Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet und freue mich auf meine Zeit bei Jokers. 

30.04.2012, 11.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fragen eines Lyrik-Laien

Wie beeinflusst das »Drumrum« die Wirkung eines Gedichtes? Also, da gibts ja das »normale« Gedicht, mit mehr oder weniger gelungenen Reimen, sauber untereinander geschriebenen Strophen und so weiter. Steht ein solches Werk auf einem stinknormalen, langweilig weißen A4-Blatt, so wird es doch, poetisches Talent des Dichters vorausgesetzt, seine Wirkung entfalten: Das Liebesgedicht macht meist eher glücklich, das Klagelied meist eher traurig, ums ganz einfach auszudrücken.


Wird nun die Wirkung des Liebesgedichtes verstärkt, wenn man es auf ein rotes Plüschherz schreibt? Oder anders gefragt: Was ändert sich an der Wirkung dieses Liebesgedicht es, wenns der Steinmetz dereinst vom langweiligen weißen A4-Blatt auf den Grabstein überträgt?


Es würde den Lyrik-Laien also interessieren, inwieweit die Art der optischen Darstellung eines Gedichtes ein lyrisch geschultes Gehirn bei der Aufnahme der Worte beeinflusst. Hintergrund: Nachdem die Jury des Jokers Lyrikpreises 2012 ihre Arbeit beendet hatte, konnte ich einige der eingereichten Werke lesen oder besser: auf mich wirken lassen.


Dass mit Worten Bilder gemalt wurden (nicht im übertragenen Sinn; die Worte eines Frühlingsgedichtes sind da schon mal in Form einer Blume angeordnet) war schon fast normal. Andere Gedichte erinnerten mich an die »Tag-Wolke« hier auf der Jokers-Blog-Seite (siehe rechts). Die Darstellung ist in solchen Fällen Teil des Werkes, das ist auch mir klar. Die AutorInnen haben sich ja was dabei gedacht. Nur wirds leider oft übertrieben, das Wort »Butterbrotpapier« erhält keine tiefere Bedeutung, nur weil man die Silben quer über fünf Zeilen verteilt. Ich hätte gern Mäuschen bei den Beratungen der Jokers Lyrik-Preis-Jury gespielt um zu hören, wie das erste und wie das einhundertzweiundvierzigste »Butterbrotpapier«-Gedicht bewertet wurden...



chiboso2012.jpgDie Lyrik hat übrigens längst die dritte Dimension erobert, wie auch einer der Jokers Lyrikpreis-Beiträge, eingesandt von Chiko Sebe-Opfermann, zeigt: Eine flache weiße Schachtel, darinnen, dekorativ angeordnet, sechs hauchdünne, getrocknete halbe Fruchtkern-Schalen (von der Avocado?), die einige wohl gewählte Worte umhüllen. Sehr schöne und interessante Idee, wie ich finde, die viel Raum für Interpretationen bietet. Aber sehen Sie selbst... Was meinen Sie?


25.04.2012, 15.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Jugend forscht

Chemikalien_by_Carsten_Boettcher_pixelio.de.jpgVierzehn Jahre war ich alt, als ich mit dem »Experimentierkasten Umwelt« »die da oben« zum ökologischen Umdenken zwingen wollte. Der saure Regen war damals in aller Munde. Doch der konnte mit meinen simplen Versuchen nicht nachgewiesen werden und mein Vorhaben drohte zu scheitern.


Salzsäure schien ein geeigneter Ersatz für den Regen zu sein. Aber die im Lehrbuch vorgeschlagene Messung der Konzentration mit Indikatorpapier war mir zu primitiv. Ich bevorzugte die Digital-Analyse. Das kommt aus dem Lateinischen: Digitus = der Finger. Der Klavierunterricht fand drei Wochen lang nicht statt.


Der Simulation von zu hohem Pestizid-Einsatz fiel der Garten meiner Oma, den konzentrierten Treibhausgasen in der Garage eine Mäuse-Familie zum Opfer.


Endlich handelten die da oben. Um die Versuche zu stoppen, lenkte man ganz im Geiste moderner Erziehung mein Interesse auf neue Beschäftigungsbereiche: Ich bekam mehr Taschengeld und durfte am Abend länger weg. Flora und Fauna der Umgebung waren gerettet.



