Jokers Blog Schweiz

Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Kulturgeschichte

Ein wenig Osterbrauchtum

Der Brauch ist allerliebst aber er wirft auch viele Rätsel auf: Weshalb ist es Tradition, zur Osterzeit Eier bunt zu bemalen? Und weshalb bringt diese kleinen Kunstwerke gerade ein Hase? Ein kurzer Blick in die Geschichte mag helfen: Die alten Germanen verehrten unter anderem die Göttin Ostara: Sie war eine überaus mächtige Fruchtbarkeitsgöttin, ihr war der Hase als Symbol zugeordnet, denn der Hase ist eines der Tiere, die sehr bald im Frühling Nachwuchs gebären. Insbesondere in kargen Zeiten der Not und des Hungers waren diese Junghasen ein erstes Zeichen, dass das Elend bald zu Ende geht. Ähnlich war es bei den Hennen: In Hungerszeiten, wenn auch das Vieh nichts zu fressen hatte, legten Hühner keine Eier. Wenn also die ersten Eier gefunden wurden, galt auch dies als Ende der Not. Eier und Hasen entwickelten sich damit zum Zeichen des Neubeginns, des Wohlstandes, der besseren Zeiten und wann hatte man die dringender nötig als nach einem langen, harten Winter?


Osterei.jpgWarum unsere Ostereier aber bunt sind, erzählen andere Geschichten: Früher war es oft üblich, dass Bauern ein Zehntel ihrer Ernte an Steuern oder als Pacht abzugeben hatten, so auch Eier. Doch wie jeder weiss, sind rohe Eier nicht lange haltbar: So kam angeblich eine Landwirtin auf die Idee, die Eier, die abzugeben waren, abzukochen, um sie haltbarer zu machen. Um nun die rohen von den gekochten Eiern unterscheiden zu können, legte sie Zwiebel- oder Rote Beete-Schalen mit ins kochende Wasser: So entstanden die Ostereierfarben.


Ostern als kirchliches Fest gründet, wie viele andere religiöse Feiern auch, auf alten heidnischen Bräuchen. Im Mittelhochdeutschen bedeutete Ostern "Urständ", Auferstehung und genau diese Auferstehung feiern alle Christen rund um die Welt an Ostern. Seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders wird das christliche Osterfest am 1. Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert, die christliche Osterzeit dauert 50 Tage bis Pfingsten.



Bild: © Bettina Stolze/PIXELIO


12.04.2011, 10.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Einer der ganz Grossen

Vor 30 Jahren verlor die Welt einen der grössten Musiker des 20. Jahrhunderts: Im Dezember 1980 wurde John Lennon vor dem Dakota Building in New York von Marc David Chapman erschossen. Ein Datum, das ich in meiner Jugend jährlich zu meinem höchstpersönlichen Trauertag ernannte. So heiss glühte meine Leidenschaft für die Beatles, insbesondere für John Lennon, dass ich mich noch heute auf jede Veröffentlichung über die Ausnahmemusiker stürze: vom Standardwerk über die Beatles von Hans Rombeck, Wolfgang Neumann und Rainer Moers über das „Beatles-Songbook“ mit den legendären Illustrationen von Alan Aldridge und „The Lives of John Lennon“ von Albert Goldman bis hin zur „Beatles Anthology“, die ab 1995 das Werk der Pilzköpfe wieder ins öffentliche Bewusstsein rückte … Ich will alles, was je über John Lennon geschrieben wurde, lesen.

 

Mit Yoko Ono werde ich mich wohl nie aussöhnen. Denn wie es sich für einen Vollblut-Fan gehört, gebe ich ihr natürlich die Hauptschuld am Zerbrechen der Band 1969. Doch ich bin auch nicht so fanatisch, dass ich Lennons Mörder, Marc David Chapman, nach 28 Jahren Gefängnis nicht frei sprechen würde. Dennoch ertappe ich mich immer dabei, wie ich Nach-1980-Geborene nicht ernst nehmen will, wenn sie über Popmusik räsonieren. Insbesondere Musiker, die zu einer Zeit geboren wurden, in der John Lennon nicht mehr lebte, hatten bislang einen schweren Stand bei mir. Vielleicht sollte sich das jetzt nach 30 Jahren doch mal langsam bei mir ändern …