Autor: Gerald Wunder


Bild: Chemikalien ©Carsten Böttcher/www.pixelio.de



16.04.2012, 13.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus Nicaragua

Teil 10: Tod und Teufel


Eigentlich hat alles ganz harmlos angefangen. Am friedlichen Playa Popoyo war das gemeinsame Frühstück mit den Papageien Rosalita und Camillo schon die größte anzunehmende Aufregung. Allerdings gab es zwei Arten von Surfern: die stillen Einzelgänger, die morgens um sechs schon die ersten Wellen erwischten und die weniger stillen, die morgens um zehn beim ersten Bier prahlten, welch sportliche Meisterleistungen sie vollbringen würden, wenn sie es denn mal aufs Brett schaffen würden. Unnötig zu erwähnen, dass sich Jorge spontan unter letzteres Volk mischte. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf.


Angeregt von der illustren Gesellschaft und einer beachtlichen Menge Alkohol beschloss Jorge, zwei Abreisende samt ihren abenteuerlich auf dem Autodach befestigten Surfbrettern ins zwei Stunden entfernte San Juan zu kutschieren. Und von dieser glänzenden Idee war ihre gleichgültige Fahrlässigkeit durch nichts abzubringen. Es wunderte auch niemanden, als Jorge am Abend nicht wieder da war. Schicksalsergeben sah Hotelbesitzer Gerado am darauffolgenden Tag in der Polizeistation von Rivas nach dem Rechten und traf Jorge tatsächlich dort an.


Die zwei Gringos hatte er anscheinend noch nach San Juan gefahren, aber auf dem Rückweg ist es dann passiert. Zusammenstoß mit einem Motorrad: ein Toter, ein Schwerverletzter. Ein Fahrerflüchtling - das war Jorge. Zwölf Jahre Gefängnis, hieß es zuerst. Eigentlich ging es mich nichts an. Und stocksauer war ich außerdem. Aber inzwischen fühlt sich jeder, den ich länger als drei Tage kenne, schon fast wie Familie an. Und wenn man ohne Kontakt zur Außenwelt im nicaraguanischen Knast sitzt (Essen gibt es nur, wenn Angehörige etwas bringen, keine Toilette, 20 Betten für 40 Personen), ist es vielleicht nicht schlecht, wenn wenigstens die Familie informiert wird. In diesem Fall war Facebook wirklich mal zu was nütze.


Um Jorges astronomisch hohe Hotel-Rechnung bezahlen zu können, musste ich bedauerlicherweise sein weitgereistes Surfboard verkaufen. Hätte ich im Bus nach Rivas sowieso nicht mitnehmen können. Dort traf ich dann Juan und Jorges Anwalt wieder. Der Anwalt versuchte bereits, mit der Familie des Unfallopfers eine Kompensationszahlung auszuhandeln, um eine gerichtliche Entscheidung zu verhindern. Das klappte auch ziemlich reibungslos. 20.000 Dollar - und Jorge war nach nur fünf Tagen rausgekauft. So einfach geht das.


Doch anstatt reumütig zu seiner völlig aufgelösten Familie in die Schweiz zurückzukehren, ist Jorge jetzt gutgelaunt nach Panama weitergereist. Nur der Gedanke an das viele Geld (und an das verkaufte Surfbrett) hat ihm ein bisschen die Stimmung verhagelt. Schließlich musste ein Zellengenosse für einen Mord nur 5.000 Dollar bezahlen. Frechheit. Weil mir zu diesem Thema nichts mehr einfällt, verbleibe ich jetzt mit sprachlosen Grüßen,


Anja

03.04.2012, 14.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus Nicaragua

Teil 9: Landpartie


Nachdem unser Haus nun anderweitig vermietet war, nutzen Juan, Jorge (eigentlich Roger, aber das kann ja keiner aussprechen) und ich die Zeit für einen Trip ins Zentrum Nicaraguas. Mit Jorges wieder gewonnenem Auto (ein Anwalt konnte es letztendlich aus den Fängen der Polizei befreien) hätten wir fast eine Kuh gerammt. Es war aber auch dunkel und nachts sind alle Kühe grau. Weil Autofahren nach Sonnenuntergang wegen fehlender Beleuchtung sowieso keine gute Idee ist, übernachteten wir in San Carlos am Rio San Juan (auf dem war übrigens seinerzeit auch Marc Twain mal unterwegs, jaja).


Bedauerlicherweise wohnte in dem »Hotel« auch ein Hahn, der schon des Nächtens seine ersten Stimmübungen zu absolvieren pflegte und weder den Mäusen im Bett noch der Moskito-Armada an Penetranz nachzustehen gedachte. Dafür gabs Fisch zum Frühstück. Dann fuhren wir weiter nach Mayasang, dem eigentlichen Ziel der Reise.


In dem kleinen Dorf verbrachte Juan die ersten fünf Lebensjahre, bis seine Familie durch den Bürgerkrieg nach Bluefields verschlagen wurde. Auf halber Strecke wollte Juan uns aber noch einen Wasserfall zeigen. Und so kam es, dass wir mitten im Dschungel in ein Polizei-Grill-Fest zu Ehren des Weltfrauentages platzten. Mit Tombola, Partyzelt und Hüpfburg sponsored by Handyanbieter Movistar. Junge Burschen sprangen beherzt Kopf voraus vom Fels ins Wasser und eine der gefeierten Damen drückte uns spontan eine Flasche des nicaraguanischen Haus-und-Hof-Rums Flor de Caña in die Hand. Na gut, warum nicht. Ironie des Schicksals: Einer der anwesenden Blauhemden unterrichtete ausgerechnet den unlängst aus dem Gefängnis entlassenen Jorge darüber, dass er sich hier absolut sicher fühlen könne, schließlich sei ja genug Polizei da. Nach dem massenhaft aufgetischten Fleisch mit Yuca (eine Wurzel, die gekocht wie Kartoffel schmeckt) haben wir uns trotzdem wieder verabschiedet, um endlich nach Mayasang zu kommen.


100_2611.JPGLaut Juan hat sich, seit er zuletzt vor 22 Jahren dort war, kaum etwas verändert. Nur die Hühner hatten inzwischen die Schotterwege wieder zurückerobert. Vor der kleinen Kneipe waren die Pferde der Cowboys geparkt. Großes Hallo bei der Ankunft, weniger wegen Juan, vielmehr wegen uns selten gesichteten Gringos. Ich wurde sofort auf ein Pferd gesetzt und bekam danach meinen ersten politischen Vortrag gegen Ortega gratis zum Bier serviert. Bisher gaben nur die schwarz-roten FSLN-Flaggen vor den oft skelettartig in der Landschaft herumstehenden Parteihäusern ein ebenso schräges wie allgegenwärtiges Bild ab. Nicht zu vergessen die pinken Wahl-Werbeaufkleber und »Daniel for President«-Graffiti an jeder Ecke. Aber im Nicaraguanischen Hinter(urwäldler)land gibt es ihn dann doch den Demokraten. Und der konnte vor lauter Begeisterung ob seines unerwartet eingetroffenen Publikums (und einer nicht unerheblichen Menge Toña) kaum an sich halten, im Fünfminuten-Takt seine Veteranen-Narben zu präsentieren.


Weil das nur ungefähr die ersten drei Mal interessant war und Juan die nächsten Tage mit Freunden und Familie in Erinnerungen schwelgen würde, verabschiedeten Jorge und ich uns bald vom Dorf-Stammtisch. Nächster Halt was für eine Überraschung! ein weiterer Surfstrand. Bis dahin verbleibe ich mit sommerfrischen Grüßen,

Anja

29.03.2012, 10.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus dem Chickenbus Teil 7: Honduras, El Salvador...

Eine wissenschaftlich hieb- und stichfeste Feldstudie unsererseits hat ergeben: Fragt man fünf randomisiert ausgewählte Probanden nach dem Weg, ergibt sich aus der Schnittmenge aller Angaben die richtige Richtung mit einer Abweichung Pi. Dabei lautete die mit Abstand am häufigsten genannte Antwort „dos quadras y a la derecha“ (nach zwei Blöcken rechts abbiegen), weshalb sie jetzt als synonyme Phrase für „ich habe zwar absolut keine Ahnung wovon du sprichst, aber weil ich dir wirklich helfen will, probiere ich trotzdem überzeugend zu antworten“ in unseren Sprachgebrauch Eingang gefunden hat.