Die Beatles bei Jokers

 

25.12.2010, 11.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Das offene Denkmal

Liebe Leser, vielleicht geht es Ihnen wie mir, wenn Sie den Begriff "Offenes Denkmal" das erste Mal hören und Sie fragen sich, was das denn bitte schön sein soll. Nein, wir bewegen uns nicht in der Jugendsprache, auch, wenn die Suche nach dem Jugendwort des Jahres 2010 im Moment das Medien-Sommerloch füllt (bis zum 31.10. kann noch online abgestimmt werden, ob "Arschfax", "Schnitzelhusten" oder vielleicht doch lieber "Loha" das Rennen macht). Dennoch hat das "Offene Denkmal", dem ein ganzer Tag gewidmet ist (der zweite Sonntag im September nämlich, also heuer der 12.), natürlich mit Kultur zu tun: Seit einigen Jahren richtet die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals aus. Vor allem aber setzt sie sich für die Rettung und Bewahrung des kulturellen Erbes ein.

Am 12.09. sind zahlreiche historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, für Architektur- und Geschichtsliebhaber für ihre Streifzüge in die Vergangenheit geöffnet, frei nach dem Motto "Geschichte zum Anfassen". 

Es wird viel geboten: In fachkundigen Führungen berichten Denkmalpfleger an konkreten Beispielen über die Aufgaben und Tätigkeiten der Denkmalpflege. Archäologen, Restauratoren und Handwerker demonstrieren Arbeitsweisen und Techniken..

2006 wurde die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit der Aktion Tag des offenen Denkmals als "Ort des Tages" der Kampagne Deutschland - Land der Ideen ausgezeichnet. 

Hier finden Sie einen Überblick über die Entwicklung des "Tag des Offenen Denkmal":

1984
Jack Lang ruft in Frankreich die "Journées Portes ouvertes monuments historiques" ins Leben. Aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung folgen in den nächsten Jahren weitere Länder dem Beispiel.

1991
Der Europarat greift die Idee auf und ruft offiziell die European Heritage Days aus.

1993
In Deutschland öffnen am 1. bundesweiten Tag des offenen Denkmals 1.200 Kommunen 3.500 Denkmale, 2 Millionen Besucher werden bundesweit gezählt. In 21 europäischen Ländern sind es insgesamt 10 Millionen Besucher.

1996
1.600 Kommunen öffnen rund 5.000 Denkmale in Deutschland, bei bundesweit 3 Millionen Besuchern. 40 Länder öffnen europaweit 30.000 Kulturdenkmale, 15 Millionen Besucher sind dabei.

1999
2.100 Kommunen nehmen mit bundesweit über 5.500 Denkmalen teil, 3,2 Millionen Besucher werden gezählt. 46 Länder öffnen europaweit 30.000 Denkmale. Die Zahl steigt auf 19,4 Millionen Besucher.

2003
Alle 48 europäischen Länder beteiligen sich an den European Heritage Days. In Deutschland nehmen über 2.500 Kommunen mit rund 6.700 Denkmalen teil. Es werden bundesweit 4 Millionen Besucher gezählt.

2005
Der Denkmaltag ist weiter auf Rekordkurs: Über 7.000 geöffnete Objekte ziehen landauf landab rund 4,4 Millionen Menschen an. Kulturstaatsministerin Christina Weiss spricht zur Bundeseröffnung in Dresden.

2006
Am 10. September sind 4,5 Millionen Kulturinteressierte bundesweit unterwegs, um in mehr als 2.500 Städten und Gemeinden über 7.000 Denkmale aller Art zu besuchen. Allein in der Eröffnungsstadt Berlin werden 65.000 Besucher gezählt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wurde für ihr Engagement für den Tag des offenen Denkmals als "Ort des Tages" der Kampagne Deutschland - Land der Ideen gewählt.

2007
Zum 15. Tag des offenen Denkmals sind am 9. September in rund 3.450 Städten und Gemeinden mehr als 10.000 Denkmale geöffnet. Sie werden von 5,5 Millionen Kulturinteressierten besucht. Bundesbauminister Tiefensee eröffnet den Tag in Regensburg.

2008
Das Thema "Archäologie und Bauforschung" lockt am 14.9. 4,5 Millionen Besucher in rund 7.500 geöffnete Kulturdenkmale in ganz Deutschland. Eröffnet wird der Tag bundesweit in Esslingen a. N., wo allein über 100 Denkmale zu bestaunen sind.