Auf diese Art – und bewaffnet mit einem Lonely Planet in Ibro - navigierten Anat, Maxi und ich weiter nach Norden. Von Nicaraguas wenig kosmopolitischer Kompromiss-Kapitale Managua aus (Hauptstadt wurde Managua nur deshalb, weil die ewigen Konkurrenten Granada und Leon sich nicht einigen konnten; noch dazu hat ein Erdbeben in den 1970ern jeden unikaten Charme zerstört) chickenbusten wir zur eigenartig ausgestorbenen Grenze Guasaule. Formalitäten kein Problem, einmal Honduras durchquert, an der Grenze in El Salvador den letzten Bus verpasst, mit einer französischen Familie einen Pickup zum nächsten Ort geteilt, in San Miguel die ersten Pupusas verkostet, ins Bett gefallen. Da waren wir dann 15 Stunden unterwegs.


Weil die Pupusas (gefüllte Maisfladen) so lecker waren und außerdem keiner Lust auf eine weitere Chickenbus-Tortur hatte, verbrachten wir den nächsten Tag im reizlosen San Miguel, dessen größte Attraktion wir Touristen waren. Für die Einheimischen versteht sich. Warum sich sonst keine Gringos hierher verirrt hatten, wurde uns am zwar überfüllten, jedoch von gelb schäumenden Wellen umspülten Playa Cuco klar. Nichts wie weiter!


Der Busbahnhof von San Salvador war dann auch nicht gerade ein Ort, an dem man genießerisch verweilen möchte. Zwar klebte schon in San Miguel an jeder Kneipentür eine Litanei an Waffen-Verbotsschildern, doch hier sah man ebendiese sozusagen mit „vollem Lauf“ durch die Gegend spazieren. Das wiederum versetzte unsere tapfere Zinnsoldatin Anat in derartige Begeisterungsstürme, dass sie sich in ausgeklügelter Überrumpelungstaktik den erstbesten Soldaten krallte, um über Modell, Handlichkeit und Praktikabilität seines Schießinstruments zu fachsimpeln. Nur mit Engelszungen und vereinten Kräften konnten Maxi und ich sie in den nächsten Bus bugsieren. Und der brachte uns über Guatemala-Stadt geradewegs nach Antigua.


Welch unbeschreibliche Freude ergriff uns beim Anblick des ersten sonnenbebrillten Gringos: endlich wieder Touristen! Weil - das hatten wir inzwischen gelernt - wo keine Touristen sind, da heißt es Obacht geben und ästhetische Abstriche machen. An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich diese ganzen „Wir recyceln Plastikmüll zu Schmuck oder was weiß ich“-Volunteer-Programme für einen Witz halte, solange die Straßen die einzig existierenden Mülleimer sind. Und nein, der Jutebeutel konnte hier die leidenschaftlich verwendete Plastiktüte noch nicht verdrängen. Wie dem auch sei, Antigua war jedenfalls ebenso bunt aufpoliert wie Maya-mäßig vermarktet und wartete vom Schokoladen-Herstellungskurs bis zum Guinnessbuch-Rekordversuch (Wie viele Personen passen in einen Chickenbus?) mit allen erdenklichen Vergnügungen auf.


Nach zwei Tagen hatten wir genug und unternahmen wieder einen unserer eigenen Chickenbus-Rekordversuche. Die waren nämlich trotz bleibender Schäden in den Lendenwirbeln immer ausgesprochen witzig: Erstens, weil man sich mit den Leuten, die sich über einem stapeln, so nett unterhalten kann, zweitens, weil man lautstark mit den aktuellen Sommerhits beschallt wird, drittens, weil man beim Umsteigen immer zu den besten Märkten kommt, viertens, weil es ständig neue Enchiladas und Säfte (Was ist eigentlich Tamarindo?) zu probieren gibt, fünftens weil man nirgendwo sonst plötzlich von kleinen Mädchen zu Tode gekitzelt wird, und sechstens, weil es alle möglichen Aufkleber im Stil „Powered by Jesus“ zu studieren gibt. Aus dieser Perspektive verbleibe ich mit  vorbeirauschenden Grüßen, Anja





16.03.2012, 19.45 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus Nicaragua Teil 6: Chickenbus-Tour Granada und Leon

chickenbus.jpgNach drei Wochen San Juan wurde es Zeit für einen Tapetenwechsel. Also nichts wie Rucksack aufgeschnallt und auf gen Granada (den unsäglichen Koffer hatte ich bei Rosa untergestellt). Als ich gerade das Hostel verlassen wollte, lief mir die packeselmässig-berucksackte Anat in die Arme: Sie wäre auch auf dem Sprung nach Granada.


Beruhigt von der Aussicht, mit einer militärisch bestens ausgebildeten Israelin zu reisen, die noch dazu über einen Lonely Planet verfügte, schwang ich mich in den Chickenbus nach Rivas. In den gelben US-Schulbussen finden sich selten Touristen - warum sollte ich erst später erfahren. Erstmal war es jedenfalls sehr lustig mit den Nicas wie die Hühner auf der Stange zu sitzen und sich durch die verschiedenen Leckereien zu naschen, die zusteigende Verkäufer feil boten (O-Ton Anat: »The food climbs the bus«). Im Bus hat sich Maxi aus Argentinien zu uns »Tourist faces« gesellt. Fortan strolchten wir gemeinsam durch die kolonialstiligen Gassen Granadas.


Im Hostel trafen wir noch auf Hanoch, ebenfalls aus Israel (unglaublich wie viele Israelis unterwegs sind, ist denn da überhaupt noch wer daheim? Nach ihrer Militärzeit scheinen die erstmal die Schnauze voll zu haben und jüdische Kulturzentren in Mittelamerika aufzubauen). Zu viert machten wir uns auf, den rauchenden Vulkan Masaya vor den Toren Granadas zu erklimmen. Zugegeben, es führte eine Teerstrasse hinauf, aber beim »Näschen zum Schwefel-Schnüffeln in den Krater halten« konnte es einem trotzdem ein kleines bisschen unheimlich werden. Ansonsten haben wir uns oft und gerne in den vielen, vollgestopften, krachig-lauten Märkten herumgedrückt. Hier eine Piña, dort eine Art Fetakäse und da drüben einen Jugo fresco in der nicaraguanischen Variante von »to go« (frische Fruchtsäfte aus Wassermelone, Tamarindo, Papaya... in einer Plastiktuete mit Strohhalm).


Aus unseren Errungenschaften haben wir im Hostel dann meistens was gekocht, wobei Anat jede Mahlzeit (wie im Übrigen auch sonst jedes Detail) akribisch mit ihrer Kamera dokumentierte. Das grossstädtische Nachtleben bestand dann aus spanischer Karaoke (schwülstige Herzschmerz-Songs zu trällern scheint bei Nicas in den fortgeschrittenen Semestern schwer im Kommen zu sein), Cocktails auf der Esplanade schlürfen (Vorsicht: wenn die die singende Gitarrenkombo vorbeikommt, immer schnell wegtauchen sonst bespielen die solange die gequält dreinblickende Tisch-Gesellschaft, bis sie ein Trinkgeld bekommen) und Salsa tanzen.


Nach einem wenig spektakulären Picknick-Ausflug zur Laguna de Apoyo tuckerten wir dann weiter in die älteste Universitäts-Stadt Mittelamerikas: Leon. Bei unserere Ankunft sorgte erstmal ein Südtiroler Pärchen bei Anat für Verwirrung: Die sprechen Deutsch, sind aber Italiener??? Unser Chef-Dolmetscher Maxi hatte dagegen Sprachprobleme anderer Art: Wenn er die Locals nach dem Weg oder was auch immer fragte, antworteten die entweder direkt auf Englisch oder aber lobten zumindest sein flüssiges Spanisch. Darauf Maxi: Naja, ich bin ja auch Argentinier. Antwort: Ah, und wo haben Sie so gut Spanisch gelernt?