2009
Von Aachen bis Zwickau nehmen über 2.400 Kommunen mit über 7.500 Denkmalen teil. Bundesweit sind am 13. September über 4,5 Millionen Besucher unterwegs. In Potsdam wird der Tag des offenen Denkmals von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck eröffnet.


Bild: wikimedia.de
Tabelle: http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/info/geschichte.html

06.09.2010, 20.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Dunkles Mittelalter?

Mittelalter_kl.jpgJetzt sprießen sie wieder wie Pilze aus dem Boden: die Mittelaltermärkte. Fast an jedem Wochenende kann man sich nun wie ein Landsknecht, eine Marketenderin oder ein edler Ritter fühlen. Ganz Passionierte hüllen sich sogar in eigens angefertigte Gewänder, setzen leinene Hauben auf und tragen spitzes Schuhwerk. Dann werden deftige Speisen aufgetischt und ein Humpen aus gebranntem Ton mit dunklem Bier oder Met gefüllt – fertig ist unser Bild vom Mittelalter. Nur dass wir für das Spektakel Eintritt zahlen, im klimatisierten Auto oder mit dem High-Tech-Fahrrad angereist sind und unter dem Leinenwams Funktionsunterwäsche tragen. Klar, dass der sommerliche Mittelalter-Zinnober in ganz Deutschland kaum ansatzweise etwas mit der realen Epoche zu tun hat.

Von dunklen Katen, strohgefüllten Bettlagern voller Ungeziefer, Armut, Hunger, Aberglauben und Krankheiten möchte man ja auch eigentlich nicht so viel wissen. Aber irgendwie übt dieses Zeitalter auf uns eine ganz große Anziehungskraft aus. Vielleicht, weil die Welt von damals so überschaubar scheint. Alles war ein paar Nummern kleiner, und jeder kannte seinen Platz in der Gesellschaft. Und außerdem gab es sie ja tatsächlich, die Ritter im Kettenhemd, die Minnesänger, Gaukler und Edeldamen. Faszinierende Gestalten einer immer noch einflussreichen Zeit.

Vielleicht haben Sie ja Lust, einmal hinter die Kulissen des Mittelalters zu blicken und mehr darüber zu erfahren, wie das Alltagsleben damals tatsächlich aussah, wie man mit der Umwelt umging, was auf dem Speiseplan stand und wie die gesellschaftliche Position von Mann und Frau war. Sehr spannend! Denn es gibt zu entdecken, dass das Mittelalter gar nicht so „dunkel“ war, wie wir meist glauben.

"Streifzüge durch das Mittelalter" bei Jokers

"Mensch und Umwelt im Mittelalter" bei Jokers

Bild: Codex manesse Heinrich von Breslau/wikimedia


27.08.2010, 07.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kabbalistik gegen die Krise?

Bei manchen Menschen herrscht zurzeit Weltuntergangsstimmung. Die Ölkatastrophe in den USA, die Kirchenkrise hierzulande, die Angst um den Euro, die Prophezeiungen der Maja, Skandale und Tragödien allenthalben. Gestern meinte meine Frau, als wir die Nachrichten sahen: 2010 ist kein gutes Jahr. Es ist nicht leicht, sich im Moment nicht von düsteren Stimmungen anstecken zu lassen. Da fällt unser Freund Markus ganz aus dem Rahmen. Wir philosophierten mit erhitzten Gemütern über den angeblich schlimmen Lauf der Welt, nur er blickte gelassen in die Runde: „Habt ihr die Kabbala gelesen?“. Sofort verstummten alle, blickten ihn fragend an: Die jüdische Geheimlehre? Nein, keiner von uns wusste mehr von der Kabbala, als dass sie Jahrtausende alt war und etwas mit dem Judentum zu tun hatte.

Da fing Markus an zu erzählen: von Sephiroth, von Lebensbäumen, von Emanationen, von Malkuth und von anderen fremd klingenden Dingen. Keiner verstand ein Wort. Aber er sprach auch von Selbstbewusstsein, von Kraft und von Gnade. Und davon, dass die Kabbala und der christliche Glaube sehr ähnlich seien. Zu Hause schlug ich nach, wovon Markus berichtete. „Empfangen“, „Erhalten“ oder „Annehmen bedeutet das hebräische „Kabbalah“: Adam, Symbol für die Menschheit, soll die Kabbalah durch Raziel, den Erzengel der Weisheit, empfangen haben. Dies geschah, so berichtet die Überlieferung, nach dem Fall aus dem Garten Eden.