Bis auf die besten Quesadillas der Welt (eine Art Kaesekuchen mit Reis) haben wir dann wenig von Leon selbst entdeckt. Anat machte sich auf zum Vulcano-Boarding (mit einer Art Snowboard den Vulkan runtersausen) und Maxi und ich fuhren zum Surfstrand Las Peñitas.

Die Wellen dort waren derart gewaltig, dass sie muehelos die arglos im Nichtschwimmer-Bereich planschende Badegesellschaft zurueck an den Strand schleuderten. Kurz: ein Riesenspass. In Leon haben wir dann Anat wieder aufgesammelt und es ging weiter in Richtung Norden. Aber dazu beim nächsten Mal mehr. Bis dahin verbleibe ich mit besten Vagabunden-Grüßen,


Anja



02.03.2012, 09.20 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus Nicaragua Teil 5: Ometepe zwischen Be- und Entgeisterung

Nachdem ich die letzte Woche hauptsächlich mit Gucken und Staunen beschäftigt war, konnte ich jetzt endlich wieder die Kinnlade zuklappen. Gar Wunderliches ereignete sich auf der doppelt vulkanisierten Indio-Insel Ometepe. Kurz-Info: gelegen im Nicaragua-See, 16-mal so groß wie der Bodensee, einziger Süßwassersee der Welt, in dem Haie leben, zwei Vulkane, die der landwirtschaftlich geprägten Insel die Form einer liegenden Acht geben, bedeckt von Nebelwald samt allem, was da kreucht und fleucht.


Holly und ich hatten uns in einem hängebematteten Hostel am Seeufer eingemietet. Dessen Betreiber organisiert nebenbei ausländische Freiwillige, die den Kindern der Umgebung Englisch-Unterricht geben. So kann er viele der Kinder anschließend im Hostel beschäftigen, was angesichts ihrer teilweise fatalen Lebensumstände eine Chance ist. Überhaupt trifft man an jeder Ecke auf die unterschiedlichsten Volunteer-Projekte. Zum Beispiel logierte zur selben Zeit wie wir eine christliche High-School-Klasse in unserem Hostel, um in der Taubstummen-Schule von Ometepe zu renovieren. Taubstumme Kinder gäbe es dort angeblich recht häufig, weil Schwangeren zeitweise ein schädliches Medikament verabreicht worden sei.


Mit so einem taubstummen Jungen hatte ich eine äußerst merkwürdige Begegnung: Beim Spaziergang kam mir der vielleicht 10-Jährige entgegen - im blauen Deaf-Kids-T-Shirt mit abgebildetem Gehörlosen-Alphabet, das von der High-School gesponsert war. Mit irrem Blick machte er eindeutig sexuelle Gesten und bedeutete mir mitzukommen. Als ich mich abwandte, klammerte er sich an mich und war kaum abzuschütteln. Völlig verdattert stolperte ich weiter in Richtung Middle of Nowhere zum Hippie-Camp InanItah. Umgeben von Bananen-Plantagen lag es in friedvoller Abgeschiedenheit am Vulkanhang des Maderas. Dort traf ich Zach wieder, dem ich in San Juan schon begegnet war. Der Alaskaner steckte gerade bis zu den Ellenbogen im Keks-Teig. Sie würden hier Seminare in Yoga, Tantra und erotischer Selbstöffnung besuchen und außerdem ganz arg viel über ihre Gefühle sprechen. Neben uns zündete ein gelangweilter Kanadier einen Sylvester-Knaller. Ich hatte genug gesehen Communities sind wohl keine wirkliche Option.


Am nächsten Tag machte ich mich abermals alleine auf (Holly hing immer noch wie betäubt in der Hängematte fest), den Vulkan Mérida bis zum Wasserfall von San Ramon zu erklimmen. Es war eine wunderbar einsame und Papageien umflatterte Route durch den Nebelwald. Hier kreuzte eine Schlange den Weg, da veranstalteten Brüllaffen ihr lautstarkes Konzert. Als die Dunkelheit hereinbrach, hatte ich eigentlich immer noch eine Stunde Fußmarsch vor mir. Doch da angesichts der spartanischen Infrastruktur jeder jeden mitnimmt, durfte ich hinten auf der Enduro eines freundlichen Nicos die Straße zum Hostel hinunter holper-dipoltern. Mit der High-School-Klasse noch schnell ein Gebet gesprochen und dann zurück nach San Juan. Dort widmete man sich direkt in der ersten Nacht im neuen Hostel-Schlafsaal lautstark eher weltlichen Aktivitäten, was morgens um sechs durchaus enervierend war, aber für alle unbeteiligt aus dem Schlaf Gerissenen auch eine gewisse Komik bot. Bis zum nächsten Mal verbleibe ich mit immer amüsierteren Grüßen,


Anja


28.02.2012, 09.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus Nicaragua Teil 4: Doppelleben

470940_original_R_K_by_Sybille und Kurt Mader_pixelio.de.jpgAuf dem äußersten Klippenrand des Stadtstrandes von San Juan del Sur thront eine riesige Jesus-Statue und wacht über die Bucht und ihre Bewohner. Sie scheint ihre Sache ziemlich gut zu machen. Denn diese Woche habe ich großartige Menschen aus zwei Welten kennengelernt.


Da ist zum einen Rosa mitsamt ihrer nicaraguanischen Familie, bei der ich in sehr schlichten Verhältnissen wohne (und das obwohl alle studiert haben und Rosa die Präsidentin des örtlichen Tourismusverbandes ist): kein Kühlschrank (deshalb gibt es zum Beispiel auch keine Milchprodukte), Wäsche wird mit der Hand gewaschen (ja Mama, stell dir vor, hab ich auch schon gemacht), ständig Stromausfälle, es gibt kaum Gemüse und Salat, weil es die Ernte verregnet hat und Importe unerschwinglich sind. Gegessen, gekocht, gewaschen und gelernt wird im Eingangsbereich. Dafür ist die Atmosphäre unvergleichlich herzlich. Rosas Tochter Junieta, die in meinem Alter ist, gibt mir jeden Tag vier Stunden Einzel-Unterricht, was immer sehr lustig ist, weil wir uns einfach über alles Mögliche unterhalten. Da sie gerade Englisch lernt, sind wir auch ein gutes Tandem.


Ja und dann habe ich mich noch in die hedonistische Backpacker-Parallelwelt gestürzt: Reggae-Konzert hier, Open-Mic-Abend da, Jamsessions, Wellenreiten und sogar ein Capoera-Workshop. Nebenbei führt man die immer gleichen Gespräche mit der ständig fluktuierenden Belegschaft der unzähligen Hostels: Wo kommst du her, wo gehst du hin, wie heißt du nochmal, ich habs schon wieder vergessen. Hin und wieder sind sehr witzige Persönchen dabei.


Allen voran die bezaubernde Holly aus Brighton, die mit ihrer entzückend englischen Art in diesem rustikalen Haufen völlig deplatziert wirkt. Von ihr kam völlig unerwartet der Vorschlag, wir könnten doch eine Zeit lang in der legendären Community Pacha Mama in Costa Rica verweilen. Also wenn schon Trommelkreis, dann mit Holly! Erst einmal beteiligt sie sich aber an einem sozialen Kunstprojekt mit Kindern. Oder sie recycelt PET-Flaschen zu Lichtquellen für die Slums, da ist sie gerade noch unentschieden.


Dann gibt es noch meinen Sprachschul-»Bruder« Richard, der aus einem kanadischen Indianer-Reservat kommt. Er hat schon einige Monate den Rucksack auf dem Buckel und liest am Open-Mic-Abend gerne mal seine Gedichte vor. Die Maskenbildnerin Ester aus München bevorzugt dagegen eher actiongeladene Vergnügungen wie Canopy-Touren (in 20 Metern Höhe schwingt man sich an Stahlseilen durch den Urwald). Und die Schweizer Standesbeamtin Nadine teilt sich am liebsten die besonnte und wellenberauschte Strand-Idylle mit ein paar schneidigen Volleyballern.