Das vom Engel überlieferte Wissen, die geheime Weisheit um die praktische Anwendung von magischen Namen der Kraft sollten Adam als Instrumente dienen. Instrumente, die es dem Menschen möglich machen, wieder in das verlorene Paradies zurück zu finden und auch in der irdischen Welt Zugang zu höheren Welten zu haben.

Seit Jahrtausenden wird die Kabbalah von Mund zu Ohr weitergegeben, und fast so lange stand das so weitergegebene Wissen in keinem Buch. Erst 1900 erschien „Die Kabbala“, die Geheimlehre der jüdischen Mystik, im französischen Original in Paris. Der „Balzac des Okkultismus“, ein damals bedeutender Gelehrter, hielt die theosophischen Annahmen in seinem Werk fest. In der Übersetzung von Prof. Julius Nestler liefert uns „Die Kabbala“ einen Schlüssel zum Verständnis kabbalistischer Theorie und Praxis; sie ist wohl auch als Versuch einer Synthese religiöser Traditionen in Juden- und Christentum zu sehen. Aber ob kabbalistisches Wissen gegen Weltuntergangsstimmungen hilft? Ich weiß nicht, finde das Thema aber zumindest interessant.

http://www.jokers.ch/suche/index.html?com=kabbala&search.x=0&search.y=0&f=search.getsearch&tracksearch=true

28.05.2010, 13.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

November, der neunte

NovemberGibt es jemanden, der den November mag? Er war der neunte Monat im Römischen Kalender (November - von nove = neun), er trug viele andere Bezeichnungen: Keine einzige Umschreibung des ersten Wintermonats weckt freundliche Assoziationen. So nennt er sich auch der Nebelung, Nebelmond, Nebelmonat, Wintermond und Windmond.

Herbistmanoth, die althochdeutsche Bezeichnung für den November, enthält bereits das Bezugswort Herbst. Totenmonat heisst er wegen der Trauertage Allerseelen, Volkstrauertag, Buss- und Bettag und dem Totensonntag, doch auch der schaurige Name Schlachtmonat kam ihm zu: Im kälteren Wetter begann das Schlachten wieder.

Ein wunderbarer Dichter fasste diesen trüben Monat in wunderschöne Worte. Der deutsche Dramatiker und Poet Arno Holz wurde am 26. April 1863 in Rastenburg, Ostpreussen geboren, er starb am 26. Oktober 1929 in Berlin. Wer weiß – vielleicht wollte er den beginnenden neunten Monat nicht mehr miterleben. Als sein Hauptwerk gilt der Gedichtband Phantasus aus dem Jahre 1898. Darin findet sich dieses Gedicht:


Unter dunklen, treibenden Novemberwolken

Unter dunklen, treibenden Novemberwolken
verdämmert die Heide.

Gebückt,
am Wegrand,
sitzt du und starrst
auf deine welken Hände.

Lebst du noch?
Gemartert,
im Dornenstrauch,
zittert ein letztes Blättchen!




(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

06.11.2009, 19.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Geheimtipp für Kultur-Begeisterte

Kürzlich war ich am Wochenende mit einem Freund unterwegs. Er hat lange in der Straubinger Gegend gewohnt und kennt sich in der Gegend relativ gut aus. Über seine Freunde bekamen wir einen Geheimtipp. Mitten im Wald bei Rimbach, auf einer uralten Burgruine, sollte ein Theaterstück der wirklich anderen Art aufgeführt werden. „Da Judas vom Woid“ heisst das Stück, das in bestem Niederbayerisch in die Welt der Passionsspielvorbereitungen eines kleinen Dorfes entführt.

Es war ein unerwartetes Spektakel. Wir rechneten mit einem netten Bauernstück und kamen zu einem Theatergenuss der Extraklasse. Mit Leib und Seele agierten die Schauspieler als Judas, Jesus, Maria Magdalena und andere an der Passionsgeschichte beteiligten Figuren. In handgenähten Kostümen, die sehr authentisch wirkten, zogen sie Hunderte von Zuschauern, die Vorführung war ausverkauft, in ihren Bann.

Vor der Kulisse des Waldes, der langsam im Dunkel der Nacht verschwand, entfaltete sich ein aktuelles und brisantes Thema. Das Publikum erlebte mit, wie Schritt um Schritt das „Ich“ der Schauspieler verschwand und einer anderen Persönlichkeit Platz machte, von der man nicht wissen konnte, welche Grundzüge bereits vor der Rolleneinnahme vorhanden waren.

Fasziniert verfolgten mein Freund und ich das Schauspiel, und wir waren beileibe nicht die einzigen, die „Da Judas vom Woid“ als eine der besten Inszenierungen mit gesellschaftskritischem Inhalt erachteten.

Sehen Sie selbst, die Reise lohnt sich:

http://www.libu.de/judas.htm


(Geschrieben von Matthias Stöbener) 

18.08.2009, 19.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fasching oder Karneval

KarnevalWir sind auf dem Höhepunkt der närrischen Zeit: Die Welt feiert Karneval und wir feiern mit. Egal, in welchem Bundesland wir leben, jetzt kramen viele von uns die bunten Kostüme hervor, um auf den Strassen das wilde Treiben mitzumachen. Nur dass es in vielen Bundesländern anders heisst: Die einen gehen zum „Fasching“, die anderen zum „Karneval“, die Dritten feiern die „Fasnacht“.

Das Wort "Karneval" taucht in Deutschland erstmals im Jahr 1699 schriftlich auf. Zu dieser Zeit existierten die Begriffe "Fasnacht" und "Fasching" schon einige Jahrhunderte im alemannischen und bairischen Sprachraum: Als direkte Übersetzung der lateinischen Begriffe. Das lateinische Stammwort für unseren heutigen Karneval bildet „caro“, übersetzt Fleisch. Aus dessen Ableitungen "carnislevamen", "carnisprivium", "carnetollendas" und "carnelevale" bzw. "carne vale" - letzteres bedeutet so viel wie "Fleisch ade!" - hat sich wohl im Spätmittelalter das Wort "Carneval" entwickelt.

Das Wort "Fasching" geht sprachgeschichtlich auf das Mittelhochdeutsche "vastschanc" zurück, verkürzt und umgangssprachlich "vaschang, was den "Ausschank vor dem Fasten" meinte. Das Wort "Fas(t)nacht" kommt von "vas(t)(en)nacht" und meinte zunächst allgemein die "Nacht vor dem Fasten".

Köln gilt als die Hochburg der Narren und angeblich weiss keiner so gut zu feiern wie die Jecken: Der Rosenmontag oder auf kölsch „Rusemondaach“ (Ruse = Rosen) erinnert an den Sonntag Lätare. Dieser wird in Köln seit dem 16. Jahrhundert als „Halbfasten“ gefeiert. An diesem Tag, der Mitte der Fastenzeit, lebte die Erinnerung an den vergangenen Karneval noch einmal auf. Das religiöse Büssen und Fasten wurde für einen Tag unterbrochen. Der Rosensonntag hiess demzufolge auch „Mittfasten“. In Rom weihte der Papst am Sonntag eine Lätare, eine mit Moschus und Balsam gefüllte Rose, die dann in einer Prozession durch die Strassen getragen wurde.

Als der Karneval 1823 reformiert wurde, hat man das Lätarefest übernommen und bis 1832 beibehalten. Aus dem Mittfasnachtstag wurde der Rosenmontag. Wo auch immer Sie also wohnen und egal, ob Sie nun Fasching, Karneval oder Fasnacht feiern: Ihre Partylust geht auf eine uralte Tradition zurück!

(geschrieben von Matthias Stöbener)

23.02.2009, 08.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Goethe im Koffer

GoethekofferWir wollen uns dieses Jahr nur Kleinigkeiten zu Weihnachten schenken. Einstimmiger Familienbeschluss. „Eigentlich“ bin ich damit ja sehr einverstanden, ich halte von diesen Geschenk-Orgien nicht viel. Aber schlimm wird es, wenn man das augenscheinlich „ideale“ Geschenk für jemanden entdeckt hat … Meine Schwester Klara zum Beispiel ist ausgeprägter Goethe-Fan. Sie hat unzählige Reclam-Heftchen des grossen Meisters, und hre Liebe zu ihm zeigt sich an den zerfledderten, zerlesenen Büchlein.