Für welche der vielen Möglichkeiten ich mich nächste Woche entscheide, steht schon fest: Im Nicaragua-See wartet eine Insel mit zwei Bergen, äh, Vulkanen auf mich. Bis dahin verbleibe ich mit zwiespältigen Grüßen,


Anja


Bild: Vulkan in Nicaragua © Sybille und Kurt Mader/www.pixelio.de

14.02.2012, 15.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Flaschenpost aus Costa Rica Teil 3: Gringo Trail

Genauso verwirbelt wie sie begonnen hat, ging die letzte Woche auch weiter. Nachdem ich eines Daches über dem Kopf beraubt war, konnte ich fürs erste bei Horst am steinigen Fluss (Rio Piedras) unterkommen. Der tiefenentspannte Wiener kultiviert neben seiner Leidenschaft zum Surfen auch einen nicht minder ausgeprägten Hang zum Cuba Libre. Ersteres fiel allerdings aufgrund mehrerer Zerstörungen an der Ausrüstung vorerst ins Wasser. Und so begab es sich, dass ich die phänomenale Möglichkeit erhielt, die Arenal-Gegend Richtung Sonne zu verlassen.


418027_original_R_K_by_Kuestenfreund_pixelio.de.jpgIm Jeep »bretterten« wir (für 110 km braucht man gut drei Stunden) über die Panamericana in Richtung Pazifikküste, wo Horst die schwer erhältlichen Ersatzteile zu erwerben gedachte. Dort bin ich an einem ausschließlich von einer Hand voll Surfer bevölkerten Strand in den Genuss einer ersten und letzten Kite-Surfing-Stunde gekommen. Sieht eigentlich ganz einfach aus: bisschen Drachen steigen lassen und sich dann wie auf dem Snowboard hinterher ziehen lassen. Doch unterdes ich ein paar harmlose Trocken-Flugübungen auf festem Boden unternahm, erfasste mich eine hinterhältige Windböe mitsamt des keineswegs schmächtigen, aber zu seinem Unglück an mir befestigten Surflehrers, und schleifte uns quer über den Strand. Ende der Veranstaltung. Von da an hatte ich die Nase gestrichen voll vom Tico-Wind.


Nachdem ich sowieso nichts Besseres zu tun hatte und mein Spanisch noch keine wirklichen Gespräche zulässt, meldete ich mich in einer Sprachschule an - aus Interesse und Kostengründen in Nicaragua. Kaum hatte ich (nach zweistündiger Wartezeit in sengender Mittagshitze) meinen unverhältnismäßig großen Koffer über die staubig-steinige Grenze von Peñas Blancas gezerrt, saß ich in einem ausrangierten,gelben US-Schulbus nach San Juan del Sur. Willkommene Erfrischung bot eine der überall am Straßenrand erhältlichen Pipas frias gekühlte Kokosnüsse, aus denen man mit einem Strohhalm die Milch schlürft. Wie ich später erfuhr, befand ich mich schon mitten auf dem Gringo Trail, also der von Backpackern übervölkerten Route durch Zentralamerika.


Dementsprechend ist San Juan ein Badeort, bestehend aus Hostels, Bars und Cafes sowie diversen Surf-, Sprach- und Yoga-Schulen. Dort empfing mich Rosa Silva aufs Herzlichste. Die Sprachschul-Besitzerin, deren Hund ihr an Leibesfülle in nichts nachsteht, sorgt seitdem wie eine Mama für mich. Mit den einzigen zwei anderen Sprachschülern (den Kanadiern Richard und David) und Rosas Familie wohne ich jetzt unter einem Wellblechdach. Zu essen gibt es morgens, mittags und abends Gallo Pinto (Reis mit Bohnen), was je nach Tageszeit und Verfügbarkeit mal mit Ei, Fleisch, Fisch, Avocado, selten mit Käse, aber immer mit frittierten Bananen variiert werden kann. Unnötig zu sagen, wer die Reste bekommt (der vermutlich einzige dicke Hund in ganz Südamerika). Und der verlangt jetzt nach seinem Recht. Rosa ruft zu Tisch und ich verbleibe mit zuversichtlichen Grüßen.


Bild: Kitesurfer © Küstenfreund/www.pixelio.de

08.02.2012, 10.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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Laura Laktose:
Ist das erste Buch mit den 1600 Lebensmitteln
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Marianne:
Es tut mir noch immer so leid dass ich erst v
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Anne:
Ich habe sehr lange Zeit online Schack gespie
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Ich bin generell begeistert von den Schüssle
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Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
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