Tja, und jetzt ist es vor Weihnachten passiert: Ich habe das ideale Geschenk für sie entdeckt: den „Goethe-Koffer“. Alle Werke des genialen Dichters, 33 Bände, in einem Koffer! Wie angewurzelt blieben meine Finger auf der Tastatur hängen: 199 statt 498 Euro. Das wäre zwar ein Geschenk, von dem sie ein Leben lang zehren könnte – aber natürlich trotz Preissenkung immer noch ein Sümmchen.

Ich hielt ein paar Tage Krisenrat mit mir selbst. Wenn ich meiner Frau einmal Schmuck schenke, ist das wesentlich teurer als der Jokers Goethekoffer! Dann sprach ich mit meiner Frau, dem Mann meiner Schwester und meiner zweiten Schwester: Wir haben alle vier zusammenlegt, um Klara den Koffer zu schenken! Und vielleicht darf ich mir ja das eine oder andere Werk mal ausleihen...



(geschrieben von Matthias Stöbener)

18.12.2008, 11.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Kulturschaffende am Ende der Verdienstleiter

zu wenigVon den Übersetzern weiss man es. Schon seit Jahren wabert ein Streit in der Buchbranche, was denn eine angemessene Entlohnung von Übersetzern bedeutet. Mit dem Ergebnis, dass die Übersetzer meist immer noch viel zu wenig für ihre kulturschöpferische Arbeit verdienen. Einer Gesellschaft, die darauf aufbaut, dass sie sich mit Wissen und Bildung auf ihrem Wohlstandsniveau hält, wird es nicht mehr lange möglich sein, Bankern, die gigantische Werte vernichten, Jahresgehälter von Millionen in den Rachen zu werfen, während sie gleichzeitig Menschen, die im Kulturbereich Werte schaffen, mit einem Hungerlohn abspeiset.

Viel Arbeit und wenig Geld, das ist auch die Überschrift eines Börsenblatt-Artikels zu den Einkünften von BuchillustratorInnen. 732 von ihnen haben ihre Einkünfte offengelegt. Mit erschreckendem Ergebnis. Fast 66 Prozent der Illustratoren können von ihrem Verdienst keine Familie ernähren. Etwa ein Drittel hat einen zweiten Beruf und mehr als 40 Prozent sind auf das Einkommen ihres Partners angewiesen, um überleben zu können. Ganz konkrete Zahlen: 45 % verdienen im Schnitt unter Fr. 18'000.- netto im Jahr, etwa 16 % kommen bis Fr. 27'000.- netto, etwa 12 % auf bis zu Fr. 36'000.- netto.

Und es wird in den nächsten Jahren sicher nicht besser, denn der Kostendruck der Verlage nimmt zu. Um das auszugleichen, müssten die Illustratoren noch mehr Bücher illustrieren – oder in Länder auswandern, wo sie besser verdienen. Auch an dem Beispiel der Illustratoren zeigt sich, dass die Hochschätzung von Kultur in unseren Breiten meistens nur einem Lippenbekenntnis gleichkommt. Jungen Menschen zu einem Beruf in der Kulturindustrie zu raten, kann nur noch mit einem schlechten Gewissen getan werden.


(geschrieben von Matthias Stöbener)

15.12.2008, 10.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Laura Laktose:
Ist das erste Buch mit den 1600 Lebensmitteln
...mehr

Marianne:
Es tut mir noch immer so leid dass ich erst v
...mehr

Anne:
Ich habe sehr lange Zeit online Schack gespie
...mehr

Marie:
Ich bin generell begeistert von den Schüssle
...mehr

schuessler aslze:
Toll, das ist endlich mal ein gut geschrieben
...mehr

Einträge ges.: 1367
ø pro Tag: 0,5
Kommentare: 38
ø pro Eintrag: 0
Online seit dem: 15.05.2005
in Tagen: 2560
TwitThisFacebookGoogleMySpaceTechnoratiMister WongDiggDeliciousYiggLinksilo
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3





<< Mai 2012 >>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 010203040506
07080910111213
14151617181920
21222324252627
28293031